15.03.2019 - 17:36 Uhr
AmbergOberpfalz

"Fridays for Future"-Demo trotzt in Amberg dem Regen

Weltweit gehen am Freitag Schüler auf die Straße. Unter dem Motto "Fridays for Future" demonstrieren Tausende für mehr Klimaschutz. Auch Amberg ist dabei. 250 Leute ziehen am Nachmittag mit Trommeln und Transparenten durch die Innenstadt.

"Fridays for Future"-Demo am Freitag in Amberg: Rund 250 Menschen beteiligen sich.
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Kurz vor 14 Uhr waren es nur eine Handvoll Demonstranten, die sich im Maltesergarten trafen. Doch spätestens in der Fußgängerzone war klar, dass viele Sympathisanten nur darauf gewartet hatten, dass sich die Gruppe in Bewegung setzt. Ausgerüstet mit Schirmen und wetterfester Kleidung riefen die Demonstranten "Hopp, hopp, Kohlestopp". Zu den Sprechchören trugen sie ihre kreativen Plakate zur Schau: "Die Ampel steht auf Rot, aber ihr gebt Vollgas", "19.000 Wissenschaftler stehen hinter uns" oder "Das Klima verändert sich, warum nicht auch ihr".

Am Marktplatz versammelten sich die Demonstranten um die zwei Organisatorinnen, Larissa Köster und Aziza Ernst. Die Studentinnen der OTH Amberg-Weiden hatten emotionale und faktenreiche Reden vorbereitet. "Herr Lindner und andere Politiker in diesem Land, ihr habt keine Ahnung, was Klimawandel für uns und unsere Gesellschaft bedeuten würde", verkündete Aziza Ernst. Nur 1,5 Grad mehr, das Klima würde kippen und "wir können das nicht mehr rückgängig machen". Neben direkten Folgen wie Extremwetter-Ereignissen, wie Hitzewellen, Dürren, Starkregen werde es auch indirekte Folgen geben wie Ernährungsunsicherheit, psychische Erkrankungen und die Verbreitung von Krankheitserregern und -überträgern geben. Aziza Ernst: "Ein Leben auf einem drei Grad wärmeren Planeten, auf den wir zustreben, ist keines, das Herr Lindner haben möchte. Auch wenn er noch so oft über Wirtschaft und Arbeitsplätze redet."

Kohleausstieg kann nicht warten

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung habe berechnet, der Klimawandel würde in den nächsten 50 Jahren 800 Milliarden Euro kosten – und das ohne Unwetterschäden. "Ich fordere Kohleausstieg, Maßnahmen in allen Bereichen unserer Gesellschaft, politische Entschlossenheit und als höchste Priorität, dieses Szenario zu unterbinden: Wir sind die erste Generationen, die die dramatischen Folgen des Klimawandels erlebt und wir sind die letzte, die etwas dagegen tun kann." Es würden zehn Jahre Zeit bleiben, um grundsätzliche Veränderungen einzuleiten. "Unsere Kinder und Eltern werden diese Chance nicht mehr haben. Sie werden mit unseren Entscheidungen im Jetzt leben müssen." Sie betonte: "Keine Kompromisse, handeln, jetzt."

Zum Thema Kohlekraftwerke sprach Larissa Köster. Sie würden momentan 45 Prozent des deutschen Stroms liefern. Doch sie verursachten 80 Prozent der CO2-Emission der Stromversorgung. "Diese Unverhältnismäßigkeit beruht auf veralteten Technologien", sagte die Umwelttechnik-Studentin. Von den fünf "dreckigsten Kraftwerken Europas" würden vier in Deutschland stehen. "Das kann doch nicht sein." Die in Paris beschlossenen Ziele müssen eingehalten werden, forderte sie. Zu Wort meldete sich auch Norbert Peter, Vater von drei Kindern, aus Freudenberg. Er zitierte Thunberg. "Es ist wirklich so: Unser Haus brennt." Aber: "Das was wir vor uns haben, ist kein Brand, der von heute auf morgen gelöscht werden kann. Es ist eher vergleichbar mit einem Marathonlauf. Richtet Euch darauf ein, dranzubleiben. Viele werden versuchen, Euch einzulullen."

Auch in Weiden fand eine Klimaschutz-Demonstration statt

Weiden in der Oberpfalz

200 Jugendliche in Marktredwitz gingen für mehr Klimaschutz auf die Straße:

Marktredwitz

Köster und Ernst hatten nicht mit so vielen Teilnehmern gerechnet. Lediglich 50 hatten sie im Vorfeld angemeldet. "Es sind fünfmal so viele Leute gekommen. Dafür sind wir super dankbar. Das ist mehr, als wir uns erhofft hatten", sagte Köster.

Demonstrationsteilnehmerin Lis Koch (56) ging "für die Zukunft unserer Kinder" auf den Marktplatz. "Für Umweltschutz, Klimaschutz und gegen Braunkohle", demonstrierte der elfjährige Elias Scherr. "Es geht nicht darum, kein Fleisch zu essen, sondern auch zu wissen wo es herkommt", vertrat Susanna Schmidt (17) aus Hahnbach die These. Anna Sauerbach (18) aus Aschach beteiligte sich an der Demo, weil sie Greta Thunberg unterstützen wollte. Sie bewundert das jüngere Mädchen, das sich traut, gegen die Politik und Erwachsene etwas zu sagen. "Ich finde es erschreckend wie es zur Zeit läuft und das nichts getan wird. Es muss sich jetzt etwas bewegen."

Franziska Hellerich kam extra aus Fürth, um ihre Freundin in Amberg zu unterstützen. "Das ist die erste Demo, bei der ich vorne dabei war. Ich fand es wichtig zu sehen, dass es auch in Amberg möglich ist. Ist ja nicht so, dass wir es besser wissen. Wir möchten nur, dass die, die es besser wissen, etwas dafür tun, für uns und für die, die danach kommen", sagte die 20-Jährige. Die Organisatorinnen kündigten für Mai die nächste Demo an – kurz vor der Europawahl.

Hintergrund:

Greta Thunberg (16) stellte sich seit mehreren Wochen immer freitags vor das schwedische Parlament, um für mehr Klimaschutz zu kämpfen. Weltweit schlossen sich Tausende Schüler ihrem Vorbild an. Der Freitag, 15. März, bildete den vorläufigen Höhepunkt der Bewegung. Laut Organisatoren wurde in 1200 Ländern auf allen Kontinenten, auch in der Antarktis, demonstriert. In Deutschland standen 222 Streikorte auf der Liste – die meisten begannen vormittags. In der Oberpfalz waren neben Amberg auch Regensburg und Weiden dabei. In Amberg war es der zweite "Fridays for Future"-Protest. Am Freitag, 8. Februar, organisierten Schüler an der Bürgerkugel die Demo.

Die Bilder zur Demo in Amberg:

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