02.01.2020 - 17:45 Uhr
AmbergOberpfalz

Entscheidung über Amberger Leopoldkaserne längst überfällig

Die Entscheidung, ob der Zoll die ehemalige Leopoldkaserne übernimmt, hätte längst fallen sollen - irgendwann im Sommer 2019. Aber Oberbürgermeister Michael Cerny weiß bis heute nicht, was mit dem Areal samt Jugendstil-Ensemble passiert.

Die Leopoldkaserne aus der Luft. Noch ist keine Entscheidung gefallen, ob die Zollverwaltung hier ein Aus- und Fortbildungszentrum einrichten will. Städtebaulich brennt das Thema dem Oberbürgermeister aber allmählich auf den Nägeln.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Erst war es der Zoll, dann die NATO, danach wieder der Zoll. Nach Abzug der Bundeswehr aus der Leopoldkaserne am Bergsteig sollte möglichst schnell eine Nachfolgenutzung her. Das denkmalgeschützte Ensemble am Rande der Stadt - bei seiner Erbauung in den Jahren 1913/1914 als schönste Kaserne Bayerns gerühmt - steht seit fast zwei Jahren leer. Doch der Eigentümer, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), hat sich bisher nicht geäußert, ob es eine Nachfolgenutzung gibt oder die Leopoldkaserne der Stadt zum Kauf angeboten wird. Denn das wäre die gesetzlich mittlerweile so vorgeschriebene Alternative.

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OB Michael Cerny ist nach wie vor fest davon überzeugt, dass die Kaserne wie geschaffen wäre für ein Aus- und Fortbildungszentrum der Zollverwaltung. In einer ersten Auswahlrunde fiel die Leopoldkaserne durch, Cerny hofft nun auf die zweite Chance. Den politischen Rückhalt aus dem Bundestag und dem bayerischen Finanzministerium weiß der Amberger OB durchaus hinter sich.

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"Wir sind unter den letzten Drei", so lautet die aktuelle Info des Oberbürgermeisters. Wann die endgültige Entscheidung fällt, steht aber auch für ihn in den Sternen. Dabei wäre es seiner Aussage nach kein Problem für die Stadt, in die konkreten Planungen einzusteigen. Die habe er in Berlin dem zuständigen Staatssekretär schon einmal grob vorgestellt. Dabei würde es zwei Möglichkeiten geben, sagt Michael Cerny. Entweder die Zollverwaltung nutze den denkmalgeschützten Bereich, die Stadt Amberg würde dann den Rest des Areals überplanen - oder aber umgekehrt.

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"Das war, so glaube ich, ein ganz guter Termin." Trotzdem bleibt der Oberbürgermeister skeptisch. Seine Befürchtung: Der Bund scheut das Thema Denkmalschutz. "Das war schon beim Wegzug der Bundeswehr so." Damals sei gesagt worden, in Cham könne man neu bauen, in Amberg müsste man sich um den Denkmalschutz kümmern. Wenn das nun beim Zoll wieder so sei, dass der Bund aus Gründen des Denkmalschutzes Abstand von dem Projekt nehme, müsse man das - obwohl nur ein kleines Licht als Oberbürgermeister der Stadt Amberg - schon mal thematisieren.

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Denn monetär wäre doch ohnehin kein Unterschied, ob der Staat das Thema selbst angreife oder aber über öffentliche Zuschüsse, Fördermittel oder Steuerabschreibungen für die Kosten des Denkmalschutzes aufkomme. "Zahlen tut's unter dem Strich doch nur der Bund." Er selbst, so sagt es der Oberbürgermeister, sei mit den beiden Abgeordneten Alois Karl (CSU) und Uli Grötsch (SPD) in ständigem Kontakt wegen der Kaserne. "Eigentlich war es sehr dringend, aber vielleicht waren ja andere Dinge doch wichtiger in der Positionierung des Finanzministeriums."

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An und für sich ginge es in Richtung Zoll, gibt Cerny die Richtung vor. Klappt das nicht, wird die Stadt eine städtebauliche Planung über das Gelände legen. "Es gibt auch schon Interessenten für das Gelände mit rund zehn Hektar Fläche." Ein Mischung aus Wohnen und Gewerbe mit einer nicht allzu großen Verkehrsfrequenz wäre seiner Einschätzung nach ideal an dieser Stelle.

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Ein Kinderspielplatz im hinteren Bereich, dazu steuergeförderte Wohnungen im Denkmalbereich wären ideal. Aber: "Wenn der Zoll nicht kommt, wäre es eine vertane Chance in Richtung Ausbildung."

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