24.07.2020 - 11:02 Uhr
AmbergOberpfalz

Wenn Ideen sprudeln: Die AZ-Redaktion und die Leopoldkaserne

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Seit 2018 steht die denkmalgeschützte Leopoldkaserne in Amberg nach dem Auszug der Bundeswehr leer. Redakteure der Amberger Zeitung haben sich bundesweit umgeschaut - und Vorbilder gefunden gefunden, wie das Areal umgenutzt werden könnte.

Die Leopoldkaserne in Amberg mit seinen knapp elf Hektar Größe von oben.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Vorbild Heidelberg: Vision Wissensstadt

Von Uli Piehler

Auf dem knapp 100 Hektar großen Gelände einer ehemaligen Wohnsiedlung der US-Streitkräfte in Heidelberg (Baden-Württemberg) soll eine moderne Wissensstadt entstehen. „Der Anspruch an die Planung ist hoch“, heißt es in einer Projektvorstellung der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). In Heidelberg soll demnach ein völlig neuer Stadtteil wachsen – als Modellort für innovative Wohn- und Arbeitsformen, den Einsatz digitaler Technologien, neue Mobilitätskonzepte und klimaneutrale Energieversorgung.

Im März 2016 hat die Stadt Heidelberg die Internationale Bauausstellung (IBA) mit der Koordinierung des Planungsprozesses beauftragt. Die IBA Heidelberg entwickelt gemeinsam mit verschiedenen Städtebaubüros Ideen für den Stadtteil. Seit März 2017 liegt hierfür eine Planungsvision vor, die soganannte PHVision – benannt nach dem früheren Namen der Wohnsiedlung, Patrick-Henry-Village. Die Vision ermöglicht laut Bima eine stufenweise Entwicklung des Areals und bindet dabei auch vorhandene Gebäude und Grundstücke ein.

Die Bundesbehörde geht eine enge Partnerschaft mit der Stadt Heidelberg ein. Die Bima ist die Eigentümerin der Liegenschaft und will dort auch selbst Flächen entwickeln und Wohnraum schaffen. Ebenfalls will sie Teile des vorhandenen Wohnungsbestands behalten, instand setzen und vermieten. Zugleich sollen auch neue Wohnungen gebaut werden.

Wenn alles einmal fertig ist, sollen 10.000 Menschen im neuen Patrick-Henry-Village wohnen und rund 5000 Arbeitsplätze entstanden sein. Ob das jemals so eintritt, ist offen – der Stadtteil soll ja schrittweise umgebaut und entwickelt werden. Immerhin: Ein Anfang ist gemacht. Die Verträge zwischen Stadt und Bima sind geschlossen

Das ist der aktuelle Stand um die Kaserne

Amberg

Vorbild Tübingen: Alt, neu und viel Grün

Von Stephanie Wilcke

Historischen Leerstand als Chance begreifen: Viele Städte haben die Möglichkeiten erkannt, die ehemaligen Industrieflächen beziehungsweise Militärareale zu revitalisieren und zu nutzen. Tübingen in Baden-Württemberg ist ein Beispiel dafür.

Bis 2010 wurde auf einer rund zehn Hektar großen Fläche entlang des Neckars Frottee gewebt. Zwischen 2011 und 2015 entstand hier das neue Stadtquartier „Alte Weberei“. Dafür gab es 2016 den Flächenrecyclingspreis des Landes, weil „das Projekt das gesamte Spektrum an Herausforderungen zeigt, die zu bewältigen sind, um aus einer sehr problematischen Industriebrache ein attraktives Stadtquartier zu machen“, hießt es in der Jurybegründung.

Die Grundstücke werden zu Festpreisen meist an Baugemeinschaften verkauft. Sechs Höfe gruppieren sich um den zentralen Platz, auf dem das frühere Werksgebäude renoviert wurde. Im Erdgeschoss gibt es ein Restaurant und ein Ausstellungslager, die Obergeschosse wurden zu Büroräumen und einer Wohnung umgebaut. In der Alten Weberei wurden mehrgeschossige Stadthäuser und etliche Reihenhäuser gebaut. In vielen Gebäuden besteht die Verpflichtung, dass mindestens 50 Prozent der Erdgeschossfläche von Gewerbe belegt wird. Insgesamt wurden 100 Arbeitsplätze geschaffen. Besonders angenehm für die rund 700 Bewohner des neuen Viertels ist, dass es zudem Freizeit- und Sportanlagen am Neckarufer gibt. Generell wurde versucht, viele Grünräume zwischen den Häusern zu schaffen. Die Ideen dazu kamen auch von einem Runden Tisch, der sich vorher gebildet hatte.

Vorbild Amberg: Denkfabrik Industrie 4.0

Von Andreas Ascherl

Die Stadt Amberg hat es schon einmal geschafft und aus einer historischen Kaserne eine Technische Hochschule gemacht. Eine zweite OTH wird es in der Leopoldkaserne nicht geben, doch bietet die Liegenschaft einen idealen Platz für Entwicklungen in Sachen Industrie 4.0 und höher. Siemens Amberg gilt mit seinem Werk als wegweisend in neuen Produktionstechniken. Doch Siemens ist nicht allein.

Ein gemeinsamer Campus mit anderen Unternehmen aus der näheren und weiteren Region könnte die Chance sein, Industrie und Ingenieurswesen auf eine neue Ebene zu heben. Klimaschutz, neue Mobilität oder – ganz aktuell – medizinische Forschung könnten hier eine Denkfabrik finden. Das denkmalgeschützte Gebäude bietet – ähnlich wie die ehemalige Kaiser-Wilhelm-Kaserne – ausreichend Platz. Trotzdem genügt es nicht, nur das Areal der Leopoldkaserne zu überplanen. Der gesamte Bergsteig muss in die Überlegungen mit einbezogen werden. Wer Ingenieure, Forscher und Denker nach Amberg locken will, muss neben hochprofessionellen und prickelnden Arbeitsbedingungen auch Wohnraum anbieten.

Gerade der Bereich hinter der Kaserne selbst, der heute von diversen Betrieben genutzt wird, könnte hier eine Chance bieten für die Schaffung eines zusätzlichen Wohngebiets, bei Bedarf für eine zusätzliche Schule und einen Kindergarten samt Krippe. Eine breite Fahrrad-Schnellstraße direkt in die Stadt hinein macht die Wege kurz und Amberg zur Modellstadt, was die Entwicklung in Sachen Rad angeht. Die ebenfalls geplante Elektrifizierung der unmittelbar benachbarten Bahnstrecke eröffnet die Möglichkeit, den Leopold-Campus über einen S-Bahn-Halt anzuschließen.

Das sagt ein Experte zu den Möglichkeiten der Leopoldkaserne

Amberg
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