12.05.2022 - 16:47 Uhr
AmbergOberpfalz

Große Leistungen für Amberger Frauenklinik: Abschied von Dr. Anton Scharl

Im Jahr 2000 wurde Prof. Dr. Anton Scharl Chefarzt der Amberger Frauenklinik. Seither setzte er sich unermüdlich für den Ausbau des Leistungsangebotes ein – auch über Klinikums- und Stadtgrenzen hinweg. Nun wurde er feierlich verabschiedet.

Ärztlicher Direktor Dr. Harald Hollnberger (von links), Oberbürgermeister Michael Cerny und Vorstand Manfred Wendl (rechts) verabschiedeten Prof. Dr. Anton Scharl als Chefarzt der Amberger Frauenklinik. Dessen Dank galt besonders seiner „zugleich wohlwollendsten und größten Kritikerin“, seiner Ehefrau Dr. Annette Salterberg-Scharl.
von Miriam Wittich Kontakt Profil

Es war die Feier eines Mannes, der im Bereich der Frauengesundheit in Amberg und der Nordoberpfalz viel bewirkt hat. Zahlreiche Wegbegleiter und Mitarbeiter des Klinikums St. Marien waren am Mittwochabend ins Amberger Rathaus gekommen, um Prof. Dr. Anton Scharl nach mehr als 22 Jahren als Chefarzt der Frauenklinik zu verabschieden. Der gebürtige Amberger, der im Januar seinen 65. Geburtstag gefeiert hat, geht aber nicht in den Ruhestand. "Ich bin noch nicht zu Ende. Ich fühle mich zu jung für die Rente", sagte Scharl bei seiner offiziellen Abschiedsfeier, die wegen der Corona-Pandemie mit etwas Verspätung nun nachgeholt wurde. Bereits zum Jahreswechsel hatte Dr. Anton Scharl seinen Posten an seinen bisherigen Stellvertreter Dr. Thomas Papathemelis übergeben. "Jeder ist ersetzbar und ich bin froh, dass man meinem Rat gefolgt ist und Dr. Thomas Papathemelis zu meinem Nachfolger wurde", betonte Scharl am Mittwoch. Ihn selbst verschlägt es mit "vielen Ideen" im Gepäck nach Oberaudorf. Dort tritt Scharl im Juli seine neue Stelle in der Klinik Bad Trissl an.

Engagement in vielen Positionen

In vielerlei Hinsicht "außergewöhnlich" sei Scharl für das Klinikum gewesen, wie Ärztlicher Direktor Dr. Harald Hollnberger in seiner Laudatio hervorhob. So sei Scharl einer der wenigen Chefärzte am St. Marien, der auch in Amberg geboren und aufgewachsen sei, und wohl der einzige Amberger Chefarzt mit einem eigenen Wikipedia-Eintrag. Viel wichtiger aber noch: "Mit Professor Scharl hatten wir einen Chefarzt, der sich immer aktiv für die Entwicklungen seiner Klinik in der Region und weit darüber hinaus engagiert hat", sagte Hollnberger. Scharl war nicht nur Chefarzt der Amberger Frauenklinik, sondern seit 2017 auch Direktor der Frauenkliniken Amberg-Weiden-Tirschenreuth. In dieser Position habe er versucht, "eine Vision abzubilden, die sonst nur von universitären Standorten umgesetzt werden kann". Scharl ist zudem Mitglied in vielen medizinischen Fachgesellschaften, unter anderem Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG).

Mit seiner Arbeit habe Anton Scharl unter anderem den Grundstein für die Etablierung des Brustzentrums Amberg gelegt, zur Bildung des Netzwerks Brustkrebs mit den Krankenhäusern Schwandorf, Burglengenfeld, Cham und Sulzbach-Rosenberg beigetragen und als Initiator des Kinderwunschzentrums in Amberg erfolgreich gegen viele Widerstände gekämpft. Besonders am Herzen liege ihm noch immer das Projekt der Integrativen Onkologie.

Trotz vieler "intensiver und kontroverser Diskussionen" sei auch die Zusammenarbeit mit der Verwaltung des Klinikums St. Marien stets von gegenseitigem Respekt und Vertrauen geprägt gewesen, schilderte Vorstand Manfred Wendl. "Wir hatten immer das gleiche Ziel, das Wohl der Patienten, im Auge."

"Es tut weh, dich an ein anderes Haus zu verlieren, aber wir verlieren sicher keinen überzeugten Amberger", zeigte sich Oberbürgermeister Michael Cerny überzeugt. "Du hast immer größer gedacht und dich nicht nur für den Ausbau des Amberger Klinikums eingesetzt. Eigentlich müssten sie dir in Weiden ein Denkmal setzen."

Frauenklinik ist Teamarbeit

Die lobenden Worte gab Dr. Anton Scharl an seine ehemaligen Mitarbeiter weiter: "Frauenklinik ist Teamarbeit. Ein guter Chef stellt Leute ein, die gscheider sind als er selbst. Und ich hatte in jedem Gebiet Leute, die besser waren als ich", sagte er. "Zusammen haben wir gezeigt, dass man auch in einer Kleinstadt wie Amberg eine medizinische Versorgung aufbauen kann, die der in Großstädten in nichts nachsteht."

Scharl prangerte aber auch an, dass der Profit im Gesundheitswesen zu häufig im Vordergrund steht. "Ärzte und Pfleger sind stark gefordert, um hier die Balance zu halten", erklärte er. "Menschlichkeit und Miteinander dürfen keine leeren Worthülsen werden."

Im Januar wurde Professor Dr. Anton Scharl 65 Jahre alt

Amberg
Amberg
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
 
 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.