Es ist immer gut, wenn unter Arbeitskollegen Einklang herrscht. Ob man deshalb aber zum Geldverleiher werden muss, stellte Amtsrichterin Franziska Paintner in Frage. Vor ihr saß ein 35-Jähriger, der einem Mann, der mit ihm im gleichen Unternehmen tätig war, sehr großzügig 9000 Euro geliehen hatte. "Nicht auf einmal", wie er als Zeuge aussagte. In vier einzelnen Tranchen wurde das Geld vor nunmehr fast drei Jahren ausgehändigt. Bis heute hat der 35-Jährige nichts mehr davon gesehen. "Einmal und nie wieder", hörte die Richterin von ihm.
Weshalb brauchte der vor das Amtsgericht zitierte und aus dem Kreis Schwandorf stammende Mann immer wieder größere Beträge? Er hatte Verbindungen zu einer Frau aus Ungarn hergestellt, verfiel den Umgarnungskünsten der jungen Dame zusehends. Irgendwann wollte sie Geld und bekam es offenbar durch raffinierte Winkelzüge von ihrem deutschen Freund.
100 000 Euro Schulden
Mal war die Dame aus dem Land der Magyaren schwanger, dann brauchte sie ein Auto. Der 35-Jährige beschaffte Euros. Nicht nur die 9000 von seinem Arbeitskollegen. Er nahm zudem einen Kredit über 60 000 Euro auf, bekam auch aus anderen Quellen geliehene Finanzmittel. Zum Schluss stand er mit rund 100 000 Euro in der Kreide. Die soll er nun bezahlen. Bei einem momentanen Stundenlohn von doch eher fragwürdigen 9.83 Euro.
"Sie war wohl eine Heiratsschwindlerin", skizzierte Verteidiger Tobias Töpfer (Regensburg) die Verbindung zwischen Ilona aus Ungarn und ihrem Freund. Schwanger soll die Frau gewesen sein. Doch so genau bekam der 35-Jährige keinen Einblick. Denn Ungarn war weit. Seinem ihm 9000 Euro Darlehen gebenden Kollegen erzählte der selbst völlig im Unklaren gelassene Junggeselle, dass Ilona in ihrem Heimatland gestorben sei und er neben den Reisekosten für sich selbst auch die Bestattungsgbühren zu begleichen habe. Da kam Mitleid ins Spiel.
Psychiatrische Hilfe
Was Ilona heute treibt, blieb im Prozess offen. Deutlich wurde allerdings, dass ihr Ex-Partner an der Romanze psychisch zerbrach. Unterdessen war er in Fachkliniken, muss noch immer psychiatrische Hilfe in Anspruch nehmen. Weil der Arbeiter zugab, die 9000 Euro von seinem Arbeitskollegen geliehen und bisher nicht zurückbezahlt zu haben, wurde der bis dahin nicht geahndete Mann wegen Betrugs zu 2400 Euro Geldstrafe verurteilt. Bei seiner angespannten Finanzlage erhob sich allerdings nach der Entscheidung die Frage, wann die Justiz ihr Geld bekommt.













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