07.07.2020 - 10:06 Uhr
AmbergOberpfalz

Gewaltausbruch nach Sauferei in der Amberger Innenstadt

Der Alkohol fließt reichlich. Dann gibt es Zoff und es wird mit einem Stuhl zugeschlagen. Der Täter verlässt eine Wohnung in der Innenstadt und tritt auf seinem Heimweg die Außenspiegel von acht Autos ab. Jetzt steht er vor Gericht.

Ein 35-Jähriger Amberger muss nach einem Gewaltausbruch in der Innenstadt für 18 Monate in Haft.
von Autor HWOProfil

Das Problem des 35-Jährigen ist nicht nur der Alkohol. Auch mit Drogen hatte er immer wieder zu tun. Daraus ergaben sich Vorstrafen, die in der Vergangenheit mehrfach hinter Gitter führten. Momentan erneut. Aus seiner Zelle wurde der Amberger von Polizisten vor das Schöffengericht gebracht, wo eine heftige Begebenheit zu verhandeln war. Am 3. Dezember vergangenen Jahres feierten fünf Männer ein, wie es hieß, "zunächst recht geselliges Beisammensein". Ort des Treffens war eine Wohnung in der Innenstadt. Auch der jetzt auf der Anklagebank sitzende 35-Jährige war mit dabei. Dem Alkohol wurde massiv zugesprochen, dann gab es Streit. Im Verlauf der Meinungsverschiedenheiten wurde der Gastgeber (32) durch einen Stuhl am Kopf verletzt. Ob nun dieser Stuhl geworden wurde oder ob der 35-Jährige damit direkt zuschlug, blieb weitgehend ungeklärt. Denn das Opfer erschien nicht zum Prozess. "Er hat wohl kein Interesse an einer Bestrafung meines Mandanten", sagte Verteidiger Franz Wittl (München) später in seinem Plädoyer.

Der Angeklagte machte Erinnerungslücken geltend. Mit 1,9 Promille machte er sich nach der Auseinandersetzung auf den Heimweg und ließ zwischen der Georgenstraße und dem Amselweg seine Aggressivität an den Außenspiegeln von acht geparkten Autos aus. Sie wurden offenbar durch Fußtritte aus ihren Verankerungen getreten. Vor dem unter Vorsitz von Kathrin Rieger tagenden Schöffengericht erschienen nun die Geschädigten. Dabei wurde offenkundig: Die Leute blieben auf dem Schaden sitzen, mussten Reparaturen aus eigener Tasche bezahlen. In einem Fall waren die Kosten sogar mit 1000 Euro angegeben worden.

Eine Therapie hielt Landgerichtsarzt Rainer Miedel bei dem 35-Jährgen für durchaus angebracht. Allerdings wollte sie der Mann auf freiwilliger Basis in einer Einrichtung seiner Wahl antreten. Eine von gerichtlicher Seite aus angeordnete Maßnahme lehnte er ab. Eine solche hatte er in der Vergangenheit bereits einmal abgebrochen. Die Schlussvorträge von Staatsanwaltschaft und Verteidigung unterschieden sich grundlegend. Staatsanwältin Vanessa Merl verlangte zweieinhalb Jahre Haft und verwies darauf, dass der 35-Jährige wiederholt in Strafverfahren verwickelt war. Anwalt Wittl hielt das "für weit überzogen", beantragte zehn Monate und legte den Richtern nahe, "diese Ahndung zur Bewährung auszusetzen". So könne seinem Mandanten die Möglichkeit gegeben werden, aus eigenem Antrieb heraus eine einjährige Therapie in Brandenburg zu absolvieren. Das Schöffengericht blieb in seinem Urteil zwischen den gestellten Anträgen. Es verhängte 18 Monate ohne Bewährung.

Verhandlung vor dem Landgericht Amberg

Amberg
Im Blickpunkt:

Corona-Regeln ersparen Vernehmung

So streng sind die Corona-Regeln: Wer derzeit in das Amberger Gerichtsgebäude will, muss die Messung seiner Körpertemperatur dulden. Zum Schöffengerichtsprozess gegen einen 35-Jährigen war nun ein Zeuge geladen, dessen Temperatur 38 Grad betrug. Damit stoppten ihn die Zugangskontrolleure, wurde die Gerichtsvorsitzende zur weiteren Entscheidung verständigt. Sie entschloss sich im Einvernehmen mit den Schöffen, der Staatsanwältin und dem Verteidiger des Angeklagten, auf den Mann zu verzichten. Er konnte ohne Vernehmung seinen Heimweg antreten. Gleichwohl bekommt er seine Auslagen ersetzt. (hou)

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