31.01.2020 - 14:37 Uhr
AmbergOberpfalz

Ursensollen beerdigt Groß-Projekt mit Amberg

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Ursensollen trägt ein Vorhaben zu Grabe, das fast zwei Jahrzehnte die Amberger Lokalpolitik beschäftigt hat: Zwei Fraktionen im Gemeinderat erklären das interkommunale Industriegebiet mit der Stadt für tot - und das mitten im Wahlkampf.

Für Freie Wähler und SPD in Ursensollen reicht der bestehende Gewerbepark an der A6. Das interkommunale Gewerbegebiet mit der Stadt Amberg wäre fünf Mal so groß geworden.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Freie Wähler und SPD in Ursensollen haben einen gemeinsamen Antrag an den Gemeinderat gestellt, die Verhandlungen bezüglich des interkommunalen Gewerbegebietes mit der Stadt Amberg zu beenden. Am Dienstag, 11. Februar, tritt das Gremium zusammen, eine Tagesordnung ist noch nicht veröffentlicht. Die Entscheidung allerdings ist vorgezeichnet. Zusammen mit Bürgermeister Franz Mädler verfügen Freie Wähler und SPD über zehn Stimmen im 17-köpfigen Gemeinderat.

Die Fraktionssprecher und ihre Stellvertreter begründen gegenüber Oberpfalz-Medien diesen Schritt. "Die Entwicklung von 98 Hektar Gewerbefläche am Stück in unberührter, land- und forstwirtschaftlich genutzter Kulturlandschaft erscheint uns in Anbetracht der gegenwärtigen Diskussionen ... derzeit für nicht mehr gerechtfertigt", heißt es in einer Presseerklärung, die Albert Geitner und Horst Lihl (Freie Wähler) sowie Norbert Mitlmeier und Georg Bauer (SPD) gemeinsam erläutern. Geitner meint dabei vor allem die Themen Vollbeschäftigung, Flächenfraß, Klimawandel, Biodiversität und Nachhaltigkeit. "Der Erhalt der Wohnqualität in Ursensollen ist ein wesentlicher Faktor unserer aktuellen Abwägungen", sagt er.

Seit fast 20 Jahren wird das Thema nun schon diskutiert

Amberg

Ursensollen verfügt bald über mehr Arbeitsplätze, als das Dorf Einwohner hat. Auf 1700 Stellen wächst das Angebot im bestehenden Gewerbegebiet an, wenn im Sommer die Grammer-Zentrale voll in Betrieb geht. "Das ist das Maximum für den Ort", verdeutlicht Norbert Mitlmeier. Weder vertrage Ursensollen mehr Verkehr, noch könne es aktuell die Nachfrage nach Bauland stillen. Die Gemeinde müsse erst einmal versuchen, Bauplätze zu schaffen und hierbei ein Augenmerk auf bestehende Lücken legen.

2016 gab Grammer seinen Abzug aus Amberg bekannt. Ziel: Ursensollen

Ursensollen
Die vier Fraktionsvertreter erläutern ihre Entscheidung (von links): Norbert Mitlmeier und Georg Bauer (SPD) sowie Albert Geitner und Horst Lihl (Freie Wähler).

2019 habe der Gemeinderat ein Leitbild für die Gemeinde diskutiert, sagt Georg Bauer. Einer der entscheidenden Sätze für ihn: "Wir stärken und erhalten den dörflichen Charakter unserer Ortschaften." Das interkommunale Gewerbegebiet an der Bundesstraße 299 zwischen Amberg und Ursensollen hätte nach bisherigen Planungen einen Umfang von rund 98 Hektar – fünf mal so viel wie das bestehende Gewerbegebiet, in dem die Firmen Sheepworld und Grammer untergekommen sind. Wie die vier Fraktionsvertreter erläutern, sei ihnen wichtig, das Thema jetzt, noch vor den Kommunalwahlen, zu behandeln. Denn neben Bürgermeister Franz Mädler hören 8 von 16 Gemeinderäten auf. "Aus diesem Grund ist es uns ein Anliegen, dass diese richtungsweisende Entscheidung mit maximalem Wissen aller Beteiligten noch in dieser Legislaturperiode diskutiert wird", heißt es auch in der Presseerklärung.

Albert Geitner betont noch, dass die beiden Fraktionen für interkommunale Kooperationen nach wie vor aufgeschlossen sind, "dort, wo es angebracht ist und die Verhältnismäßigkeit gegeben ist". Geitner: "Unseren Verhandlungspartner möchten wir keinesfalls brüskieren, ganz im Gegenteil. Es ist aus unserer Sicht gegenwärtig einfach eine Entscheidung der Vernuft."

Die Reaktion aus Amberg fällt verheerend aus. Oberbürgermeister Michael Cerny kritisierte das Vorgehen der Gemeinderäte in einer ersten Reaktion scharf.

Scharfe Kritik an der Ursensollener Entscheidung kommt aus Amberg

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In Amberg sind die Gewerbeflächen knapp

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Kommentar:

Endloses Hin und Her

Ein über fast 20 Jahre dahinköchelndes Dauerthema der Lokalpolitik endet mit einem großen Knall: Ursensollen lässt Amberg bei seinen Bemühungen, den großen Wurf in Sachen Gewerbeflächen zu schaffen, im Regen stehen. Es ist das Ende eines schier endlosen Hin und Hers.
Die Gemeinde hatte 2002 den ersten Schritt getan und war auf die Stadt zugegangen. Ursensollen holte sich damals eine Abfuhr. Seit dieser Zeit hat sich vieles geändert. Aus der kleinen Landgemeinde ist - auch dank des Lückenschlusses der A6 - ein florierender Wirtschaftsstandort geworden. Für Aufsehen sorgte 2016 der Weltkonzern Grammer, mit seiner Ankündigung, seine Zentrale von Amberg in die Nachbargemeinde zu verlegen.
Aus Ursensollener Sicht ist die aktuelle Entscheidung absolut nachvollziehbar. Die Kommune strotzt mittlerweile nur so vor Wirtschaftskraft und legt den Fokus jetzt auf weiche Standortfaktoren. Dazu gehört ein attraktives Wohnumfeld und möglichst viel intakte Natur.

Uli Piehler

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