Amberg
30.10.2018 - 13:09 Uhr

Grabpflege aus Dankbarkeit

Friedhofsgang und Gräbersegnung gehören seit jeher zu Allerheiligen. Jeder möchte dann gerne ein vorzeigbares Familiengrab haben. Warum eigentlich?

Ursula Amann hat das ganze Jahr über Freude am Friedhofsbesuch und an der Grabpflege, insbesondere an Allerheiligen. Für das Ehepaar Amann ist der Friedhof ein Ort der Ruhe und der Einkehr. Bild: ads
Ursula Amann hat das ganze Jahr über Freude am Friedhofsbesuch und an der Grabpflege, insbesondere an Allerheiligen. Für das Ehepaar Amann ist der Friedhof ein Ort der Ruhe und der Einkehr.

Für Franz und Gabi Moosburger gehört der Samstagnachmittag das ganze Jahr über dem Friedhofsgang und der Grabpflege an der Ruhestätte der Eltern, denn unter der Woche steht das Ehepaar in seiner Metzgerei und findet nicht die nötige Zeit dazu.

Für Allerheiligen wird das Grab dann ganz besonders herausgeputzt, nachdem der Grabstein und die Laterne gründlich gereinigt wurden, das Erdreich aufgefüllt und die Herbstbepflanzung der Sommerbepflanzung gewichen ist. Das Schmücken der Grabstätte und der Friedhofsbesuch an Allerheiligen gehören für Gabi und Franz Moosburger zur Familientradition, denn die Eltern und Großeltern machten das genauso. "Für uns ist das nicht nur Gedenken an die Verstorbenen, sondern eine gewisse Wertschätzung den Verstorbenen gegenüber und Respekt vor deren Lebensleistung", sind sich Franz und Gabi Moosburger einig.

Im Sommer gießt Rita Kiefer täglich das Familiengrab ihrer Eltern, in dem auch ihr Mann erst vor einem Jahr seine letzte Ruhe fand. Sie legt großen Wert auf die Grabpflege und pflanzt die Grabschale mehrmals im Jahr an. Für Allerheiligen wird alles winterfest gemacht, Stein und Platte gereinigt und die Einfassung mit Kies sauber eingerahmt. Dann kommt ein Gesteck auf die Grabplatte und es wird ein Seelenlicht entzündet.

Rita Kiefer kann sich noch gut an die Allerheiligen-Tage in den 50er und 60er Jahren erinnern, an denen soviel Schnee lag, dass nur eine Kerze entzündet wurde und das Grab nicht mehr geschmückt werden konnte. "Für mich sind das Schmücken des Grabes und der Friedhofsbesuch eine Erinnerung an die Verstorbenen und mehr noch Dankbarkeit für die schöne gemeinsame Zeit, die man mit diesen lieben Menschen verbringen durfte", sagt Rita Kiefer.

Auch wenn Familie Amann das ganze Jahr über das Familiengrab in Schuss hat, verwendet sie doch an Allerheiligen zwei bis drei Stunden, um das Grab besonders herauszuputzen sowie die Herbst-/Winterbepflanzung vorzunehmen. Dass die Familie das Grab gern und liebevoll schmückt, sieht man. Für das Ehepaar ist der Friedhof ein Ort der Stille und Einkehr, ein Ort, den sie gerne besuchen, um dort auch andere Gräber zu betrachten.

"Wenn wir auch das ganze Jahr über durch die Grabpflege und Friedhofsbesuche unserer Verstorbenen gedenken, so doch in besonderer Weise an Allerheiligen - wir empfinden die Pflege dieses Brauchtums als innere Verantwortung unseren Eltern gegenüber", sagen sie. Das Ehepaar besucht an Allerheiligen am liebsten nach Einbruch der Dunkelheit den Friedhof, wenn dieser durch die vielen entzündeten Seelenlichter einem Lichtermeer gleicht. Die Amanns erinnern sich noch an früher, als der Friedhofsgang zur Modenschau wurde, bei der die Damen ihre neuen Wintermäntel präsentierten. Es waren nach ihren Aussagen die Zeiten, in denen Pelzmäntel und -kappen noch Hochkonjunktur hatten.

Unabhängig voneinander zeigte man sich verwundert, dass es am Friedhof Gräber gibt, die das ganze Jahr über sich selbst überlassen, doch auf wundersame Weise zu Allerheiligen prächtiger als manch anderes Grab auf dem Friedhof herausgeputzt sind.

Wer das Moosburger-Grab auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof kennt, weiß, dass es das ganze Jahr über top gepflegt ist, an Allerheiligen aber trifft dies besonders zu. Bild: ads
Wer das Moosburger-Grab auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof kennt, weiß, dass es das ganze Jahr über top gepflegt ist, an Allerheiligen aber trifft dies besonders zu.
Auch wenn das Familiengrab von Rita Kiefer eine Platte hat, braucht es das ganze Jahr über Pflege. Im Sommer sind täglich die Tröge zu gießen, weil die Platte den Trogpflanzen richtig einheizt, im Winter kontrolliert sie wöchentlich, ob auf dem Grab alles in Ordnung ist. Bild: ads
Auch wenn das Familiengrab von Rita Kiefer eine Platte hat, braucht es das ganze Jahr über Pflege. Im Sommer sind täglich die Tröge zu gießen, weil die Platte den Trogpflanzen richtig einheizt, im Winter kontrolliert sie wöchentlich, ob auf dem Grab alles in Ordnung ist.
Familie Amann hat das ganze Jahr über Freude am Friedhofsbesuch und an der Grabpflege, insbesondere an Allerheiligen. Für das Ehepaar ist der Friedhof ein Ort der Ruhe und der Einkehr. Bild: ads
Familie Amann hat das ganze Jahr über Freude am Friedhofsbesuch und an der Grabpflege, insbesondere an Allerheiligen. Für das Ehepaar ist der Friedhof ein Ort der Ruhe und der Einkehr.
Durch den langen, sehr warmen Sommer und den angenehmen Herbst haben sich die Sommerblumen auf den Gräbern prächtig gehalten, so dass sie noch in voller Blüte der Winterbepflanzung weichen müssen. Bild: ads
Durch den langen, sehr warmen Sommer und den angenehmen Herbst haben sich die Sommerblumen auf den Gräbern prächtig gehalten, so dass sie noch in voller Blüte der Winterbepflanzung weichen müssen.
Allerheiligen und Allerseelen:

Was ist der Unterschied zwischen Allerheiligen und Allerseelen? An Allerheiligen (1. November) gedenken die Christen der Heiligen. Dazu zählen nicht nur die Märtyrer und jene, die vom Papst heiliggesprochen wurden, sondern auch jene Menschen, von deren Heiligkeit nur Gott weiß. Eingeführt wurde Allerheiligen, weil es zu viele Heilige gibt, so dass nicht jedem ein einzelner Tag im Jahr gewidmet werden kann.

An Allerseelen (2. November) wird aller Verstorbenen und deren Seelen gedacht wird. Speziell geht es um die Verstorbenen, die noch im Fegfeuer sind oder auf dem Weg in den Himmel. Allerheiligen ist ein Hochfest der katholischen Kirche und offizieller Feiertag, Allerseelen nicht. (ads)

 
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