20.09.2021 - 09:32 Uhr
AmbergOberpfalz

Frührentner mit 35 Vorstrafen jetzt in Psychiatrie

Ein mittlerweile 65 Jahre alter Frührentner beschäftigt seit geraumer Zeit die Amberger Justiz. Der Mann hat 35 Vorstrafen. Ihn zu verurteilen, ist aber gar nicht so einfach.

Drei bis vier Gerichtsverhandlungen im Jahr waren für einen Frührentner bisher die Regel.
von Autor HWOProfil

Es hätte viel zu reden gegeben vor dem Amberger Landgericht. Doch die Debatte um das zukünftige Leben eines 65-Jährigen musste ein zweites Mal verschoben werden. Der Mann, so stellte sich heraus, ist unterdessen in die geschlossene psychiatrische Abteilung einer oberpfälzischen Klinik eingewiesen worden.

Der Frührentner hat 35 Einträge im Vorstrafenregister. Für die Behörden in Amberg wurde er im Lauf der Zeit zur Dauerplage, die in eine Vielzahl von Polizeieinsätzen mündete. Vorwiegend deswegen, weil der dem Alkohol verfallene Mann regelmäßig sturzbetrunken mit seinem Fahrrad durch die Stadt kurvte, gegenüber Passanten ausfällig wurde und bisweilen sogar auf Friedhöfen lärmte.

Drei bis vier Gerichtsverhandlungen im Jahr waren die Regel. Richter gaben oft Bewährung. Das verbanden sie mit dem dringenden Rat: "Bringen Sie Ihr Leben in den Griff." Doch meist verging nur eine kurze Zeitspanne, bis die nächste Anklage der Staatsanwaltschaft bei der Justiz vorlag.

Auf keinen Fall ins Gefängnis

Im November 2020 war nach drei weiteren Trunkenheitsfahrten die Geduld einer Amtsrichterin ausgereizt: Sie sperrte den 65-Jährigen für zehn Monate ein und öffnete damit auch die Tür zum Widerruf einer mehrmonatigen Bewährungsstrafe. Doch ins Gefängnis, dessen Umfeld er bereits kannte, mochte der Angeklagte auf keinen Fall. Er ließ über seinen Verteidiger Jörg Jendricke Berufung zum Landgericht einlegen.

Ein erster Termin hätte heuer im Frühsommer vor der 3. Strafkammer stattfinden sollen. Dabei stellte sich heraus: Der Vielfach-Täter hatte mit seiner Zustimmung das Obdach in Amberg verlassen und war wegen einer Therapie in eine betreute Wohngruppe gezogen. "Lassen wir ihn vorerst dort", befand der Strafkammervorsitzende Peter Hollweck damals.

Verhandlung verschoben

Jetzt hätte erneut ein Termin stattfinden sollen. Erst kurz vor Beginn erfuhren die Richter, dass der 65-Jährige nicht mehr in der Wohngruppe ist und sich unterdessen in der geschlossenen Psychiatrie einer Klinik befindet. Ihn von dort zu holen und nach Amberg zu bringen, war nicht machbar. Deswegen wurde die Aufarbeitung der Gesamtlage um den Frührentner, gegen den dem Vernehmen nach erneut polizeiliche Ermittlungen laufen, bis November verschoben.

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