12.07.2020 - 15:37 Uhr
AmbergOberpfalz

Naturpark Hirschwald holt Signalkrebs aus Vils und Lauterach

Flusskrebse sind heimisch in Vils und Lauterach. Doch viele der Exemplare, die man hier beobachten kann, sind eingewandert – und als Laichräuber und Krankheits-Überträger ein Problem. Der Naturpark Hirschwald greift jetzt ein.

Im Bild ist links an der großen Schere des Krebses ist der weiß-bläuliche Signalfleck zu erkennen, der der Art den Namen gegeben hat.
von Heike Unger Kontakt Profil

Wer an Vils und Lauterach unterwegs ist und ein wenig genauer hinsieht, dem fallen die vielen Krebse in den Flüssen auf. "Unerfreulicherweise handelt es sich bei der hauptsächlich zu beobachtenden Art aber nicht um unsere einheimischen Krebse Edelkrebs und Steinkrebs", erklärt Isabel Lautenschlager, die Geschäftsführerin des Naturpark Hirschwald, durch den die beiden Flüsse führen, in einer Pressemitteilung. Stattdessen seien es in der Regel aus den USA stammende "Signalkrebse, mitunter auch Galizier-, Kamber- und Marmorkrebse, die sich zunehmend in unseren Gewässern tummeln." Das sei ein Problem, betont Lautenschlager. Deshalb hat der Naturpark ein Projekt gestartet, bei dem zunächst alle vorhandenen Krebsarten erfasst werden. "Gefangene Edel- und Steinkrebse werden wieder ins Gewässer zurückgesetzt." Nicht heimische Arten wie der Signalkrebs dagegen landen im Kochtopf.

Signalkrebs überträgt Krankheit

Diese Krebsarten seien "Laichräuber und dezimieren nicht nur Fischbestände und vor allem auch Amphibien", erklärt die Naturpark-Vertreterin. Die Krebse würden als Allesfresser auch Pflanzen wie das Laichkraut "in nicht unerheblichem Maße reduzieren, was wiederum zu Lasten der Fische und Amphibien geht". Den wohl gravierendsten Aspekt nennt Naturpark-Ranger Christian Rudolf: „Nicht heimische Krebsarten wie der Signalkrebs sind Träger der Krebspest, einer für einheimische Krebse letztlich tödlichen Pilzerkrankung." Der Signalkrebs selbst sei dagegen weitestgehend resistent, "trägt aber in hohem Maß zur Verbreitung dieser Krankheit bei".

Unsere einheimischen Vertreter Steinkrebs und Edelkrebs sind nicht resistent gegen die Krebspest, und würden, soweit man nicht eingreift, nach und nach verschwinden.

Isabel Lautenschlager

Isabel Lautenschlager

Der Erreger wurde eingeschleppt, als amerikanische Flusskrebsarten in Europa eingebracht wurden. "Der invasive Pilz ist dabei, die einheimischen Krebse, insbesondere den Edelkrebs und den Steinkrebs, in ihrem angestammten Lebensraum weitgehend auszurotten", berichtet Rudolf. Die Krebspest sei als Tierseuche eine Gefahr für unsere heimischen Krebse. Isabel Lautenschlager verdeutlicht: "Unsere einheimischen Vertreter Steinkrebs und Edelkrebs sind, anders als ihre amerikanischen Verwandten, nicht resistent gegen die Krebspest, und würden, soweit man nicht eingreift, nach und nach verschwinden."

Es muss etwas getan werden

Dabei gebe es es "erfreulicherweise immer noch Steinkrebs-Vorkommen in den Oberläufen der Lauterach". Die Fischereiberechtigten würden auch immer wieder Edelkrebse beobachten. Lautenschlager verweist darauf, dass das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Lauterach zum europäischen Naturschutz-Netzwerk Natura 2000 gehört. Für jedes FFH-Gebiet gebe es einen Managementplan. Laut einer Studie für den Managementplan des FFH-Gebiets Lauterachtal müssen die Fischereiberechtigten "geeignete Maßnahmen" vor allem bezüglich der Signalkrebse ergreifen. Lautenschlager erklärt, was das konkret heißt: "Umsiedlung oder ein Besatz mit Signalkrebsen haben zu unterbleiben. Weiterhin dürfen gefangene Signalkrebse nicht mehr ins Gewässer zurückgesetzt und müssen verwertet werden."

Das Flusskrebs-Projekt im Naturpark Hirschwald

Amberg

Die Fischereivereine in der Region hätten dieses Problem "schon lange auf dem Schirm", berichtet Lautenschlager. Nun hat sich auch der Naturpark Hirschwald mit seinem Naturpark-Ranger Christian Rudolf eingeklinkt. Rudolf, der selbst auch Angelfischer und Kanufahrer ist, hatte das Thema schon vor seiner Zeit als Ranger über mehrere Jahre erfasst und dies auch im eigenen Fischereiverein angesprochen.

"Daraus entstand die Idee eines vereinsübergreifenden Projektes innerhalb des Naturparks Hirschwald zum Monitoring von Krebsarten", teilt Lautenschlager mit. Sie hofft, dass sich daraus "in Zukunft auch Maßnahmen zur Lebensraumerhaltung und -schaffung für unsere einheimischen Arten Edel- und Steinkrebs ergeben können". Ziel ist es nicht, die invasiven Arten auszurotten, sondern den heimischen Krebsen Lebensraum zurückzugeben.

Fischereivereine sind dabei

In einem ersten Schritt wurden laut Lautenschlager alle Fischereivereine und die Lauterachgenossenschaft (eine Vereinigung privater Fischereirechtsbesitzer) über das Vorhaben des Naturparks informiert. "Erfreulicherweise haben sich alle, der Fischereiverein Amberg mit seinem Vorsitzenden Tim Jüntgen, der Fischereiverein Rieden mit seinem Vorsitzenden Dieter Teich, der Fischereiverein Schmidmühlen mit seinem Vorsitzenden Josef Deml sowie die Lauterachgenossenschaft mit ihrem Vorsitzenden Alfred Kürzinger, gern bereiterklärt, maßgeblich an diesem Projekt mitzuwirken."

Ziel sei es, durch ein Monitoring alle vorhandenen Krebsarten über einen längeren Zeitraum zu erfassen. "Dabei werden gefangene Edel- und Steinkrebse wieder ins Gewässer zurückgesetzt. Gefangene nichtheimische Arten wie der Signalkrebs dürfen nach geltendem Recht nicht wieder ins Gewässer eingebracht werden und müssen einer sinnvollen Verwertung zugeführt werden." Das bedeute in diesem Fall "Eigenverwertung", also den Verzehr durch die jeweils Beauftragten.

Im Blickpunkt:

Eine Delikatesse, aber nicht für jeden

Signalkrebse gelten unter Fischern als Delikatesse – allerdings unterliegen sie dem Fischereirecht, was auch bedeutet, dass sie nicht von jedermann aus dem Fluss geholt werden dürfen. Das ist geschulten/geprüften Fischern vorbehalten, zumal man sicher sein muss, die invasiven Arten nicht mit den geschützten heimischen zu verwechseln. Die Signalkrebse, die die Experten der Fischereivereine fangen, müssen „waidgerecht“ getötet werden, was in diesem Fall in kochendem Wasser geschieht – wie bei Hummern. Unter Angelfreunden kursieren unterschiedliche Rezept-Varianten – einige bereiten die Krebse in einem Gemüse- oder Weinsud zu, andere bevorzugen es, sie mit Zutaten nach Geschmack in der Pfanne zu schwenken, zum Beispiel in einer Tomatensauce. Gegessen wird das Fleisch aus Schwanz und Scheren der Tiere.

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