07.09.2020 - 16:19 Uhr
AmbergOberpfalz

Rote Karte für "monströses Bauwerk"

Rote Karten kennen die Menschen hauptsächlich aus dem Fußball. Doch auch in der Politik hat der symbolische Platzverweis längst Einzug gehalten. Jetzt bekommt auch die Stadt Amberg die rote Pappe gezeigt.

Nicht nur eine Rote Karte gibt es von der IG Menschengerechte Stadt für die Stadt Amberg und Investor Ten Brinke. Die IG will erreichen, dass anstelle eines dort geplanten „monströsen Bauwerks“ ein Kulturpark entsteht.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Das alte Bürgerspital-Altenheim in der Bahnhofstraße ist längst abgerissen, die anschließenden archäologischen Untersuchungen des Areals liegen auch schon einige Zeit zurück. Seither dient die Brache mitten in der Stadt vor allem als Geheimtipp unter den Gratis-Parkplätzen. Die Interessengemeinschaft (IG) Menschengerechte Stadt wollte und will sich mit diesem Zustand nicht abfinden. Am Samstag verwandelte sie das Gelände in einen künstlerisch gestalteten Infopark.

"Wir wollen nicht, dass das Bürgerspitalareal zur jahrelang ungenutzten und unansehnlichen Lücke und mit Bauzaun abgesperrt im Stadtbild wird, wie einst das Forum in der Bahnhofstraße," begründet Achim Hüttner, Vorsitzender der IG Menschengerechte Stadt, die Aktion "Rote Karte". Die IG wendet sich damit gleichzeitig gegen die vom Investor Ten Brinke geplante Bebauung für das Bürgerspital-Areal, die sie als völlig überzogen und "monströs" betrachtet.

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Rote Karten und Visionen

Deshalb wurden am Samstag an der Stelle, wo bei den Ausgrabungen Archäologe Mathias Hensch Relikte einer keltischen Besiedlung gefunden hat, symbolische rote Karten aufgestellt, die die IG sowohl der Stadt als auch dem Investor zeigt. Dazu gesellten sich Hinweise zur Geschichte des Ortes und zwei Tonreliefs, gestaltet von Achim Hüttner und Heini Hohl, an der Stelle der keltischen Ausgrabungen. Am Bauzaun angebrachte Plakate informieren über die Situation, die nach Ansicht der IG derzeit auf dem Gelände herrscht.

"Viele Städte und Gemeinden haben die Klimazeichen der Zeit erkannt und versuchen verstärkt, grüne Oasen im Stadtzentrum zu schaffen", heißt es in der entsprechenden Presseerklärung der IG Menschengerechte Stadt. "Wann, wenn nicht jetzt, bietet sich auch in Amberg die Gelegenheit dazu?" Deshalb zeige die IG Menschengerechte Stadt den hiesigen Verantwortlichen die Rote Karte und erteile dem Investor Platzverweis. "Sein geplantes monströses Bauwerk trägt ausschließlich zur weiteren Flächenversiegelung bei."

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Noch im Eigentum der Stadt

Wie die IG weiter informiert, befindet sich das Bürgerspital-Areal noch immer im Eigentum der Stadt Amberg. "Damit hat sie auch die Verpflichtung, es zu pflegen und nicht zum wilden Autoparkplatz verkommen zu lassen." Jetzt, da die Außenarbeiten an der Wirtschaftsschule so gut wie beendet seien, könnte nach Einschätzung der IG mit relativ geringem Aufwand eine Grünanlage auf dem Spitalgelände entstehen, wie sie Mitglied Norbert Scharf beispielhaft entworfen hat. Nicht zuletzt als Ausgleichsfläche für den zugepflasterten und zugeschotterten Schulhof nebenan, wie die Menschengerechte Stadt nicht mitzuteilen vergisst.

Areal zugänglich machen

"Das einstmals von König Ludwig dem Bayern gestiftete Areal wäre für die Bürgerinnen und Bürger frei zugänglich - zumindest vorübergehend, bis der Stadtrat sich auf eine umwelt- und bürgerfreundlichere Variante verständigt hat", schreibt die IG abschließend in ihrer Presseerklärung zu der Kunstaktion vom Samstag. Und meint damit nicht die geplante Ten-Brinke-Bebauung.

Kunstaktion auf dem Bürgerspitalgelände.
Kunstaktion auf dem Bürgerspitalgelände.
Kunstaktion auf dem Bürgerspitalgelände. IG-Mitglied Norbert Scharf hat seine Visionen für einen Kulturpark entwickelt.
Kunstaktion auf dem Bürgerspitalgelände.

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