15.11.2020 - 14:13 Uhr
AmbergOberpfalz

Fünf Taifune und Corona treffen arme Filipinos hart

Fünf Taifune in einem Monat: Wieder hat es die Philippinen schwer erwischt. Wieder sind es die Ärmsten der Armen, die darunter leiden, weil ihre Hütten aus Holz und Palmwedeln förmlich davonflogen. Die Ambergerin Marilou Amann will helfen.

Familien sitzen vor den Trümmern ihrer Hütten in Albay. Hier in der ersten Reihe zur Küste waren sie nur aus Brettern, plattgedrückten Blechkanistern und Palmwedeln gebaut und konnten so dem Sturm nicht trotzen. Die Häuser weiter hinten haben festere Dächer, sind teils aus Stein und hielten halbwegs stand.
von Thomas Amann Kontakt Profil

Die Region Albay im Süden der Hauptinsel Luzon, die sich weit dem offenen Pazifik entgegenreckt und damit den von dort kommenden Tropenunwettern gnadenlos ausgesetzt ist, hat es mit am schlimmsten getroffen. "Das hier ist Ground Zero", schildert die katholische Ordensschwester Maria Lani Saligumba das Ausmaß der Katastrophe mit Hunderten zerstörten Hütten und schwer beschädigten Häusern. Abgesehen von der Zahl der Toten, die nach den fünf Taifunen diesmal "nur" bei rund 100 liegt, fühlt sie sich an den Jahrhunderttaifun Haiyan Ende 2013 erinnert, der damals über 7000 Menschenleben forderte und Hunderttausende obdachlos machte.

Im Advent beginnt wieder die Spendenaktion von Marilou Amann, die nicht nur Weihnachten hilft, sondern mehrmals im Jahr - so berichtete OM zuletzt

Amberg

"Tieftraurige Katastrophe"

Dass es heuer nicht so viele Todesopfer gab, liegt laut Schwester Lani nur daran, dass der Region Albay - anders als etlichen Küstenstrichen vor sieben Jahren - ein Tsunami erspart blieb. "Dennoch ist das alles hier eine tieftraurige Katastrophe für die Einwohner unserer Provinz", sagt die einstige langjährige Leiterin eines Mädchenwohnheims der Handmaids of the Sacred Heart of Jesus in Albays zweitgrößter Stadt Daraga. Obwohl die 58-Jährige inzwischen im Großraum Manila eine weitere wichtige Position in ihrem Orden samt Betreuung eines Slumgebiets im Stadtnorden bekleidet, hat sie sich die Lage ihrer früheren Wirkungsstätte vor Ort angesehen und ist erschüttert.

Kein Wunder, dass der Hilferuf von Schwester Lani und ihrer stets auf der Seite der Armen kämpfenden Kongregation erneut nach Amberg dringt. Denn hier wohnt ihre Cousine Marilou Amann, die nicht nur mit der Projekthilfe Dr. Luppa oft kooperiert und ihr aufgrund ihrer guten Kontakte auf den Philippinen geeignete Hilfsprojekte vorschlägt. Nein, Marilou Amann betreibt neben der Vermittlung von Schul- und Ausbildungspatenschaften auch selbst regelmäßig Lebensmittelhilfe in ihr bekannten, besonders armen Gebieten. Das ist heuer mehr nötig als je zuvor, sagt die gebürtige Filipina. Denn allein die Coronakrise, die auf den Philippinen voll durchschlägt, hat nach ihrer Auskunft "für neues Elend und vor allem für Hunger gesorgt - ein Problem, unter dem die Philippinen früher kaum litten".

Corona verhindert Tagelöhnerjobs

Doch Millionen Menschen hätten nur einfache, nicht stabile Jobs, könnten sich oft nur als Tagelöhner verdingen mit Mini-Einkünften, die für Familien mit Kindern kaum für den nächsten Tag reichen. Der seit Frühjahr oft wochenlange und immer wiederkehrende Lockdown des eh radikal eingestellten Präsidenten Rodrigo Duterte sorgt laut Amann praktisch permanent dafür, dass Zigtausenden selbst diese Tagelöhnerjobs weggebrochen sind. Ohne die aber haben die Menschen kein Einkommen haben, weil es so etwas wie eine Arbeitslosenversicherung auf den Philippinen nicht gibt.

Der Hunger geht um

Die versprochene staatliche Lebensmittelhilfe fiel in den vergangenen Wochen und Monaten immer kärglicher aus, so dass Zigtausende Familien wirklich Hunger leiden, berichtet Marilou Amann. "Nur eine Mahlzeit am Tag ist für viele die traurige Realität geworden", bestätigt ihre Cousine Maria Lani, die mit der regelmäßigen Sozialarbeit ihres Ordens die wahren Verhältnisse der Bevölkerung gut kennt. "Wenn wir nicht an Covid-19 sterben, dann an Hunger", zitiert die katholische Nonne ein fast schon geflügeltes Wort vieler Filipinos.

Doch es gibt auch Lichtblicke. Gerade jetzt in der Katastrophenregion Albay. Denn dort hat Marilou Amann mit Hilfe der Klaus-und-Gertrud-Conrad-Stiftung aus Hirschau schon vor drei Jahren regelmäßige Armenspeisungen in der ebenfalls kargen und einkommensschwachen Regenzeit einrichten können. Im Slumgebiet Kilicao wohnen Menschen, die vom Müllsammeln und Verkaufen der aus dem Abfall herausgeklaubten Wertstoffe leben. Weil aber in der Regenzeit Papier, Pappe, Stoff und anderes Material nass und unbrauchbar ist, haben sie in dieser Phase kaum Einkommen.

Klaus Conrads großes Herz

Ein Zustand, der schon 2017 das Herz von Stiftungsgründer Klaus Conrad bewegt hat und auf seinen Wunsch Armenspeisungen für diese Menschen, insbesondere die Kinder jener Familien, entstehen ließ. Und weil der Seniorchef des gleichnamigen Elektronikunternehmens und seine Ehefrau auch heuer in der Coronakrise extra helfen wollten, haben sie diese Armenspeisungen bis Ende November verlängert.

So haben nun auch die am schlimmsten von den Taifunen getroffenen Menschen in Albay etwas davon. Sie können ihre Kinder zu den von Marilou Amann und Schwester Lanis Orden organisierten Essen schicken, während die Erwachsenen versuchen, ihre Hütten wieder aufzubauen. "Wenigstens unsere Jungen und Mädchen sind versorgt", sagen die dankbaren Eltern, die bis Ende November zumindest diese Sorge los sind. Marilou Amann ist ihrerseits dankbar für die Unterstützung der Conrad-Stiftung mit weiteren 5000 Euro allein für den verlängerten Zeitraum. Und sie glaubt an himmlische Fügung, dass diese Hilfe aus Hirschau nun so doppelt wertvoll wirkt, genau zur richtigen Zeit auch nach der Taifun-Katastrophe kam.

Marilou Amann will weiter helfen

"Ich bete jeden Tag, dass Klaus Conrad und seine Frau gesund bleiben. Dass sie dieses Hilfswerk noch lange fortführen können, das Menschen hierzulande, aber auch am anderen Ende der Welt in meiner ehemaligen Heimat so essenziell unterstützt", sagt die Ambergerin. Dennoch hofft sie, dass auch ihre private, immer vor Weihnachten und im beginnenden Advent auf die Beine gestellte Spendenaktion wieder gute Resonanz in Amberg und Umgebung erfährt. Gerade weil die Tausenden Obdachlosen in Albay noch länger weitere Nahrungshilfe gebrauchen können.

Gut 100 Kinder aus Müllsammler-Familien warten im Slumgebiet Kilicao auf ihre Armenspeisung, organisiert von Marilou Amann und der Conrad-Stiftung. Nach den Taifunen ist diese Hilfe doppelt notwendig und soll mit weiteren Spenden, die die Amberger Filipina sammeln will, weitergehen.
Service:

Drei Wege zur Hilfe

Speisung oder Essenspaket:

Selbst wenn Armenspeisungen mit vor Ort gekochtem Essen wegen Corona-Lockdowns oft nur zeitweise möglich sind, will Marilou Amann mit Lebensmittelpaketen weiter helfen, die sie an bedürftige Familien verteilen lässt. Spenden dafür sind auf folgendes Konto möglich: Marilou Amann, Iban: DE04 7608 0040 0701 2317 00, BIC: DRESDEFF760, Stichwort Nahrungshilfe Philippinen.

Ausbildungs- und Schulpatenschaften:

Begabten Kindern aus armen Familien wird per Schul- oder Ausbildungspatenschaft eine Berufsperspektive gegeben. Für diese Hilfe gleiche Bankverbindung wie oben, aber anderes Stichwort: Schul- bzw. Ausbildungspatenschaft Philippinen.

Spendenquittung:

Eine Quittung ist nur möglich über die Projekthilfe Dr. Luppa, wofür die entsprechende Spende dann auf deren Konto überwiesen werden muss: Projekthilfe Dr. Luppa Amberg, Iban: DE05 7525 0000 0190 0200 08, BIC: BYLADEM1ABG, Stichwort: Nahrungshilfe oder Stichwort: Schulpatenschaft Philippinen, Marilou Amann.

Immer wieder suchen schwere Taifune und Monsunregen die Philippinen heim, auch die Projekthilfe Dr. Luppa springt oft bei

 

 

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