24.07.2020 - 10:57 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberger Stadtverwaltung wartet auf ein Zeichen der Bima und des Zoll

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Wie geht es weiter mit der Leopoldkaserne in Amberg? Nicht nur der Stadtrat will das wissen, sondern auch die SPD-Fraktion, die sich in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Cerny wendet. Viel Neues gibt es nicht zu vermelden.

Niemand will durch die Röhre gucken, wenn es um die Leopoldkaserne in Amberg geht. Das denkmalgeschützte Ensemble ist auch eine Möglichkeit, eine neues Quartier entstehen zu lassen.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Mehr als 300 Jahre beherbergt die Stadt Amberg Soldaten innerhalb ihrer Mauern. Das Ende der Garnisonsstadt folgt im Frühjahr 2018, als 4000 Bundeswehrsoldaten aus der denkmalgeschützten Leopoldkaserne ausziehen. Zurück bleiben leere Räume, Säle, ein Appellplatz und ein 10,7 Hektar großes Areal eines Jugendstilensembles in Stadtnähe, das im Besitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) ist.

Ende einer Garnisonstadt: Ein Dossier zum Thema

Was lässt sich mit einem ehemaligen militärischen Gelände anfangen? Seit dem Auszug der Panzerbrigade 12 stellt sich der Stadtrat genau diese Frage. Auch die SPD-Stadtratsfraktion fragt sich in einem offenen Brief an den Oberbürgermeister, wie es mit der Leopoldkaserne weitergehen soll. Neue Wohnungen? Erweiterung des Gewerbegebiets? Jugendherberge? Ausbildungsstätte des Zoll?

Möglichst schnell eine Nachnutzung muss her

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Leopoldkaserne vs. Kohle

Dass sich aus ehemals militärischen Anlagen jedenfalls eine zivile Nutzung finden lassen kann, beweisen die Kaiser-Wilhelm-Kaserne (heute Ostbayerische Technische Hochschule) und die US-amerikanische Möhlkaserne (heute Wohngebiet).

Die Stadtverwaltung steckt gerade in einer verzwickten Lage: Denn weder vom Zoll noch von der Bima habe man eine Rückmeldung bislang erhalten, heißt es aus dem Rathaus. "Dies kann nicht unbedingt als positives Signal gewertet werden", wird Oberbürgermeister Michael Cerny zitiert. Vor allem sei es schwierig vor dem Hintergrund, dass der Bund wegen des Kohlekompromisses augenblicklich die Schaffung neuer Stellen im Osten Deutschlands zum Ausgleich für den dortigen Strukturwandel diskutiert. "Dennoch gilt es zunächst abzuwarten."

Dabei wäre die Leopoldkaserne eine wunderbare Gelegenheit, ein ganzes Stadtquartier (auch im Zusammenspiel mit dem Bergsteig) zu entwickeln. Andere Städte wie München, die ebenfalls eine ehemalige Garnisonstadt ist, haben es vorgemacht und einen bunten Mix aus Wohnen und Leben mit dem militärischen Erbe verknüpft.

Das sagt ein Experte zu den Möglichkeiten der Leopoldkaserne

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Ein zukunftsfähiges Konzept - das wünscht sich auch die Stadt Amberg. Oberbürgermeister Cerny bat das Baureferat, "einen städtebaulichen Wettbewerb vorzubereiten, der die grundsätzlichen Entwicklungsmöglichkeiten auf dem ehemaligen Kasernenareal mit Wohnen, Grünflächen und wirtschaftlicher Nutzung definiert". Von Anfang an klar sei aber gewesen, dass man das Quartier mit dem Bund entwickeln wolle. "Deshalb hat man sich auch mit der Bima geeinigt, gemeinsam eine Wertermittlung in Auftrag zu geben", erklärt Cerny. Diese sei aber noch nicht abgeschlossen. Solange es keine Rückmeldung der Bima gebe, könne zudem der Wettbewerb des Baureferats nicht starten.

Coronapandemie ein Problem?

Nach wie vor hat die Stadt Amberg ein sogenanntes Vorkaufsrecht auf die Leopoldkaserne. Das heißt, das Areal könnte in städtischen Besitz übergehen, "wenn der Preis stimmt", wie es die CSU-Stadtratsfraktion im Dezember 2017 formulierte. "Das ist offen", wie Cerny sagt. Oder ob der Bund die Verwertung übernehme. "So ist durchaus vorstellbar, dass die Stadt zwar die Planung erstellt, die Durchführung jedoch in der Hand des Bundes liegt." Denn der Ankauf hätte für die Stadt Amberg eine zusätzliche Verschuldung zur Folge. "Angesichts der Auswirkungen der Coronapandemie würde das nicht leicht zu schultern sein."

Doch auch einige Unternehmen haben sich nach Aussage Cernys bei der Stadt gemeldet und ihr Interesse an der Leopoldkaserne bekundet. "Momentan ist es aber noch unklar, ob in diesem Fall der Bund oder die Stadt Amberg Vertragspartner dieser Firmen sein wird."

AZ-Redakteure machen sich Gedanken zur Leopoldkaserne

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