21.10.2021 - 13:00 Uhr
AmbergOberpfalz

Helge Schneider zieht im Amberger Congress Centrum alle Register

Von "Katzeklo" und "Käsebrot": Helge Schneider zeigt im ACC sein ganzes Talent als Künstler, Musiker und Clown - und witzelt am Schluss über Amberg.

Helge Schneider (Mitte) mit Sandro Giampietro (Gitarre) und dem ehemaligen Spencer-Davis-Group-Mitglied Pete York am Schlagzeug.
von Helmut KunzProfil

Vor dem Auftritt noch schnell mal das Mikrophon geprüft. Schraube auf, Mikro rauf und runter. Tosender Jubel. Dann eine allererste vorsichtige Kontaktaufnahme mit dem Publikum. „Lauter!“ schallt es aus dem Saal. „Lauter geht nicht. Ich glaube die Batterien sind alle." Helge Schneider faselt was von Einlass nur mit „2G und 1H“. Wobei das „H“ für Hörgerät stehe. „Politiker haben ähnliche Mikrophone, habt ihr schon mal darauf geachtet? Sagen nur andere Sachen.“

Der Künstler ist bekannt für seine Extravaganz. In Augsburg hatte er kürzlich einen Auftritt platzen lassen, weil er sich über den Service vor der Bühne ärgerte. Seine Amberger Fans hat das nicht eingeschüchtert. Die sind trotzdem ins ACC gekommen. 350 an der Zahl. Philipp ist einer von ihnen. Er befürchtet nicht, dass heute Ähnliches passieren könnte. Stolz knöpft sich der Ensdorfer das Hemd auf: Darunter zu sehen ist ein Fan-T-Shirt von der „Firefuckers-Tour 99“. Fünfmal war er schon bei Helge im Konzert. Und Philipp steht voll und ganz hinter dem durchgedrehten Wuschelkopf mit Stoppelbart.

„Das hat schon seine Gründe, wenn er ein Konzert platzen lässt. Wenn zum Beispiel, wie beim letzten Mal geschehen, Bedienungen einfach meinten, sie müssten während der Vorstellung die Leute bedienen.“ So etwas sei einfach nur Quatsch. Eine eigene Kunstform brauche einen eigenen Rahmen. „Wenn der nicht gegeben ist, muss man darauf hinweisen.“ Philipp hält Helge Schneider für einen Stand-up-Künstler mit einer gewissen Strickleiter, der singe, musiziere und und Witze reiße. „Und wer diese Improvisation stört, zerstört seinen Flow. Und dann ist das Konzert auch nicht gut.“

"Ein bisserl schräg"

„Er ist halt ein bisserl schräg.“ Auch Reinhard aus Regensburg macht sich keine Sorgen, dass er unvermittelt rausgeschmissen werden könnte. „Das hat er schon mal gemacht, ja.“ Ob er sich auf „Katzeklo“ freue? „Mei, mit dem ist er halt bekannt geworden. Die anderen Sachen gefallen mir besser. Die jazzigen.“ Reinhard war schon auf zwei Helge-Schneider-Konzerten. „Und jedes Mal war’s anders. Mal sind es mehr Musiker, mal weniger.“

Im ACC - Helge Schneider: "Diese schöne Halle, die hier aus dem Boden gestampft wurde, mit meinen Steuergeldern" - ist es die kleine Besetzung. Helge mit Sandro Giampietro aus Italien an der Gitarre und dem ehemaligen Spencer-Davis-Group-Mitglied Pete York am Schlagzeug. Nicht zu vergessen: Bodo, Helges Diener im Kostüm eines Zirkusdirektors mit der Teekanne. Den Rest macht der Frontmann selber. Wäre das Piano nicht schon an Axel Zwingenberger, die Trompete an Stefan Mross und das Xylophon an Lionel Hampton vergeben gewesen, hätte das Multitalent vielleicht seriös bleiben können und sich keine Nische als Musikclown suchen müssen. Denn Helge Schneider spielt auch noch Saxophon, Akkordeon, Percussion, Bassgeige und ein grünes Quitscheding.

Nebelmaschine von Tina Turner

Auf der Bühne setzt er alle technischen Finessen ein. Wenn sich der Gitarrist allzu sehr in den Vordergrund spielt, wird er kurzerhand unsichtbar gemacht. Und zwar mit Hilfe einer Nebelmaschine, die Helge von Tina Turner gebraucht erstanden haben will. „Sehr giftig.“ Helge Schneider kennt und kannte sie alle persönlich. Behauptet er jedenfalls: Elton John, Phil Collins, Salvatore Dali, Papst Johannes Paul II.

Helge Schneider ist ein eigenwilliger Showman und ein Meister des Schwafelns: „Der Papst kann nirgendwo hingehen, weil er wird überall erkannt. Er fällt auf mit seinem Hut.“ Und: „Alle meine Lieder sind gesellschaftskritisch. Ich übe irgendwelche Kritik an der Gesellschaft irgendeiner Gesellschaft.“ Oder: „Erlauben Sie mir meine Fehler: Wegen Corona habe ich lange Zeit keinen Schulbesuch gehabt.“ Hundertjährigen rät er zur ayurvedatechnischen Altöl-Massage. Und pfeifen kann er auch. Wenn Helge Schneider Witze erzählt, bricht er sie mittendrin ab. Und trotzdem johlen die Zuschauer.

Er ist ein hochvirtuoser Tastenkünstler. Eine Arbeit, die er beinahe ernsthaft betreibt. Beinahe? Wer außer ihm klebt nach öffentlichem Spiel einen benutzen Kaugummi ans Klavier. Im Schlussdrittel wird es fulminant. Das Trio singt „Käsebrot“ und das Lied vom „müden Cowboy“. Page Bodo trällert „Katzeklo“, wobei er nebenbei einige Musiktitel erraten soll, die ihm sein Boss mit der Trompete ins Ohr bläst. Helges Abschiedsworte an die Amberger nach einer Ode an die Stadt: „Macht Euch das Leben schön: Zieht weg!“

Helge Schneider mit seinem Pagen Bodo.
Helge Schneider, Sandro Giampietro und das ehemalige Spencer-Davis-Group-Mitglied Pete York.
Hintergrund:

Zur Person: Helge Schneider

  • Schneider ist ein Multitalent, er ist Unterhaltungskünstler, Komiker, Schriftsteller, Schauspieler und spielt viele Instrumente.
  • Geboren am 30. August 1955 in Mülheim an der Ruhr.
  • Er brach die Schule ohne Abschluss ab, später eine Lehre als Bauzeichner.
  • 1976 erfindet er seine Ein-Mann-Show, es folgen laut eigenen Angaben mehr als 3000 Auftritte.
  • Mit der Single "Katzeklo" wurde er 1993 deutschlandweit bekannt.
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