04.11.2020 - 16:32 Uhr
AmbergOberpfalz

Haftstrafe für Amberger Brandstifter

Das Urteil ist gesprochen: Der 53-Jährige, der im Frühjahr im Amberger Dreifaltigkeitsviertel mehrere Brände gelegt hat, muss ins Gefängnis.

Auf dem Gelände an der Ecke Raigeringer-/Hans-Sachs-Straße ist bei dem Brand in der Nacht zum 1. April 2020 ein Schaden von weit mehr als einer halben Million Euro entstanden.
von Autor HOUProfil

Es hätte ein langer Prozess werden können. Doch das umfassende Geständnis des 53 Jahre alten Angeklagten erleichterte den Richtern der Ersten Strafkammer die Arbeit und machte bereits nach zwei Verhandlungstagen den Weg frei zum Urteil: Weil er im Dreifaltigkeitsviertel immer wieder Brände legte, muss der Mann drei Jahre und neun Monate in Haft. Parallel dazu wurde ihm eine längerfristige Alkohol- und Drogenentzugstherapie zugestanden. Dazu riet eine medizinische Sachverständige.

Sieben einzelne Ereignisse hatte Staatsanwalt Holger Bluhm in seiner Anklageschrift aufgelistet. Zwei davon stufte das Landgericht nun als Vorsatzbrandstiftungen ein. Bei den fünf anderen, so war den Worten der Vorsitzenden Richterin Roswitha Stöber zu entnehmen, habe es sich der juristischen Einstufung nach um Sachbeschädigungen gehandelt.

Suche nach dem Motiv

Im Verhandlungsverlauf war immer wieder der Versuch gestartet worden, ein Motiv des Täters zu finden. Doch schlüssig ließ sich das nur andeutungsweise klären. Er selbst hatte gesagt: "Ich weiß nicht, was mich geritten hat". Der Mann, so ließ Richterin Stöber in der Urteilsbegründung anklingen, habe sich heuer im Frühjahr "in einer Lebenskrise befunden". Der Anlass dafür: plötzlich arbeitslos, die Freundin schwer erkrankt, immer mehr dem Alkohol und den Drogen verfallen.

Alle Brandlegungen spielten sich im unmittelbaren Umfeld der Wohnung des Täters ab. "Vier Wochen hat er für Angst und Besorgnis bei der Bevölkerung des Dreifaltigkeitsviertels gesorgt", stellte die Richterin fest und lobte "die hervorragende Arbeit der Polizei". Durch deren Wachsamkeit und entschlossenes Handeln sei es schließlich gelungen, den Brandstifter heuer in der Nacht zum 28. April dingfest zu machen.

Ein Fall ragte besonders heraus. Am 1. April hatte der 53-Jährige Feuer an einem Reifenstapel gleich gegenüber des Gregor-Mendel-Gymnasiums entfacht. Während er ging, griffen die Flammen auf ein Autohaus über. Der Betreiber der Firma ist zwar nicht Besitzer des Gebäudes, aber das zu seinem Unternehmen zählende und vernichtete Eigentum ist nicht durch Versicherungsschutz gedeckt.

Nun, so hieß es in der Urteilsbegründung, stehe der Mann vor dem finanziellen Trümmern seiner Existenz. Hier hakte Richterin Stöber ganz besonders ein. "Sie waren zuvor schon einmal auf dem gleichen Gelände als Täter unterwegs, sind wieder hingegangen und haben mitbekommen, was da durch den brennenden Reifenstapel entstehen konnte. Doch das war Ihnen gleichgültig", sagte sie. Der in dieser Brandnacht entstandene Gebäudeschaden betrug rund 350 000 Euro. Hinzu kamen weitere knapp 200 000 Euro, die der Autohausbetreiber nun schultern soll. Er selbst kann das nicht, und vom Angeklagten, der weitgehend mittellos ist, wird er absehbar nichts erhalten.

Amberger Unternehmer vor dem Ruin

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Die Strafkammer ging in ihrer Entscheidung über den Antrag von Staatsanwalt Holger Bluhm hinaus. Er hatte drei Jahre Haft verlangt. Verteidiger Jörg Jendricke stellte die Höhe der Ahndung ins Ermessen des Gerichts. In beiden Schlussvorträgen war die Rede davon, dass der 53-Jährige durch sein Geständnis den Verfahrensfortgang wesentlich erleichtert habe. Das Urteil wurde noch im Sitzungssaal rechtskräftig.

Der 53-Jährige räumte die Vorwürfe ein

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