Amberg
04.11.2018 - 14:57 Uhr

Glaswerk straht noch heller

Der Anfang und das Ende. Das Fagus-Werk in Alfeld und die Glaskathedrale in Amberg. Dazwischen liegt das gewaltige architektonische Lebenswerk von Walter Gropius. Eine gemeinsame Ausstellung soll jetzt die große Klammer bilden.

Gropius aus einer ganz anderen Perspektive. Auch die beiden Wohnhäuser sind ein Entwurf von Walter Gropius. Bild: Wolfgang Steinbacher
Gropius aus einer ganz anderen Perspektive. Auch die beiden Wohnhäuser sind ein Entwurf von Walter Gropius.

„Haushalt 2019 – Antrag 4“ – die CSU-Stadtratsfraktion macht es nüchtern. Doch der Untertitel verspricht mehr: „Gemeinsame Ausstellung über Fagus-Werk Alfeld und Glaswerk Amberg“. Hinter dem sachlichen Antrag der Christsozialen, in dem es im Prinzip um 10 000 Euro geht, verbirgt sich eine Idee, die vom heutigen Eigentümer des Fagus-Werks, Ernst Greten, ausgeht. Sein Vorschlag: Eine gemeinsame Fotoausstellung über den ersten und den letzten Industriebau, den der Architekt Walter Gropius geschaffen hat.

Ernst Greten war vor einiger Zeit auf die Amberger Glaskathedrale aufmerksam geworden. Er stattete daraufhin dem Bauwerk einen Besuch ab und war begeistert. Greten regte darauf hin an, eine gemeinsame Fotoausstellung zu konzipieren und diese erst in Alfeld und anschließend in Amberg zu zeigen. Danach soll sie dann weiterwandern zum Bauhausarchiv in Berlin sowie zum Bauhaus in Dessau und Weimar.

Die Ausstellung, so heißt es im Antragstext der CSU-Fraktion, soll historische, bauzeitliche und aktuelle Aufnahmen der Glaskathedrale im Kontext mit dem Fagus-Werk zeigen. Die Konzeption dazu soll in Zusammenarbeit der Stadtverwaltung mit Fagus-Eigner Ernst Greten erarbeitet, die Kosten für die Erstellung zu gleichen Hälften zwischen Amberg und dem Unternehmer aufgeteilt werden. Die Rede ist hier von rund 30 000 Euro, von denen 15 000 auf die Stadt entfallen würden. Nachdem zudem aber bereits Sponsoren-Zusagen über 5000 Euro vorliegen, reduziert sich der städtische Anteil sogar auf 10 000 Euro, welche die CSU gerne in den Haushalt 2019 aufgenommen sehen würde.

„Mit der Ausstellung rücken wir nicht nur den Industriebau von Gropius ins Licht der Öffentlichkeit, sowie natürlich die Stadt Amberg selbst mit all den damit verbundenen touristischen Facetten, sondern wir präsentieren uns auch auf Augenhöhe mit dem bedeutendsten Industriebauwerk vor dem Ersten Weltkrieg“, heißt es in der Begründung der CSU-Fraktion. c Angemerkt

Hintergrund:

Fagus-Werk Alfeld

Der Alfelder Schuhleisten-Fabrikant Carl Benscheidt beauftragte im Jahr 1911 den damals 28-jährigen Architekten Walter Gropius mit dem Neubau seiner Schuhleistenfabrik im niedersächsischen Alfeld. Modern sollte sie sein, den aktuellen Trends der Architektur gerecht werden. Gropius setzte die Vorgaben grandios um. Noch heute gilt das Fagus-Werk als Vorzeigefabrik. Seit 1946 ist sie eingetragenes Baudenkmal, in den 1980er Jahren erfolgte eine umfangreiche Sanierung. Im Jahr 2011 wurde das Gebäude sogar als Unesco-Weltkulturerbe eingetragen. (ass)

Kristallglasfabrik Amberg

Der Selber Glas- und Prozellanfabrikant Philip Rosenthal gab im Jahr 1967 dem 84-Jährigen Walter Gropius den Auftrag, die von ihm ein Jahr zuvor erworbene Grenzlandhütte am Bergsteig neu zu bauen. Gemeinsam mit seinem Büropartner Alexander Cvijanovic entwarf Gropius, der bereits 1934 aus Deutschland emigriert war, einen kühnen Betonbau, eine Kathedrale der Glaskunst, die unter den modernsten architektonischen Gesichtspunkten gestaltet war. Bauzeit war zwischen 1968 und 1970. Die Eröffnung erlebte Walter Gropius nicht mehr. Er starb 1969. (ass)

 
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