12.07.2020 - 15:22 Uhr
AmbergOberpfalz

Hände weg von den Krebs-Reusen

Ziel ist es, alle Arten von Krebsen, die in der Vils und der Lauterach vorkommen, zu erfassen. "Nebenbei" sorgt das Konzept des Naturparks Hirschwald auch dafür, dass die besonders stark vertreten, nicht heimischen Arten, weniger werden.

Ranger Christian Rudolf hat gerade eine der Naturpark-Reusen, die deutlich mit einem gelben Anhänger markiert sind, kontrolliert. Er zeigt einen Signalkrebs, der sich noch am Köderbehälter festhält.
von Heike Unger Kontakt Profil

Das Flusskrebs-Projekt vereint alle Fischereivereine der Region und fußt auf mehreren Säulen, wie Isabel Lautenschlager, Geschäftsführerin des Naturpark Hirschwald, erklärt. "Zunächst sind da die für das Monitoring notwendige Anschaffung von 200 Reusen für den Fang, sowie eine Schulung der mit dem Fang Beauftragten zur Artenbestimmung. Diese ist vereinsübergreifend für alle Beauftragten Pflicht."

Warum die Signalkrebse ein Problem sind

Amberg

Helfer werden geschult

Robert Scherer, Gewässerwart des Fischereivereins Rieden und Mitglied der Lauterachgenossenschaft, hat in enger Abstimmung mit dem Naturpark Hirschwald die Schulung der Fänger übernommen, berichtet Lautenschlager: „Es ist sehr wichtig, dass die registrierten Beauftragten nochmals geschult werden. Alle Teilnehmer haben natürlich einen gültigen Fischereischein, sind Mitglieder einer der beteiligten Vereine und haben das alles schon einmal in ihrer Fischereiprüfung gelernt." Bei den aktuellen Schulungen gehe es speziell darum, die Krebsarten zuverlässig zu erkennen und den Umgang mit den Reusen zu lernen.

In Abstimmung mit der Höheren Naturschutzbehörde an der Regierung der Oberpfalz wurde das Projekt beantragt und bewilligt. Wesentlich beteiligt an Organisation und Öffentlichkeitsarbeit, wie zum Beispiel durch Führungen, ist Manuela Madsen vom Fischereiverein Schmidmühlen. Sie betont, dass die Akzeptanz der Bürger wichtig für das Projekt sei. Max Marr, Erster Gewässerwart des Fischereivereins Amberg, bringt sich ebenfalls ein: „Es ist schön, den Schulterschluss über die Fischereigrenzen hinweg zu erfahren.“

Fänger opfern ihre Freizeit

Naturpark-Ranger Christian Rudolf organisiert die Beauftragten und erfasst die Fänge. Ohne die vielen Fänger, die dafür einen guten Teil ihrer Freizeit opfern, wäre das Projekt nicht möglich, betont Lautenschlager. Durch das Monitoring sollen alle vorhandenen Krebsarten über einen längeren Zeitraum erfasst werden. Gefangene Edel- und Steinkrebse kommen zurück ins Gewässer, nichtheimische Arten wie der Signalkrebs dürfen nach geltendem Recht nicht wieder dorthin, sondern müssen "sinnvoll verwertet" werden: Sie landen im Kochtopf. Lautenschlager merkt an: "Dabei ist die einzig derzeit rechtlich zulässige Tötungsmethode das Eintauchen in kochendes Wasser."

Ein positiver Nebeneffekt des Monitorings sei damit, dass nicht heimische Krebsarten aus Vils und Lauterach geholt werden. So hoffen die Projektverantwortlichen, den Migrationsdruck, vor allem der Signalkrebse, in die Lauterach "nachhaltig zu mindern und den heimischen Krebsen Luft zu verschaffen in ihrem angestammten Lebensraum". Die im Monitoring erhobenen Daten werden den Vereinen zur Verfügung gestellt und den Naturschutzbehörden gemeldet.

Reusen sind kein Müll

Der Naturpark Hirschwald setzt dabei auf die Mithilfe der Bevölkerung. Naturpark-Ranger Christian Rudolf appelliert: „Bitte nehmen Sie keine Reusen aus dem Wasser oder entwenden diese gar. Es handelt sich dabei nicht um eine Vermüllung des Gewässers, sondern um ein Naturschutzprojekt von wesentlicher Bedeutung. Leider muss ich sagen, dass schon Reusen gestohlen wurden, was wir der Polizei gemeldet haben." Rudolf betont: "Jeden Diebstahl oder Vandalismus werden wir zur Anzeige bringen."

Alle Reusen sind laut Rudolf eindeutig markiert und werden teilweise sogar mehrmals täglich kontrolliert. Das Setzen von Reusen unterliege dem Fischereirecht. Das bedeutet: "Nicht jeder darf einfach Reusen in ein Gewässer einbringen." Mit dem Projekt machen die Fischereivereine und der Naturpark Hirschwald keinen finanziellen Profit, wie Rudolf deutlich macht: "Der eigentliche Gewinn ist letztlich, wenn unsere heimischen Flusskrebsarten durch diese gezielte Hegemaßnahme ein gutes Stück ihres ursprünglichen Lebensraums wiedererlangen."

Projekt setzt auf Nachahmer

Projektleiter Rudolf, hofft, mit der Maßnahme eine Art Leuchtturmprojekt zu schaffen, dem sich auch andere Fischereiberechtigte außerhalb des Naturparks anschließen. Auch der Obmann der Angelfischer des Fischereiverbands Oberpfalz, Herr Hans-Hermann Lier, begrüßt das Projekt sehr und beobachtet es gespannt hinsichtlich der Übertragbarkeit auf andere Gewässer der Oberpfalz.

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