So hat man die Drei Höfe in der Amberger Bahnhofstraße, die größte Baustelle der Altstadt in den vergangenen Jahren, noch nie gesehen. Das liegt nicht nur daran, dass nach Jahren der Bauarbeiten nun endlich der Kran, das Gerüst und zuletzt auch der Bauzaun abgebaut worden sind. Wer genau hinschaut und die alten Ansichten des Kaufhauses Forum/Storg noch in Erinnerung hat, wird entdecken, dass der obere Gebäudeteil, die Hausnummer 12, im Zuge der umfangreichen Renovierungsarbeiten der vergangenen Jahre um ein Stockwerk höher geworden ist. Das schadet dem Gesamtbild der ehemaligen Amberger Gewehrfabrik samt Kaufhauserweiterung aber nicht. Im Gegenteil. Gemeinsam mit seinen geschwungenen Dachgauben passt sich der Bau jetzt sogar sehr harmonisch in das Gesamtensemble Bahnhofstraße ein.
Es gibt aber noch eine weitere gute Nachricht: Ab dem kommenden Wochenende sind die Drei Höfe nicht nur schön, sondern zum größten Teil auch im Betrieb. So eröffnet am Samstag offiziell das Hotel Mariandl am Berg mit seinen 126 Zimmern und Suiten. Und auch die Skybar mit dem Namen Walküre soll an diesem Freitag schon die zahlreichen Gäste der inoffiziellen Eröffnungsfeier beherbergen. So nach und nach werden dann auch die anderen Einrichtungen im Haus ihren Betrieb aufnehmen. Die Restaurants, der Dance-Club im Keller oder auch die Geschäfte im Erdgeschoss, die sich in einer Passage von der Bahnhofstraße zum Münzgässchen erstrecken werden. Allerdings wollen die Bauherren, die Amberger Bauart, jetzt erst einmal das Hotel samt Gastronomie in Gang setzen, die Vermietung der Läden wird dann in einem nächsten Schritt erfolgen.
Die Drei Höfe sind fast fertig
Die Drei Höfe mit dem Hotel Mariandl am Berg und der Skybar Walküre, die am Wochenende tatsächlich eröffnen, sind eines dieser typischen Amberger "Das-wird-doch-eh-nix"-Projekte, die dann am Ende doch was werden. Ähnlich dem jüngst eröffneten Bootshaus am Vilsufer, an dem der alteingesessene Amberger Pessimist auch bis zum Tag der Eröffnung gezweifelt hat. Jetzt also die Drei Höfe, ein ursprünglich auf 30 Millionen Euro angesetztes Großprojekt der Bauart von Wolfram Buegger, Kostja Künzel und Thomas Helm, der auch federführend als Architekt das Amberger Projekt betreut hat. Am Ende wird es länger gedauert haben, teurer geworden sein und den Investoren reichlich graue Haare beschert haben. Aber: Die Drei Höfe sind (fast) fertig.
Das von vielen prophezeite Scheitern war übrigens zu keinem Zeitpunkt eine Option sagt Architekt Thomas Helm: "Für uns war es eine Herzensangelegenheit", weist er darauf hin, dass die Bauart im Ursprung ein Amberger Unternehmen ist. "Und für uns war es ganz wichtig, die Drei Höfe fertigzustellen." Was unter anderem auch damit zusammenhängt, dass man auch künftig mit den Investoren zusammenarbeiten will, die ihr Geld in das Projekt gesteckt haben. Doch die teilweise raketenartig steigenden Preise für Baumaterialien und -leistungen waren für die Bauart nicht ohne. "Aber das Ganze aufgeben und stehen lassen, das war für uns keine Option", so Helm.
Interesse für Läden vorhanden
Der letzte Schritt ist laut Helm jetzt noch die Vermietung der Läden im Erdgeschoss. Doch auch hier zeigt sich ein Lichtblick am Horizont. "Obwohl wir noch ein bisschen ein spätes Corona-Opfer waren", so Helm, der inzwischen aber eine "leichte Aufbruchsstimmung im Amberger Einzelhandel erkennt." Das Interesse an den Ladengeschäften sei durchaus vorhanden, einige Mietverträge bereits unter Dach und Fach. "Ein paar sind noch unterwegs, wenn die unterschrieben sind, ist es gut."
Ein kurzer Rückblick: Als Heinrich Storg am 11. Januar 2000 den Insolvenzantrag für seine Kaufhauskette samt dem Stammhaus in der Amberger Bahnhofstraße stellte, war die Ära der sogenannten Vollsortimenter eigentlich schon vorbei. Ein paar Jahre lang versuchte dann noch Hans-Joachim Treutler als Mieter der Sparkasse, dem neuen Eigentümer der Immobilie, mit dem Kaufhaus Forum diesem Trend entgegenzusteuern, bevor er Anfang 2005 ebenfalls zum Konkursrichter musste. Ein gutes Jahr lang hielt dann noch der Lebensmittelladen im Untergeschoss durch, dann war die Ära Storg/Forum zu Ende, ein langer Leerstand begann.
Zehn Jahre passiert nichts
Zehn Jahre lang, von 2005 bis 2016, gehörte das Ensemble dann dem Projektentwickler Manfred Reichholf, der allerdings mit dem Versuch scheiterte, hier ein Shop-in-shop-Konzept zu schaffen. Probleme mit Asbest, dem Brandschutz sowie fehlende Interessenten bereiteten diesem Vorhaben ein trauriges Ende. 2016 kaufte schließlich die damalige Gewerbebau, die heutige Amberger Wirtschaftsförderung, eine städtische Gesellschaft, die Immobilie. Auch deren Pläne zerschlugen sich, es wurde schon vom Abriss der historischen Fassade der Bahnhofstraße 12 sowie Neubau eines gruselig-modernistischen Betonkastens geredet. Um einen Ankermieter herum, das Chamer Kaufhaus Frey, so die Pläne, sollten sich andere Geschäfte ansiedeln. Weil aber in Amberg nichts voranging, sprang Frey ab und übernahm lieber ein anderes Kaufhaus in Bad Kötzting.
An diesem Punkt griff schließlich die Amberger Bauart zu, die unter anderem auf Rügen bereits seit einigen Jahren ein sogenanntes Mariandl-Hotel betreibt. Ein Konzept, das jetzt auch in Amberg funktionieren soll. Baubeginn war im Jahr 2020, jetzt – mit fast einjähriger Verspätung – kann die Bauart Vollzug melden. Die Drei Höfe erstrahlen in prächtigstem Glanz. Und auch wenn innen drinnen noch nicht alles fertig ist: Am Samstag eröffnet das Hotel Mariandl am Berg. Die Zimmer können bereits gebucht werden.
Von der Alten Münze zu den Drei Höfen
- 1708/09: Nach einem Brand wird das Anwesen Bahnhofstraße 10 neu gebaut – hier zieht später die Amberger Münze ein.
- 1861: Bau der Bahnhofstraße 12 und Errichtung der Bayerischen Gewehrfabrik.
- 1931: Verkauf der beiden Immobilien an Georg Frauendorfer. Verpachtung des Erdgeschosses an die „Einkaufsgenossenschaft Rheinisch-Westfälischer Geschäftshäuser“ (ERWEGE). Der jüdische Gesellschafter Siegfried Hirsch machte daraus ein Kaufhaus für Textilien und Lebensmittel.
- 1936 übernimmt wegen nationalsozialistischer Hetze und Boykottaufrufen, die sich gegen Hirsch richten, Heinrich Storg Senior die Geschäftsführung des Warenhauses.
- 1953 kauft Heiner Storg die beiden Anwesen. Mehrmalige Umbauten und Umwandlung in ein großes Kaufhaus.
- 11. Januar 2000: Insolvenzantrag für das Kaufhaus Storg.
- Mai 2000: Storg-Geschäftsführer Hans-Joachim Treutler übernimmt das Kaufhaus und gründet das Forum.
- 31. Januar 2005: Das Kaufhaus Forum schließt endgültig seine Türen.
- Dezember 2005: Verkauf an RMI-Immobilien und Beginn eines langen Stillstandes.
- Februar 2016: Verkauf an die städtische Tochter Gewerbebau. Das Kaufhaus soll sich um einen Ankermieter herum entwickeln. Doch der springt im April 2019 wieder ab.
- Juli 2019: Kauf der Immobilie durch die Bauart GmbH aus Amberg - es soll nun ein Hotel mit rund 110 Zimmern entstehen.
- Januar 2020: Baubeginn für die Drei Höfe.
- November 2023: Größtenteils Fertigstellung der Drei Höfe mit dem Hotel Mariandl am Berg, der Skybar Walküre, Gaststätten und kleinen Geschäften.













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