Ein bisschen sah man Florian Gröninger die Aufregung an, so kurz vor seiner Premiere beim Josefi-Derblecken im Winkler-Bräu. Als es sich vors Publikum - einem Großteil der Amberger Politik-Prominenz - stellte, die ersten Akkorde auf seiner Quetschn spielte und den Masskrug hob, war davon nichts mehr zu merken. Es folgte ein rund 40-minütiges Spektakel in Gstanzl-Form, bei dem so gut wie jeder der Anwesenden sein Fett wegbekam. Dass das gut ankam, zeigte nicht nur der mehr als eine Minute dauernde stehende Applaus am Ende der Darbietung, sondern auch das schallende Gelächter am Ende der einzelnen Vierzeiler.
Fest steht: zum Derblecken braucht der Barnabas keine Kutte. Lederhose, Schnauzbart und Quetschn passen mindestens genauso gut dazu.
Gröninger kehrte erst einen Tag vor seinem Auftritt im Winkler-Bräu aus München zurück. Dort war er für die Aufzeichnung der TV-Show Brettlspitzen des Bayerischen Rundfunks gewesen. Als erstes Ziel suchte sich Gröninger dementsprechend auch gleich einen Gast mit München-Bezug aus, den CSU-Landtagsabgeordneten Harald Schwartz. Für ihn hatte er folgenden Tipp: "Da Harald hod ned gwisst, ob er den Termin heid schaffa ko. Musst es as nächst mal macha wie i, i lauf grad im BR und bin zeitgleich do."
Auch der CSU-Bundestagsabgeordneten Susanne Hierl widmete er ein paar Zeilen: "Susanne genieß' die Zeit, im Bundestag is fein, owa mit da Bundestagsreform könnten deine Tage in Berlin gezählt sein."
Amberger Stadtpolitik in Reimform
Sofort ging es weiter mit der Amberger Stadtpolitik und der seit der letzten Kommunalwahl bestehenden Mehrheitskoalition aus CSU und ÖDP: "Zuerst unsere neue Mehrheit, da geht ja des Gerücht, die ÖDPler und die Schworzn, des wor a b'soffene G'schicht. De oana schützen as Klima und die Bienen, die Natur. Die andern schützen d' Wirtschaft und d' Autobahnspur."
Oberbürgermeister Michael Cerny bekam eine gesungene Schelte für seine manchmal doch recht langatmigen Sitzungen. Gröninger: "Die Sitzungen vom Cerny Michl dauern gern vier Stunden oder mehr. Als Musiker spielert der sicher jeden Saal leer."
Wer sich Vorbilder sucht, ist oft auch verleitet, diese zu stürzen. Ein bisschen so war es im Winkler auch mit Gröningers Vorgänger beim Josefi-Derblecken, CSU-Fraktionssprecher Matthias Schöberl. Auf ihn hatte es Gröniger unter anderem besonders abgesehen. Und die Sache mit den Vorbildern trifft ihm zufolge auch auf Schöberl selbst zu: "Der Schöberl is a sauberner Bou, der gibt in der CSU koin Rouh, wenn da Cerny amal nimma moch, dann gangad er ins Rathaus jeden Doch. Dou kannt er dann Gäste hofiern und auf der Dult Freibier spendiern, im Stadtrat kannt er doziern. Aber d Wahl, die kannt er verliern."
Auch andere Parteien derbleckt
Wo die CSU durch den Kakao gezogen wird, da darf in Amberg auch die SPD nicht fehlen. Auf Fraktionsvorsitzende Birgit Fruth reimte er: "Die Fruth, die redt gern für drei, den Fuchs steckts in d' Hosentaschn ei. Auf oimal kummt ihr in Sinn: Dou steckt ja da Hübner scho drin."
Auch das eher dürftige Wahlergebnis der SPD in Amberg bei der letzten Kommunalwahl kam beim Aussingen vor. In Bezug auf Birgit Fruth reimte Gröninger weiter: "Sie hat ja beispielsweis' die Atomphysik studiert, und als erstes hat's die Sozis bei der Wahl atomisiert."
Ebenfalls ein Thema für Gröninger war das Abstimmverhalten der Amberger Grünen im Stadtrat in Bezug auf einzelne Solar-Energie-Projekte. "Weil Kohle, Gas, Atom zwecks dem Klima nimmer taugt, wern auf die Schnelle Solar und Windradln braucht. Des ham de Gröiner vo Amberg seit Jahrzehnten schon erkannt. Aber wird im Stadtrat dann ogstimmt, hebn's dafür nie die Hand."
Auf den Bürgerrat gstanzlt
Auch die seit dem Bürgerentscheid zum Bürgerspital-Areal angestrebte Bürgerbeteiligung wurde von Gröninger kommentiert und das Verhalten der Politik in Bezug auf diese auf die Schippe genommen: "Die Bürger vo Amberg solln as Bürgerspital gestalten, derfan überall mitreden, aber 's Maul, des sollns halten." Weiter: "Der Bürgerrat is gegens Parken, der Stadtrat sowieso, nur ei Partei mag no Autos, natürlich die CSU."
In der CSU war es insbesondere Stadtrat Rudolf Maier, der immer wieder forderte, dass es unter dem Bürgerspitalareal trotz des Bürgerentscheids eine Tiefgarage geben muss. Gröninger: "Liebe CSU, verstehst ned, dass du nur damit gwinnst, wenn du unter dem Spitalgelände a keltische Tiefgarage findst. Des war im Sinn vom Maier Rudi, der fordert's allerweil ei. Und wenn die Tiefgarage erst baut is, richt er sich da drunt häuslich ei."
Auch AZ bekommt ihr Fett weg
In Bezug auf den Historiker Matthias Schöberl erklärte Gröninger, dass Denkmäler für diesen erst einen Wert hätten, wenn sie Geschichte sind. "Gibt's a Denkmal, dann woaß i oans gwiss, da erste, der es abreißt, der Schöberl is."
Beim Thema Denkmal bekam aber auch die Amberger Zeitung ihr Fett weg. Dabei ging es um die historische Baracke am Bergsteig. Gröninger: "Und am Bergsteig steht a Denkmal, a schöners findst in Bayern ned. Und i Depp hob allerweil glaubt, da wird vom Gropiusbau gredt. Doch die Glaskathedrale, die war gar ned gmeint, die alte Soach-Barackn hams zum Denkmal zammgreimt."
Zur dazugehörigen Berichterstattung gab es ebenfalls was auf die Ohren: "Die AZ hod se aufgregt, dass s' ned geladen war zum Pressetermin von OTV. Die SPD ladt ja koan Schworzn zur Fraktionssitzung, des war a Schau."
Und dann noch: „Die Amberger Zeitung, der Eindruck der bleibt, is immer so gut wie die Leut’, über die sie schreibt.“



















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