19.01.2020 - 10:31 Uhr
AmbergOberpfalz

Freispruch für 26-Jährigen: Es war kein illegales Autorennen

Erfolg für Anwalt und Mandant: Sie wehrten sich vehement gegen den Vorwurf eines illegalen Autorennens. Nach drei Prozessrunden steht laut Staatsanwältin und Richter fest: "Freispruch. Kein Anhaltspunkt für strafbares Verhalten".

Symboldbild.
von Autor HWOProfil

Am Abend des 25. April 2019 stand ein außergewöhnliches Auto an einer auf Rot geschalteten Ampel nahe der Trimax-Turnhalle. Es war ein britischer Sportwagen mit 495 PS und Anschaffungskosten von über 100.000 Euro. "Vom Geräusch her lauter als ein Ferrari", sagte jetzt der Kfz-Sachverständige Hans Bäumler. Ein Fahrzeug mit hochkomplizierter elektronischer Technik und - auch das war zu vernehmen - "röhrendem Sound, wenn man aufs Gasedal geht".

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Der junge Mann am Steuer hatte Vaters Sportflitzer zu einer abendlichen Tour bekommen. Als die Ampel auf Grün schaltete, machte er nach eigenen Angaben "einen Kavaliersstart". Oder anders: Der 495-PS-Bolide schoss pfeilartig nach vorn. Zwei in ihrem Funkstreifenwagen sitzende Polizisten hatten das beobachtet und äußerten später mehrfach im Verfahrensverlauf, dass der mit durchdrehenden Reifen anfahrende Pkw zunächt mit dem Heck ausbrach. Danach, so schätzten beide, seien bis zur nächsten Ampel an der Fachhochschule Geschwindigkeiten von nahezu 140 Stundenkilometern erreicht worden.

Fall landet am Amtsgericht Amberg

Die Uniformierten, hinter dem Sportwagen haltend, folgten und setzten sofort zur Kontrolle an, als das englische Auto an der Ampel gleich neben der Fachhochschule wegen Rotlichts stoppte. Dem Fahrer, einem 26-jährigen Mechatroniker, wurde eine Anzeige wegen selbst inszeniertem illegalen Autorennens angekündigt und wollte den Führerschein einziehen.

Der Fall wurde vor das Amtsgericht gebracht. Der damalige Richter hörte sich an, was der Angeklagte sagte. "Das Heck ist beim Start nicht ausgebrochen und ich bin nicht schneller als 70 Kilometer pro Stunde gefahren". Der Vorsitzende bezweifelte das entschieden. Dennoch brach er die Verhandlung ab, als Verteidiger Wolfgang Hottner darauf bestand, einen Kfz-Sachverständigen einzuschalten.

Bei der nächsten Verhandlungsrunde am 5. November 2019 hatte ein Richterwechsel stattgefunden. Ab dann führte Florian Meißner den Vorsitz. Doch an diesem Tag wurde abermals abgebrochen, weil zwar das Gutachten vorlag, aber der Kfz-Experte nicht anwesend war. Den aber wollte der Verteidiger hören.

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So kam es nun zum dritten Termin. Er endete mit einem finalen Paukenschlag, der mindestens so furios war wie das Auspuffgeräusch des Nobel-Wagens. Professor Hans Bäumler aus Gebenbach, ein bundesweit renommierter Experte, hatte sich lange mit dem Vorfall beschäftigt, den Wagen persönlich einem Test unterzogen und fachlich intensive Erhebungen angestellt.

Maximal 80 Stundenkilometer

Daraus resultierte: Der britische Sportwagen, so Bäumler, sei womöglich beim "Kavaliersstart" um ein paar Zentimeter ausgebrochen. "Das deckt sich mit den Beobachtungen der Polizisten", ließ er erkennen. Doch dann wurden die Ergebnisse seiner Nachforschungen tiefgreifend. Denn von 130 bis 140 Stundenkilometern konnte laut Bäumler keine Rede sein.

Der Experte rechnete vor: Zwischen den Ampeln bei der Trimax-Halle und der Fachhochschule liege eine Stecke von 425 Metern. Bei so hohem Tempo, wie von den Polizisten geschildert, hätte der 26-Jährige schon nach relativ kurzer Strecke beim jetzigen Grammer-Verwaltungsgebäude mit dem Bremsvorgang beginnen müssen. Weil da eine weitere Ampel in Sichtweite war und der Anhalteweg bis zu ihr bei dieser Geschwindigkeit rund 150 Meter betragen hätte.

Richter Meißer hakte nach und erfuhr, dass Gutachter Bäumler eine Maximalgeschwindgkeit von 80 Stundenkilometern für realistisch hielt. Zwar mehr als die erlaubten 50 Kilometer pro Stunde, aber weitaus weniger als das von den Beamten geschilderte halsbrecherische Tempo.

Führerschein zurück

Damit hatte sich das Blatt in einem Verfahren gewendet, bei dem zunächst wenig bis keine Chancen für den Angeklagten bestanden. Angesichts der Fakten ruderte Staatsanwältin Jasmin Hertel zurück und verlangte Freispruch. Dieser Antrag fiel zur Zufriedenheit von Verteidiger Hottner aus und er schloss sich ihm an. Der Richter war gleicher Meinung. Seinen bei den Akten liegenden Führerschein bekam der 26-Jährige noch im Gerichtssaal zurück. Die Kosten inklusive des sicher nicht billigen Gutachtens, zu dem auch Luftaufnahmen angefertigt wurden, muss nun die Staatskasse zahlen.

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