20.01.2020 - 15:00 Uhr
AmbergOberpfalz

Gibt es im Stadtgebiet Amberg genug Behindertenparkplätze?

Schlecht gekennzeichnet und viel zu wenige: Aus Sicht einer Leserin ist die Situation der Behindertenparkplätze in Amberg verbesserungswürdig. Der Vorsitzende des Inklusionsbündnisses sieht das anders.

In und um die Amberger Altstadt gibt es 19 Behindertenparkplätze. Die Zahl ist seit zehn Jahren gleich.
von Kathrin Moch Kontakt Profil
Auch Josef Schiessl aus Amberg ärgert sich über die vielen Falschparker auf Behindertenparkplätzen. Hier am Rossmarkt sorgt ein ungünstig angebrachtes Schild für Unmut.

440 Knöllchen verteilte die Stadt Amberg im vergangenen Jahr an Falschparker auf Behindertenparkplätzen. Mit einem Bußgeld von 35 Euro kommen die meisten von ihnen mit einem blauen Auge davon. Für die Betroffenen bedeutet es jedoch eine massive Einschränkung im Alltag. Auch Monika Schiessl und ihr gehbehinderter Mann Josef kennen das Problem. Und tatsächlich: Als sich das Ehepaar zum Gespräch mit Oberpfalz-Medien am Roßmarkt trifft, ist die vorgesehene Stellfläche bereits besetzt. Ohne entsprechenden Ausweis parkt der Kleintransporter einer Handwerkerfirma darauf.

"Zu wenig Behindertenparkplätze"

"Das passiert uns ständig", sagt Monika Schiessl. "Am Roßmarkt ist es besonders schlimm." Die 66-Jährige erklärt, dass aus ihrer Sicht hier das Hinweisschild ungünstig angebracht sei. Da es parallel zur Straße steht, kann es vom Autofahrer nur im Vorbeifahren gesehen werden. Parkt man auf der Stellfläche, ist das Schild nicht mehr direkt zu erkennen. Schon eine 90-Grad-Drehung oder ein zusätzliches Schild könnte Abhilfe schaffen. "Noch besser wären eingefärbte Stellflächen oder Markierungen am Boden, wie wir es zum Beispiel aus Thailand oder England kennen." Überhaupt sei Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern nicht sehr fortschrittlich, was die öffentliche Mobilität von Behinderten angeht, so die Meinung der Eheleute.

Ein Artikel in der Amberger Zeitung am vergangenen Dienstag war Anlass dafür, dass die Rentnerin aus Amberg ihr Anliegen öffentlich teilt. Barbara Hernes vom Seniorenmosaik im Naturpark Hirschwald machte in dem Artikel darauf aufmerksam, dass Behindertenparkplätze auch für Senioren geöffnet werden sollten. Auch andere Krankheiten ohne Gehbehinderung, etwa Demenz, machten es im Alter notwendig einen nahe gelegenen Parkplatz zu haben. Doch den Verantwortlichen scheinen durch Gesetze die Hände gebunden zu sein.

Kümmersbruck

Merkzeichen entscheidend

Monika Schiessl gibt Hernes grundsätzlich recht: "Trotzdem habe ich den Eindruck, dass es gerade in Amberg zu wenig Behindertenparkplätze gibt." Die vielen Falschparker verschlimmern die Situation. Es ist nicht das erste Mal, das Betroffene über die Problematik klagen. Wie die Oberpfalz-Medien im Oktober berichteten, kommt es vor allem mit den gewöhnlichen Schwerbehindertenausweisen häufig zu Missverständnissen. Denn nur ein Ausweis mit dem Merkzeichen aG (außergewöhnliche Gehbehinderung) oder BL (blind) berechtigt zum Parken auf den ausgewiesenen Stellflächen. Immer wieder, sagt Monika Schiessl, kommt es dennoch vor, dass Ausweisinhaber ohne Merkzeichen auf Behindertenparkplätzen stehen.

Amberg

Keine gesetzliche Vorgabe

Im gesamten Gebiet der kommunalen Verkehrsüberwachung Amberg, darunter auch der Bereich um die Marien - und Fleurystraße, gibt es derzeit 45 Behindertenparkplätze, 19 davon direkt in und um die Altstadt. Hinzu kommen die privaten Stellflächen, etwa im Bereich der Supermärkte. Eine gesetzliche Vorgabe, wie viele Parkplätze für Behinderte reserviert sein müssen, gibt es nach Auskunft der Stadt nicht. Die grobe Richtschnur, dass zwei Prozent aller Parkplätze für Menschen mit Behinderung sein sollen, wird, nach Aussage von Georg Dietrich, Vorsitzender des Inklusionsbündnisses Amberg-Sulzbach, eingehalten.

"Situation nicht schlechter als anderswo"

Dietrich sitzt selbst seit vielen Jahren im Rollstuhl und kann die Situation deshalb auch fernab seiner öffentlichen Funktion beurteilen: "Die Parkplatzsituation für Behinderte ist in Amberg nicht schlechter als anderswo und erst recht nicht so dramatisch, wie es oft dargestellt wird, sondern absolut akzeptabel." Durch das Inklusionsbündnis werde sowohl in der Stadt als auch im Landkreis ständig daran gearbeitet, Barrieren vor Ort zu entdecken und abzubauen. So sollen beispielsweise die Behindertenparkplätze in der Marienstraße überarbeitet werden.

In den vergangenen Jahren hätte sich die Situation im öffentlichen Raum für Behinderte ohnehin schon massiv verbessert, erklärt Dietrich. Sein Appell an Betroffene: "Natürlich gibt es immer Potenzial nach oben. Aber viel liegt auch an den Menschen selbst. Ich kann jedem nur raten sich zu informieren und mitzuarbeiten. Hindernisse weiterzuleiten und sich zu engagieren, wenn einem wirklich etwas nicht passt."

Das Ehepaar Schiessl wünscht sich für die Falschparker klare Signale aus der Bundespolitik: "Mehr Kontrollen, härtere Strafen und eine deutlichere Kennzeichnung könnten die Lage sicher verbessern. In anderen Ländern funktioniert es schließlich auch."

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