23.06.2021 - 15:12 Uhr
AmbergOberpfalz

"Ich fühle mich begnadet": Leonard Skorczyk wird neuer Priester in Amberg

Leonard Skorczyk kommt als neuer Pfarrer in die Amberger Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit. Im Interview erklärt er, warum Frauen nicht geweiht werden sollten, wie er Gläubige zurückgewinnen will und was er mit dem Primizgeld vorhat.

Hinter Leonard Skorczyk liegen einige Jahre Studium und parallel dazu die Ausbildung zum Priester und Seelsorger im Priesterseminar. Am Samstag, 26. Juni, wird er zum Priester geweiht und feiert anschließend seinen ersten Gottesdienst, die Primiz, in seiner Heimatpfarrei Hl. Dreifaltigkeit in Amberg.
von Adele SchützProfil

ONETZ: Aller Augen werden auf Sie gerichtet sein. Wie fühlen sie sich kurz vor Priesterweihe und ihrem ersten Gottesdienst, der Primiz?

Leonard Skorczyk: Ich fühle, dass Großes und Beeindruckendes mit mir geschieht, denn die Priesterweihe ist ein Geschenk aus der Gnade Gottes, also keine Eigenleistung. Ich bin aufgeregt, aber nicht nervös. Ich habe diese tiefe Beruhigtheit, weil ich mir sicher bin, dass der Dienst als Priester und Seelsorger definitiv meine Berufung ist.

ONETZ: Kamen bei ihnen manchmal Zweifel auf, ob sie sich in ihrer Berufung nicht getäuscht haben?

Leonard Skorczyk: Ich fühle mich begnadet, dass ich die unbeirrbare Sicherheit habe, dass ich von Gott berufen bin und der Priesterberuf das Richtige für mich ist. Ich werde rund 50 Jahre als Priester wirken. Mir ist bewusst, dass für die Kirche und in der Kirche turbulente Zeiten auf uns zukommen. Ich weiß nicht, welche Aufgaben der Herr für mich bereithält, ich weiß nur, dass ich bereit bin, mich diesen zu stellen.

ONETZ: Im Theologie-Studium und dem relativ abgeschirmten Leben im Priesterseminar spielten Frauen kaum eine Rolle. Im Priesteralltag werden sie aber gerade mit Frauen sehr viel zu tun haben. Wie ist ihre Einstellung zu Frauen?

Leonard Skorczyk: Ich fühlte mich im Priesterseminar nie isoliert, weil ich bewusst darauf bedacht war, Kontakte außerhalb des Seminars zu pflegen. Ich war beispielsweise Mitglied in der Studentenvereinigung und im Debattierklub sowie in der altersübergreifenden Studentenverbindung. Ich suchte auch immer aktiv Kontakt zu Gleichgesinnten, darunter viele Frauen, außerhalb des Hauses, um stets Einblick über die aktuelle Denk- und Kulturwelt zu haben.

ONETZ: Sollten Frauen zum kirchlichen Dienst und zur Weihe in der katholischen Kirche zugelassen werden?

Leonard Skorczyk: Die Dienste und Aufgaben in der Kirche sind vielfältig und fast jeder Christ ist berufen, sich in die Kirche einzubringen. Frauen leisten in der Kirche essentielle Arbeit, die ich wertschätze. So freue ich mich auch auf die Zusammenarbeit mit Frauen in der Pfarrei. Das Weiheamt ist allerdings eine andere Sache und sollte damit niemals vermengt werden. Das Weiheamt ist von Christus gegründet und wird seitdem auf dem von ihm gegründeten Fundament fortgeführt. Somit hat die Weihe nichts mit Würde und Recht zu tun und so schließe ich mich den Beschluss der Päpste und der Diözesanleitung sowie der Tradition an, Frauen zur Weihe nicht zuzulassen.

ONETZ: Die katholische Kirche steht auch wegen ihres Umgangs mit sexuellem Missbrauch schwer in der Kritik...

Leonard Skorczyk: Der jetzt aufgedeckte Missbrauch in der katholischen Kirche weckt Abscheu und hinterlässt tiefe Wunden. Ich bin deshalb sehr froh, dass wir in der Diözese Regensburg in der Aufarbeitung und in der Prävention große Schritte gemacht haben. Gerade in der Priesterausbildung ist der sexuelle Missbrauch ein wesentliches Thema, auf das wir bestens vorbereitet werden. Ich freue mich, das diesbezüglich Gelernte persönlich und institutionell in der Praxis in der Pfarrei umsetzen zu können.

ONETZ: Das kirchliche Leben unter Corona schwer gelitten. Schon zuvor ging die Zahl der Gläubigen zurück. Wie wollen sie die Kirche attraktiver machen und die Besucherzahlen der Gottesdienste steigern?

Leonard Skorczyk: Ich möchte allen Christen sagen: Kommt zurück in die Kirche. Wir haben große Gottesdiensträume und ein super Hygienekonzept. Der Glaube lebt durch die Sakramente als anfassbare Zeichen der Liebe Gottes, die nur in Präsenzveranstaltungen erfahrbar werden. Ich bin zudem aktiv in den modernen sozialen Medien, um junge Leute dort abzuholen, wo sie stehen und um sie vom Glauben zu begeistern. Medienprojekte der Kirche und Medienbischöfe beweisen durch ihre Erfolge, dass das der richtige Weg für die Zukunft der Kirche ist, da damit auch die junge Generation erreicht werden kann. Aus diesem Grund bin ich gerne bereit, einen Teil meines Primizgeldes für eine brandneue Kamera für meine Arbeit in der Pfarrei zu investieren.

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