Schawumm. Und noch einmal Schawumm. Und vielleicht noch einmal mit Ausrufezeichen und Schwung: Schawumm! Vor lauter Schawumm – also den Dings, den Kommunalwahlen – hätten wir jetzt fast vergessen, dass der Georg Ringsgwandl am Samstagabend im Amberger Stadttheater aufgetreten ist. Da war er schon mal vor knapp zwei Jahren gewesen und hatte ein Konzert abgeliefert, das ungeprüft als "fulminant" oder "großartig" oder gar beides durchgehen könnte. So viel sei verraten. Ganz so feuerwerkig war es diesmal zwar nicht, aber halt immer noch sehr gut.
Aber hat der Herr Doktor Ringsgwandl eigentlich schon mal ein so richtiges Scheiß-Konzert gespielt? Bei dem beispielsweise der stockbesoffene Bassist ins Schlagzeug gefallen ist und beim Sturz noch ein paar Gitarren mitgerissen hat? Man kann und mag es sich nicht vorstellen, als der Gentleman im grauen Zweireiher gemeinsam mit seiner Band die Bühne betritt. Zur allgemeinen Verwunderung und Sicherheit hat er sich zwei lustige Hüte aufgesetzt. Einen gegen das Wasser von oben, einen, damit es ihm nicht nass nei geht. Yo, Baby.
Auch in B-Dur noch famos
Bevor es an diesem Abend im Amberger Stadttheater so richtig intim wird, steht der obligatorische Auftakt an der Zither an, auf der Georg Ringsgwandl sogar in B-Dur ganz famos zu überzeugen weiß. Die Band setzt ein, der Abend nimmt seinen geschmeidigen Lauf, was nicht zuletzt an den wert zu nennenden Musikanten liegt. Zwei von ihnen kennen wir schon vom letzten Mal, wir glauben uns zu erinnern, dass sie Pfälzer sind. Daniel Stelter an Gitarre und Mandoline sowie Schlagzeuger Tommy Baldu haben seit einiger Zeit einen Franken an ihrer Seite und am Bass, Christian Diener.
Schawumm heißt das neue Album von Georg Ringsgwandl und ein guter Teil seines aktuellen Programms bestreitet diese Schallplatte, die er mit seiner Band aufgenommen hat. Das Lied "Götterbote" hat dieser musikalischen Aufnahme den Namen gegeben. Denn Götterbote Hermes fährt im Sprinter durch die Gegend und liefert Pakete aus. Und jedes Mal, wenn er die Schiebetür seines Fahrzeugs zuschiebt, befreit sich dieses typische Geräusch: "Schawumm!" Jetzt können wir es richtig hören.
Ein bisserl wehmütig?
Aber wir schweifen. Und das auch noch ab. Auftritte von Georg Ringsgwandl sind in der Regel ja eher musikalisch ergänzte Kabarettauftritte. Herr Ringsgwandl redet so vor sich hin, steigert sich von einer Abstrusität in die nächste Absurdität und dazwischen gibt es Musik. In Amberg ist es an diesem Abend ein deutlich größerer Musikanteil. Und hören wir mal genauer hin: Da hat sich doch der ein oder andere graue Moll-Faden in die Melodien gewebt. Der alte Herr wird doch nicht sentimental werden wollen? Womöglich sogar ein bisserl wehmütig?
Brav sei er geworden, attestieren andere Konzertbesucher am Ende dem Georg Ringsgwandl. Nicht mehr so der "wuide Hund" von früher. "Seriös" wäre wahrscheinlich eine zu schlimme Beleidigung, das wird der Ringsgwandl wohl nie werden. Und da gibt es ja noch die ganzen Hits, von denen er uns ein paar an diesem Abend spendieren wird. Die "Radlmare" zum Beispiel, eine ganz, ganz frühe Perle aus der wildgeschminkten Zeit in bunten Leggins. Oder "Hühnerarsch, sei wachsam". Oder auch die "Oberpfalz", eines der schönsten Lieder, die der Ringsgwandl überhaupt geschrieben hat, wie er sagt. Übrigens auch mit viel Moll drin. Moll wie Oberpfalz halt.
"Nix mitnemma"
Und dann ist es schon wieder aus. Die Band haut ein grandioses "Nix mitnemma" raus, eine Hommage an einen anderen großen Liedermacher, dessen Name uns jetzt gerade entfallen wäre, würde er nicht Bob Dylan heißen. Und dann? Dann gemma ham.



















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