04.02.2020 - 16:34 Uhr
AmbergOberpfalz

Harald Lesch über Fake Science und Fake News

Volle Hütte dank Harald Lesch. Der TV-Moderator und Wissenschaftler wirkt wie ein Magnet, zieht 420 Besucher mit einer Mischung aus Humor und Haltung in seinen Bann - und kämpft bei seinem Auftritt vehement gegen Fake Science und Fake News.

Harald Lesch in seinem Element: Bei einem Vortrag im Musikomm stemmte sich der TV-Moderator und Uni-Professor gegen Fake Science, Fake News und die Hassstruktur im Internet.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Da staunte der Wissenschaftler. Als Harald Lesch am Montagabend die Bühne betrat und die rund 420 Besucher im Musikomm erblickte, riss er die Augen auf. "Bin beeindruckt. Donnerwetter", entfuhr es ihm. Dass die Veranstaltung auf solch enormes Interesse stößt, hatte sich bereits im Vorfeld abgezeichnet. Die Veranstalter reagierten und verlegten das Ethik-Forum kurzerhand vom Siemens-Innovatorium ins Musikomm, das mehr Platz bot.

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Der Ansturm lag sicher am Thema, das einen Zeitgeist trifft: "Fake Sciene - was wir in Zeiten von Fake News und Co. noch glauben dürfen." Vor allem dürfte aber der Name Harald Lesch gezogen haben. Eigentlich hätte der Theologe Professor Bertram Stubenrauch von der LMU München am Montag ebenfalls referieren sollen, hatte aber krankheitsbedingt abgesagt.

Erster Lacher nach 30 Sekunden

Wissenschafts-Popstar wäre für Lesch wohl zu hoch gegriffen, eine gewisse Popularität ist dem 59-Jährigen allerdings nicht abzusprechen. Vor allem seine Präsenz im deutschen Fernsehen trägt dazu bei. Der 59-Jährige ist unter anderem für die Sendungen "Leschs Kosmos" und die Terra-X-Reihe "Faszination Universum" bekannt. Der Physik-Professor (Ludwig-Maximilians-Universität München) versteht es, Wissenschaft begeisternd zu verpacken.

Das stellte er auch in Amberg unter Beweis. Nach gerade einmal 30 Sekunden sorgte er für den ersten Lacher. Nach zehn Minuten präsentierte er eine Formel auf dem Flipchart - die Besucher hörten gespannt zu. Ein Umstand, der viele Mathematik-Lehrer glatt neidisch machen dürfte.

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Das Impulsreferat, als das der Vortag überschrieben war, hatte durchgängig humoristischen Charakter. Lesch berichtete etwa von den neuesten Verschwörungstheorien. Beispiele? Das Corona-Virus soll nun schon über chinesische Server verbreitet, die Menschen direkt über die PC-Lautsprecher infiziert werden. Oder, ebenfalls auf das Corona-Virus bezogen: Illuminaten haben ein Programm aufgelegt, mit dem sie die chinesische Bevölkerung dezimieren wollen. Während sich einige im Publikum ob der absurden Theorie kugelten, sagte Lesch: "Man kann darüber lachen, aber Sie glauben nicht, wie viele daran glauben." Die Krux an der Sache: Neuigkeiten, und damit auch Fake News, "verbreiten sich im Internet mit einem Affenzahn". Oder wissenschaftlich genauer ausgedruckt: "Die Neuigkeiten rasen mit Lichtgeschwindigkeit, sprich mit 300 000 Kilometer pro Sekunde, um den Globus."

420 Besucher bei einem Wissenschaftsvortrag in Amberg: Der Auftritt des TV-Moderators Harald Lesch machte das möglich.

"Wikipedia keine relevante Quelle"

Kompliziert werde es, wenn Fakten nicht derart verzerrt werden, dass sie schnell als Verschwörungstheorie entlarvt sind - sondern mit "leicht falschen Fakten" argumentiert werde. Deshalb forderte der TV-Moderator eine "aufgeklärte, offene Gesellschaft", die er als Bollwerk gegen Falschmeldungen bezeichnete. Die im Saal anwesenden Studenten hielt er an, sorgfältig zu recherchieren: "Wikipedia kann keine relevante Quelle sein. Es wird der Eindruck vermittelt, dass es eine Wissensplattform wäre, aber es ist eine Informationsplattform."

Was Lesch auch zunehmend beobachte: Debatten würden immer emotionaler geführt, Beleidigungen seien keine Seltenheit. "Die gesamte Hassstruktur im Netz hat damit zu tun, dass sich Menschen hinter Fakes verstecken können." Fake-Namen in diesem Fall. Gerade das wissenschaftliche Ethos bestehe darin, unter Klarnamen zu publizieren. Deshalb könne man auch alle, die sich anonym im Internet rumtreiben, "in die Tonne treten".

Bei aller Begeisterung für die Wissenschaft, die Lesch versprühte, stellte er die Erfolge und Entwicklungen der Technologie infrage. Auf einen prägnanten Satz komprimiert, klang das im Musikomm dann so: "Wenn die Daten das Öl der Zukunft sind, dann ist Künstliche Intelligenz das Plutonium der Zukunft." Eine Explosionsgefahr, die der Wissenschaftler auch weiterhin mit Fakten bekämpfen will.

Harald Lesch:

Harald Lesch ist langjähriger TV-Moderator ("Leschs Kosmos", "Faszination Universum"), Physik-Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Lehrbeauftragter für Naturphilosophie an der Hochschule für Philosophie München. Der 59-Jährige heimste zahlreiche Preise ein. Darunter den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie "Bestes Infotainment" und den für den Hochschullehrer des Jahres 2012.

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