Amberg
26.12.2024 - 17:52 Uhr
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Vom ICE-Tisch zum Panzersitz: Amberger Firma Probatec macht aus Beinahe-Aus eine Erfolgsgeschichte

Von der Firma Probatec haben viele Amberger wohl noch nie gehört. Dabei sind alle, die schon mit einem ICE gereist sind, Produkten dieses Amberger Unternehmens begegnet. Gerade plant es einen Neubau in Sulzbach-Rosenberg.

Wer in einem ICE reist, ist mit einem Stück Amberg unterwegs: Die Unterbauten der Tische sind Produkte der Firma Probatec, die ihren Sitz im Amberger Industriegebiet Süd hat. Dass hier ein Unternehmen logiert, das die zuweilen inflationär benutzte Bezeichnung des "hidden champions" tatsächlich verdient, wissen viele Amberger nicht. Nach eigenen Angaben lag der Umsatz des Unternehmens 2024 bei zehn Millionen Euro, aktuell beziffert Firmengründer Stephan Kopp den Auftragsbestand auf 50 Millionen Euro – "das Ersatzteilgeschäft nicht mitgerechnet".

Auch die Politik hatte das 1997 gegründete Unternehmen bislang nicht auf dem Schirm: Der Besuch von Vertretern der Staatsregierung, angeführt von Digitalminister Fabian Mehring und Wirtschaftsstaatssekretär Tobias Gotthardt (beide Freie Wähler) sowie den beiden Landtagsabgeordneten Bernd Heinisch (FW) und Harald Schwartz (CSU) kurz vor Weihnachten war laut Firmengründer Stephan Kopp jedenfalls in 28 Jahren der erste.

Hauptgeschäft jetzt militärisch

Ausstattung für die Bahn machte in früheren Jahren 60 Prozent am Umsatz von Probatec aus, 40 Prozent kamen aus dem militärischen Bereich ("Defense"), wie technischer Leiter Kevin Bauer beim Rundgang in der Firmenzentrale berichtete. Inzwischen habe sich das Verhältnis aber umgedreht. Die Spezialanfertigungen vom Sitz bis zum kompletten Führerstand aus Amberg sind weltweit gefragte Komponenten in gepanzerten Fahrzeugen, zum Beispiel beim deutschen Marktführer Krauss-Maffei, so dass dieser Umsatzanteil laut Bauer inzwischen eher zu 70 Prozent tendiert.

Ein spezieller Sitz, der den Kommandanten eines Radpanzers nach oben hebt, um ihm den Blick aus der Fahrzeug-Luke zu ermöglichen, oder ein Sitz mit einer Art integrierter Camping-Toilette für Militärfahrzeuge gehören zu den Entwicklungen von Probatec. Die Firma hat laut Bauer im militärischen Bereich "drei, vier große Mitbewerber", die allerdings eher "in der Standardproduktion" tätig sind, so dass sich Probatec mit seinen Sonderanfertigungen gut behaupten kann. Ein Erfolgsfaktor laut Kopp: "Wir haben einige Produkte, die schwierig 1:1 ersetzt werden können." Eine Besonderheit und Herausforderung im "Defense"-Geschäft sei die sehr lange Ersatzteilpflicht von 30 Jahren, die die Hersteller erfüllen müssen. "Unser Kunde ist der Fahrzeugbauer. Wir sind Zulieferer für Tech-Konzerne", erklärte Bauer – und zwar weltweit, bis nach Australien.

Innovation aus Amberg im Nightjet

Probatec ist dabei aber auch weiterhin im zivilen Bereich aktiv, aktuell zum Beispiel für die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB). Unter anderem kommen Teile der neuen Innenausstattung für die ÖBB-Nachtzüge ("Nightjet") aus Amberg. Ein größeres Projekt der Deutschen Bahn sei dagegen gerade um acht Monate verschoben worden, bedauerte Bauer: "Das passiert leider ständig." Angefangen hat das Unternehmen einst mit Musterbau, Entwicklung und Fertigung von Prototypen. 2004 folgte der Einstieg ins Defense-Geschäft. Inzwischen produzieren die Amberger Innenausstattung, Sitz- und Tischsysteme auch in Serie, sind aber immer noch gefragt, wenn es um Spezialanfertigungen in kleinen Stückzahlen geht.

Eine firmeneigene Neuentwicklung, die auf einer Innovationsmesse in diesem Jahr auf großes Interesse stieß, wartet laut Mitarbeiter Noah Püschl derzeit auf einen Kunden für eine Serienfertigung: Der "Pendulum Seat" für Kurzstrecken-Schienenfahrzeuge wie beispielsweise U-Bahnen bietet Passagieren sowohl Platz zum Anlehnen, wenn der Waggon sehr voll ist, als auch herunterklappbare Sitzplätze, wenn es das Fahrgastaufkommen zulässt. "Das Thema wird gerade neu gedacht", betonte Püschl.

Neubaupläne für 2025

Ursprünglich logierte Probatec in Ursensollen, zog dann um nach Amberg in die Boschstraße, um 2016 von der Gewerbebau den aktuellen Firmensitz am Liebengrabenweg zu kaufen. Hier hat das Unternehmen inzwischen auch eine Halle in der Nachbarschaft und einen zweiten Standort für die Montage im Amberger Stadtteil Gailoh. Für die Montage geplant ist "ein Neubau, spätestens in zwei Jahren", wie Stephan Kopp mit Blick auf den 2025 angepeilten Grundstückskauf ankündigte. "Stand jetzt finden wir in Sulzbach-Rosenberg etwas", verriet er, ohne konkreter zu werden. Hier hat die Firma ein Grundstück im Blick, das ihrem Platzbedarf ("Wir brauchen 20.000 Quadratmeter, auf 100 Metern Breite") entspricht, was in Amberg nicht geklappt hat. "Amberg bleibt aber unser Technologiezentrum."

Auch die Mitarbeiterzahl soll wachsen, von derzeit 75 auf 100 – und das obwohl das Unternehmen in der Produktion inzwischen auch Roboter einsetzt, die beinahe selbstständig arbeiten, wie Vorständin Christina Püschl beim Rundgang erklärte. Angesichts der neuen technischen Möglichkeiten meine man "immer, es werde Personal abgebaut: Im Gegenteil wir haben aufgestockt." Die Roboter böten mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten, aber "die muss auch jemand programmieren".

2015 beinahe aufgegeben

Dass dem Unternehmen seine Mitarbeiter wichtig sind, zeigte sich auch in der Corona-Pandemie, als es laut Kopp "ganz bewusst entschieden" hat, "alle Mitarbeiter zu halten und auch keine Kurzarbeit zu machen". Davon "profitieren wir heute noch". Ein Kredit von 1,5 Millionen Euro, den die Firma damals aufgenommen habe, sei inzwischen zu 80 Prozent zurückgezahlt. "Das war auf jeden Fall gut angelegtes Geld."

Allerdings, auch das verhehlte der Firmengründer nicht, habe es 2015 einen Punkt gegeben, "wo wir fast aufgegeben hätten", weil die Unterstützung der damaligen Hausbank ausgeblieben sei. Diese sei nicht mehr an Bord, dafür habe man in drei Hausbanken in Weiden und Amberg nun die passenden Partner. Anders als man vermuten würde, bescherte der Beginn des Ukraine-Krieges Probatec große Probleme: Damals war "unser größtes Projekt mit Siemens in Russland", was der Krieg "von jetzt auf gleich auf Null" setzte.

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