Amberg
16.11.2022 - 09:34 Uhr

Forschungsprojekt an OTH Amberg-Weiden recycelt Hightech-Metalle mittels chlorhaltiger Abfälle

An der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden startet ein Forschungsprojekt, das sich der Rückgewinnung von Hightech-Metallen annimmt - mit Schadstoffen, die bei der Kunststoffentsorgung anfallen.

Das Prozessschema der „Chlor-Plattform“ zur Rückgewinnung kritischer Metalle und rohstoffliche Verwertung chlorhaltiger Abfälle Grafik: Fraunhofer UMSICHT/exb
Das Prozessschema der „Chlor-Plattform“ zur Rückgewinnung kritischer Metalle und rohstoffliche Verwertung chlorhaltiger Abfälle

Ressourcenschonende und klimafreundliche Technologien für die bayerische Wirtschaft (weiter-)entwickeln und zur Anwendung führen – das ist das Ziel des Projektverbundes „ForCYCLE Technikum“. Neben dem effizienten Einsatz von Ressourcen spielt Recycling dabei eine wichtige Rolle. Dazu startet an der OTH Amberg-Weiden jetzt ein Forschungsprojekt, das auf die Rückgewinnung von Hightech-Metallen abzielt und dafür Schadstoffe nutzt, die bei der Kunststoffentsorgung anfallen.

Im Fokus steht dabei der direkte Transfer der Ergebnisse in bayerische Unternehmen – und so sind neben der Hochschule auch das Fraunhofer-Institut Umsicht am Standort Sulzbach-Rosenberg sowie die Firmen Lober aus Neunburg vorm Wald und Gramet aus Würzburg involviert. „Einzigartig an diesem Projekt ist, dass wir die Verwertung chlorhaltiger Abfälle und die Rückgewinnung von Hightech-Metallen miteinander verbinden“, erläutert Prof. Dr.-Ing. Burkhard Berninger, Projektleiter an der OTH Amberg-Weiden in einer Pressemitteilung. „Das heißt, wir nutzen Chlorwasserstoff, der bei der thermochemischen Verwertung von Abfällen mit Polyvinylchlorid (PVC), zum Beispiel aus Altfahrzeugen oder dem Bausektor entsteht und somit die Chlorproblematik bei der thermischen Verwertung reduzieren soll. Dieser wird dann wiederum eingesetzt, um Hightech-Metalle wie Indium, Kobalt oder Seltene Erden aus LCD-Panels und LEDs zurückzugewinnen. Bis jetzt gehen diese Metalle oft verloren, da es, anders als zum Beispiel für Platingruppenmetalle, noch keine optimalen Recyclingverfahren gibt.“

Erster Test bereits erfolgreich

Projektziel ist die Weiterentwicklung eines Verfahrens, das im Labormaßstab bereits erfolgreich beim Fraunhofer-Institut Umsicht getestet wurde und jetzt in einen größeren Versuchsmaßstab übertragen wird. „Mit der Technologie ist es möglich allein in Bayern mehrere zehntausend Tonnen Chlorwasserstoff zu erzeugen und damit mehrere tausend Tonnen Hightech-Metalle aus Abfällen wiederzugewinnen“, sagt Michael Peer, Projektleiter beim Fraunhofer-Institut Umsicht. „Betreiber einer solchen Anlage könnten Entsorgungs- und Recyclingunternehmen sein.“ Besondere Beachtung im Projekt findet daher die Validierung der ökologischen und ökonomischen Prozesskette. Das bedeutet, dass die recycelten Hightech-Metalle aus den Abfällen auch markt- und wettbewerbsfähig sein müssen.

„Dieses Forschungsprojekt und der gesamte Projektverbund sind ausgezeichnete Beispiele für gelebten Technologietransfer. Hochschulen, Institute und Unternehmen entwickeln hier zusammen nachhaltige Lösungen für relevante Zukunftsprobleme, die Unternehmen aber auch uns allen zugutekommen“, betont OTH-Präsident Clemens Bulitta.

So läuft das Projekt ab

Im Projektverlauf wird bei Fraunhofer in Sulzbach-Rosenberg eine Demonstrationsanlage installiert und Versuche initiiert. Dafür stellt die Firma Lober PVC-haltige Kunststoffabfälle zur Verfügung, die zur Behandlung von LCD-Panels bzw. LEDs verwendet werden. Dabei entstehen feste und flüssige Metallkonzentrate, die im Anschluss an der OTH Amberg-Weiden weiterverarbeitet werden. Hier werden die unterschiedlichen Hightech-Metalle aus den Metallkonzentraten aufgetrennt und dem Wirtschaftskreislauf zur Verfügung gestellt. Die Firma Gramet untersucht die Hightech-Metalle abschließend auf ihre Reinheit und auf eine mögliche Marktplatzierung. Für weitere Produkte, die während des Verfahrens erzeugt werden, wird die Weiterverwendung ebenfalls eruiert, heißt es in der Pressemitteilung. Am Projektende soll es möglich sein, auch bei Entsorgungsfirmen solche Anlagen zu errichten. Aus den erzeugten Metallkonzentraten können dann Hightech-Metalle zurückgewonnen werden und so zur Versorgungssicherheit der bayerischen Wirtschaft beitragen.

Info:

Projektverbund

  • Das Projekt nennt sich offiziell "Technologie zur Schadstoffentfrachtung von chlorhaltigen Abfällen und Rückgewinnung von Hightech-Metallen – CHM-Technologie".
  • Es ist eines von fünf Projekten des Projektverbundes „ForCYCLE Technikum“ unter Leitung der OTH Amberg-Weiden.
  • Das Projekt wird mit über 780.000 Euro vom Bayerischen Umweltministerium finanziert und durch das Ressourceneffizienz-Zentrum Bayern (REZ) am Landesamt für Umwelt koordiniert.
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