03.02.2020 - 17:33 Uhr
AmbergOberpfalz

Aus für Gewerbegebiet: Von desaströs bis nachvollziehbar

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Der Kommunalwahlkampf in Amberg hat ein neues Thema: Das Aus für das interkommunale Gewerbegebiet Amberg-Ursensollen. Die Reaktionen der Oberbürgermeisterkandidaten fallen gemischt aus.

Überblick: So ungefähr wäre das rund 98 Hektar große interkommunale Gewerbegebiet gelegen (roter Umriss).
von Uli Piehler Kontakt Profil

SPD-Oberbürgermeisterkandidatin Birgit Fruth wirft der Stadtspitze und namentlich Oberbürgermeister Michael Cerny (CSU) vor, das Projekt vertrödelt zu haben. "Seitens der CSU konnte man nie einen richtigen Anschub, einen Willen zur Verwirklichung erkennen", erklärte Fruth. "Wir wurden immer wieder vertröstet. Sogar ein Fachberatungsbüro, das mit eingeschaltet wurde, konnte nicht den ersehnten Wandel und Erfolg bringen. Das alles ist nun für die Amberger Wirtschaft ein absolutes Desaster."

Die Gemeinde Ursensollen kündigt die Kooperation für ein interkommunales Gewerbegebiet auf

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Hans-Jürgen Bumes (Grüne) weist darauf hin, dass die Grünen, die ÖDP und die Freien Wähler im Stadtrat zu Beginn der Verhandlungen dafür plädiert hätten, gemeinsam mit Ursensollen ein interkommunales Gewerbegebiet an der A6 zu entwickeln. "Leider gab es dafür keine Mehrheit, sondern das Ansinnen wurde rundweg von CSU und SPD abgelehnt." Diese Entscheidung sei ein kapitaler Fehler gewesen. "Seit Jahren könnten vor von Ansiedlungen profitieren. Der Umzug von Grammer nach Ursensollen wäre kein Thema gewesen."

Oberbürgermeister Michael Cerny (CSU) kritisierte die Entscheidung aus Ursensollen scharf

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Was nach Bumes Auffassung jetzt gar nicht geht, wäre eine Wiederbelebung der Pläne für ein Gewerbegebiet Atzlricht. "Wir Grüne, die dieses Gewerbegebiet abgelehnt haben, begrüßen, dass sich jetzt Nachhaltigkeit und Vernunft durchsetzen", sagt Bumes. Amberg habe noch Potenzial an Erweiterungsflächen unter Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit. Dazu zählt der Oberbürgermeisterkandidat der Grünen auch das Areal der Leopoldkaserne.

Ähnlich sieht Franz Badura von der ÖDP die Angelegenheit. Auch er kann sich an die Ablehnung erinnern, die die kleinen Parteien mit ihrem Kooperations-Vorschlag erfahren haben. "Wäre man damals dem Weitblick der ÖDP gefolgt, anstatt mit einer gewissen städtischen Arroganz dieses einmalige Angebot einer Nachbarkommune brüsk abzulehnen, wäre heute zum Beispiel die Standortverlagerung von Grammer mit keinerlei gewerbesteuerlichen Konsequenzen verknüpft."

Auch Badura hält die zuletzt geplante, fast 100 Hektar große Gewerbefläche für überdimensioniert und sieht der aktuellen Entwicklung eher gelassen entgegen. "Wenn man mit weiteren Nachbarkommunen in einen auf Augenhöhe geführten Dialog tritt, gibt es mit Sicherheit weitere, hervorragende Möglichkeiten." Außerdem ist er überzeugt, dass die Stadt auch selbst noch genügend Potenzial hat.

"Ich kann die Entscheidung aus Ursensollen verstehen", sagt der Oberbürgermeisterkandidat der Freien Wähler, Manuel Werthner. "Die aufgeführten Gründe sind für mich nachvollziehbar und sinnig, allein schon unter dem Aspekt Flächenfraß." Er weist darauf hin, dass viele Unternehmen gerade an ihre Grenzen stoßen. Gar nicht so sehr wegen fehlender Flächen, sondern wegen fehlenden Personals. Allerdings sieht auch er die Stadt jetzt gefordert, nach Alternativen kleineren Umfangs Ausschau zu halten, um im Bedarfsfall agieren zu können.

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