21.02.2019 - 11:37 Uhr
AmbergOberpfalz

Gut versorgt während der Aus-Zeit

Auch Menschen, die einen Angehörigen pflegen, haben ein Recht auf Erholung. Oder können selbst mal krank werden. Hier kann die
Kurzzeitpflege helfen. Was beachtet dabei werden muss, weiß Tatjana Richter.

Auch pflegende Angehörigen brauchen Urlaub oder sind selbst mal krank. Eine Lösung ist die Kurzzeitpflege.
von mvsProfil

(mvs) Für kurzzeitige Unterbrechungen häuslicher Pflege steht die Kurzzeitpflege zur Verfügung. Theoretisch. Tatjana Richter, Leiterin des Wallmenich-Hauses in Amberg, erklärt im OWZ-Interview, was man dazu wissen muss.

ONETZ: Was ist Kurzzeitpflege?

Tatjana Richter: Pflegebedürftige, die für kurze Zeit nicht zu Hause betreut werden können – weil ihre pflegenden Angehörigen Urlaub machen oder erkrankt sind – können Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen: Für kurze Zeit ziehen sie in eine stationäre Pflegeeinrichtung und genießen dort dieselbe Rundum-Betreuung wie vollstationäre Gäste.

ONETZ: Wer hat darauf Anspruch?

Tatjana Richter: Wer in Pflegegrad 2 und höher eingestuft ist, kann Kurzzeitpflege beantragen.

ONETZ: Wie wird der Antrag gestellt?

Tatjana Richter: Der Antrag auf Kurzzeitpflege muss bei der Pflegekasse gestellt werden, bevor die Pflege in Anspruch genommen wird. Nur Einrichtungen, die wie das Wallmenich-Haus von der Pflegekasse zugelassen sind, dürfen Kurzzeitpflege übernehmen. Die Krankenkasse informiert darüber, welche Häuser zugelassen sind und welche Kosten zu erwarten sind.

ONETZ: Ist es leicht, einen Platz in der Kurzzeitpflege zu bekommen?

Tatjana Richter: Nein, im Gegenteil, die Einrichtungen sind mehr als ausgelastet (siehe Infokasten). Wer weiß, dass er sich in einem bestimmten Zeitraum für einen Platz interessieren wird – weil er im Anschluss an einen geplanten Krankenhausaufenthalts oder während des Urlaubs der pflegenden Angehörigen untergebracht sein möchte –, sollte mindestens sechs Monate im Voraus anrufen. Wir reservieren zugesagte Plätze und halten sie für diesen Zeitraum auch garantiert frei.

ONETZ: Welche Kosten sind zu erwarten?

Tatjana Richter: Grundsätzlich gilt: Je nach Einrichtung und Leistungskatalog können sich die Kosten stark unterscheiden. Die Pflegekasse übernimmt pro Kalenderjahr höchstens acht Wochen lang Kosten für Kurzzeit- und Verhinderungspflege. Jeder hat Anspruch auf Unterstützung in Höhe von 1612 Euro. Die während der Kurzzeitpflege entstehenden Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie die Investitionskosten muss der Pflegebedürftige grundsätzlich selbst tragen. Sie können aber unter bestimmten Voraussetzungen teilweise erstattet werden. Wer finanziell nicht in der Lage ist, den Eigenanteil selbst zu zahlen, stellt einen Antrag beim Sozialamt.

ONETZ: Können Kurzzeit- und Verhinderungspflege kombiniert werden?

Tatjana Richter: Mittel aus der Verhinderungspflege, die noch nicht verbraucht wurden, können ebenfalls für die Kurzzeitpflege verwendet werden. Die Pflegekasse übernimmt dann bis zu 3224 Euro. Genauso kann die Hälfte der Mittel, die für die Kurzzeitpflege vorgesehen sind, in die Verhinderungspflege verschoben werden: 806 Euro, so dass für die Verhinderungspflege dann 2418 Euro zur Verfügung stehen.

Akute Notlage:

"Personalmangel verschärft sich immer weiter"

„Im Jahresdurchschnitt haben wir hier im Wallmenich-Haus sechs bis zehn Kurzzeitpflegegäste. Die Nachfrage ist allerdings viel größer und wir würden gern mehr Plätze anbieten“, schildert Tatjana Richter, Leiterin des Seniorenheims Wallmenich-Haus in Amberg, eine akute Notlage.

Woran hakt es? „Die Pflegekassen bewilligen jeden begründeten Antrag ab Pflegegrad zwei ohne Umstände. Aber es gibt einfach viel zu wenig freie Plätze mehr. Generell sind die Seniorenheime mehr als ausgelastet“, schildert die gebürtige Schnaittenbacherin. „Erst vergangene Woche sind wir, Kolleginnen und Kollegen aus Stadt und Landkreis Amberg, mit Oberbürgermeister Michael Cerny zusammen gekommen, um Lösungen zu suchen“, schildert Richter ihr Bemühen.

„Ein neues Gebäude allein behebt das Problem nicht, wir brauchen auch qualifiziertes Pflegepersonal – und das zu bekommen wird immer schwieriger“, erklärt Tatjana Richter, die seit zehn Jahren das Wallmenich-Haus leitet. Ein sinnvoller Weg wäre, die Kurzzeitpflege finanziell besser aufzustellen und von „lähmender Bürokratie zu befreien“. „Der Aufwand für einen Gast in Kurzzeitpflege ist mindestens genauso groß, eher größer, als für einen vollstationär untergebrachten Kunden.“ Sie zählt auf: „Einzug und Auszug für wenige Wochen statt einiger Jahre. Die Absprache mit den Krankenhäusern bei jenen Gästen, die nach einem Klinikaufenthalt zu uns kommen, um zu genesen und sich zu erholen. Dafür braucht es einfach mehr Zeit, was der aktuell gesetzlich geltende Personalschlüssel kaum ermöglicht.“

Auch eine Vereinfachung bei der Dokumentation von Pflege- und Betreuungsleistungen hält Richter für umsetzbar, ohne dabei die Qualität zu schmälern. „Weniger zu dokumentieren würde für uns bedeuten, dass wir mehr Zeit für Betreuung und Pflege hätten, und darum geht es doch.“ (mvs)

Tatjana Richter, Leiterin des Wallmenich-Hauses in Amberg.
Der Antrag auf Kurzzeitpflege muss bei der Pflegekasse gestellt werden, bevor die Pflege in Anspruch genommen wird.
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