25.09.2020 - 15:55 Uhr
AmbergOberpfalz

IG Menschengerechte Stadt fordert Pop-up-Park auf dem Bürgerspital-Areal

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Auf dem Bürgerspital-Areal herrscht Stillstand. Und das wohl auch in vielen kommenden Monaten. Die IG Menschengerechte Stadt will nun den wilden Parkplatz dort nicht länger hinnehmen und fordert, einen Pop-up-Park zu schaffen.

Das derzeit brachliegende Bürgerspital-Areal würde sich nach Ansicht von (von links) Achim Hüttner, Stefan Reuther und Wolfgang Schimmel von der Interessengemeinschaft Menschengerechte Stadt hervorragend für die Schaffung eines sogenannten Pop-Up-Parks eignen.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Stillstand, blanke Erde, parkende Autos - so präsentiert sich das Bürgerspital-Areal im Herzen der Altstadt nun schon seit vielen Monaten. Und es wird sich auf absehbare Zeit auch nichts ändern an diesem Zustand. Die Stadt Amberg plant für Oktober die Aufstellung des Aufhebungsverfahrens für den gültigen Bebauungsplan, gegen den ein Normenkontrollverfahren beim Bayerischen Verwaltungsgericht anhängig ist. Gleichzeitig soll wegen der geänderten Voraussetzungen - unter anderem ein Tiefgaragenstockwerk weniger und eine neue Zufahrt dazu über die Ziegelgasse - ein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden.

In der Zwischenzeit liegt das Gelände brach. Die Interessengemeinschaft Menschengerechte Stadt fordert nun, den Platz während dieser Phase als Pop-up-Park zu nutzen. "Die Stadt soll ein paar Laster Humus reinfahren, zwei Bänke und ein paar Bäume spendieren wir", sagt Achim Hüttner, der Sprecher der IG. Schließlich gehöre das Areal immer noch der Stadt, ein Übergang an Investor Ten Brinke habe nach Informationen der IG bis zum heutigen Tag nicht stattgefunden.

Hüttner sowie Stefan Reuther und Wolfgang Schimmel von der Menschengerechten Stadt machen im Pressegespräch deutlich, dass sie gegen eine spätere Bebauung des Grundstücks absolut nichts einzuwenden haben - aber nicht in der von Ten Brinke geplanten Größenordnung. "Die Frage ist doch, wie gehe ich mit dem Grundstück ökologisch um?", sagt Wolfgang Schimmel. Angesichts des Klimawandels sei eine großflächige Bodenversiegelung in der Innenstadt da absolut widersinnig. "Das Haus soll mit 2000 Quadratmetern Blechdach gedeckt werden", sagt Schimmel. "Das ist vor allem im Sommer eine gewaltige Heizung."

"Es ist und bleibt ein unsinniges Projekt", verurteilt Achim Hüttner die Ten-Brinke-Pläne, auf dem Bürgerspital-Areal einen großen Betonblock mit Wohnungen, ein paar Gewerbeeinheiten und einem Lebensmittel-Nahversorger zu errichten. Der erwartete Magnet in der Oststadt ist das nach Ansicht der IG-Vertreter absolut nicht. "Der Magnet werden die Drei Höfe sein, das ehemalige Kaufhaus Forum, nicht das Bürgerspital-Areal", ist sich Hüttner sicher. "Hier geht es nur um Gewinnmaximierung."

Doch wie ist der aktuelle Stand des Verfahrens auf dem Bürgerspital-Gelände? Der erschließt sich sehr gut aus der Korrespondenz des Bayerischen Verwaltungsgerichts mit den Streitparteien im laufenden Normenkontrollverfahren, die Oberpfalz-Medien zum Teil vorliegt. Demnach forderte der Verwaltungsgerichtshof mit Datum 20. August 2020 von der Stadt Amberg noch fehlende Unterlagen für das Verfahren an. Unter anderem die Abwägungsvorschläge zu den Stellungnahmen der Öffentlichkeit, die die Stadt dem Gericht schuldig geblieben war. Wie Streitgegner Wolfgang Schimmel findet, ein essenzieller Bestandteil des Verfahrens.

Der Grund, warum auf dem Bürgerspital-Areal neu geplant werden muss

Amberg

Verfahren zieht sich hin

Ende August antwortete schließlich Oberrechtsrätin Jasmin Hannich im Auftrag der Stadt Amberg: "Dass für das Vorhaben kein Bauantrag eingereicht ist und auch in absehbarer Zeit nicht eingereicht werden wird, da die Vorhabensträgerin und die Antragsgegnerin übereinstimmend von der Verwirklichung des Vorhabens entsprechend dem geltenden Vorhabens- und Erschließungsplan Abstand nehmen." Begründet wird dies mit den geänderten Konzeptionen für Tiefgarage und Erdgeschoss sowie der neuen Zufahrt in die Tiefgarage.

"Die Aufstellung des Aufhebungsverfahrens wird für Oktober 2020 im vereinfachten Verfahren angestrebt", heißt es in dem Schreiben. Parallel solle die Neuaufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans erfolgen. Damit dürfte sich auf dem Bürgerspital-Areal zumindest in den kommenden Monaten außer den dort inzwischen parkenden Autos nicht viel bewegen, so die Einschätzung der Interessengemeinschaft.

Letzte Aktion der IG Menschengerechte Stadt

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Kommentar:

Projekt muss noch einmal auf den Prüfstand

Wenn man ehrlich ist, dann ist von den einst sehr hoch fliegenden Plänen für das Bürgerspital-Areal tatsächlich nicht viel geblieben. Ein richtiger Magnet für die Oststadt sollte hier entstehen. Der Menschen, also Kunden, aus Nah und Fern förmlich in die Amberger Altstadt ziehen würde. Mit einer zumindest teilöffentlichen Tiefgarage, mit Geschäften, einem Café und viel mehr. Geblieben ist nach den zuletzt vorgelegten Planungen des Investors Ten Brinke eine sehr große Wohnanlage mit einer Quartiersgarage, ein paar wenigen Praxen oder Kanzleien sowie einem Nahversorger. Aus der „Champions-League“, in der manche Stadträte die Stadt Amberg da schon spielen sahen, ist wohl eher eine solide Kreisklasse geworden.
Schon aus diesem Grund muss es tatsächlich erlaubt sein, das Vorhaben noch einmal in Gänze auf den Prüfstand zu stellen. Muss es tatsächlich ein Bau der geplanten Größenordnung sein? Oder geht es doch ein paar bescheidene Nummern kleiner? Vielleicht sehr modern mit viel Grün dazwischen? Zeit genug wäre ja vorhanden, da ohnehin ein neuer Bebauungsplan für das Areal aufgestellt werden muss. Alternative Ideen liegen aus dem vorgeschalteten Wettbewerb jedenfalls vor. Und in der Zwischenzeit könnte man das Areal tatsächlich den Bürgern der Stadt Amberg als Kulturpark zugänglich machen.

Andreas Ascherl

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