24.03.2021 - 17:46 Uhr
AmbergOberpfalz

IG Menschengerechte Stadt legt alternative Planung für das Bürgerspitalareal vor

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Das Bürgerbegehren gegen den Ten-Brinke-Bau auf dem Bürgerspitalareal läuft – sehr gut sogar, wie die Initiatoren sagen. Alternativ legen sie jetzt einen Architekten-Entwurf vor, der eine weniger monumentale und "grünere" Bebauung vorsieht.

Es muss nicht Ten Brinke sein, sagen Wolfgang Schimmel (links) und Achim Hüttner von der IG Menschengerechten Stadt. Ein befreundeter Architekt hat ihnen einen Entwurf zur Verfügung gestellt, wie das Bürgerspitalgelände alternativ überplant werden könnte.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Wolfgang Schimmel und Achim Hüttner von der IG Menschengerechten Stadt sind zufrieden. Nicht mit dem Ten-Brinke-Bau, der auf dem Bürgerspitalareal entstehen soll – im Gegenteil. Sie freuen sich, weil das Bürgerbegehren dagegen aus ihrer Sicht sehr gut läuft. "Wir haben bis Samstag schon weit über 1000 Unterschriften gesammelt", sagt Achim Hüttner. Und das, obwohl Corona die Besucherfrequenz der Innenstadt gegenüber Normalzeiten deutlich reduziert habe. Parallel dazu lief bis zum vergangenen Freitag die offizielle Frist für Einwendungen gegen den neuen Bebauungsplan für das Areal. Etliche Einwendungen sind laut Susanne Schwab, der städtischen Pressesprecherin, bei der Stadt Amberg eingegangen. Sie müssen jetzt sortiert, ausgewertet und in das Verfahren eingearbeitet werden.

Derweil wird der Ton in der Auseinandersetzung um das Bürgerspitalareal rauer. Nicht vonseiten der IG Menschengerechte Stadt, wie Schimmel und Hüttner unisono betonen. "Wir bleiben auch weiterhin höflich aber konsequent in der Sache", sagt Achim Hüttner. Die Gegenseite gehe da nicht so zimperlich vor. Und stößt nach Ansicht der IG teilweise sogar in Bereiche vor, in denen es rechtlich kritisch wird. "Das, was Oberbürgermeister Michael Cerny gemacht hat, das darf er nicht", wiederholt Wolfgang Schimmel seinen Vorwurf, der OB habe in seinen jüngsten Äußerungen zum Thema eine Grenze überschritten, die Gerichte bis hinauf zum Bundesverwaltungsgericht da in den vergangenen Jahren gezogen hätten.

Alternative zum Ten-Brinke-Entwurf

"Der Versuch, uns schlecht zu machen, ist ja nicht zu überhören", kommentiert das der Vorsitzende der IG, Achim Hüttner. "Dabei sollten die Leute mal auf unsere jüngsten Erfolge schauen", sagt er und zählt beispielhaft den Paradigmenwechsel beim ehemaligen Kaufhaus Forum/Storg oder den verkehrsfreien Umbau der Schiffgasse auf, wo jetzt mit neuer Gastronomie eine erhebliche städtische Aufwertung passiere. "Wir sind nicht die Leute, die einfach nur dagegen sind", sagt Achim Hüttner und präsentiert einen Architektenentwurf für das Bürgerspitalareal, der eine Alternative zur Bebauung von Ten Brinke sein könnte, wie er betont.

Kleinere, modern angelegte Baukörper mit vielfältiger Nutzung schweben der IG für das Gelände vor. Mit einer grünen Verbindung vom Kulturzentrum Ringtheater zum Kulturzentrum Spitalkirche. Was nach Ansicht von Hüttner und Schimmel eine sehr deutliche Aufwertung dieses Altstadtbereichs darstellen würde. Gewerbeeinheiten könnten hier ebenso Platz finden wie Wohnungen, erläutert Wolfgang Schimmel das Konzept. Hier könnten zum Beispiel alte Menschen in einem betreuten Wohnbereich zurückfinden in das Stadtzentrum, könnten junge Leute im Bereich der Kreativwirtschaft eine berufliche Heimat finden, spinnt Achim Hüttner den Faden weiter.

Sechster Netto in Amberg?

Was die IG nicht will: den inzwischen sechsten Netto-Markt für Amberg. Für Wolfgang Schimmel ist es eine ausgemachte Sache. Komme – wie im Entwurf für den Bebauungsplan beschrieben – noch ein Netto in die Altstadt, werde in der Folge entweder einer von beiden Nettos in der näheren Umgebung oder aber alle beide über kurz oder lang schließen. Hüttner und Schimmel setzen einen kleineren Einkaufsmarkt für den regionalen Bedarf dagegen. "Wir könnten uns dafür beispielsweise das schon lange leer stehende Eckgebäude Ziegelgasse/Bahnhofstraße vorstellen", sagt Achim Hüttner.

Mit Wolfgang Schimmel ist er sich einig: Ein großer Einkaufsmarkt mit 1200 Quadratmeter Verkaufsfläche ohne dafür ausgewiesene Stellplätze in der Tiefgarage, funktioniert entweder nicht – oder er produziert oberirdisch ein Verkehrschaos. Kleiner denken, dafür einen lebenswerten Bereich für die Altstadt schaffen, dafür plädieren die Vertreter der IG Menschengerechte Stadt im Gespräch vor Ort. "Wir wollen das Prinzip der Durchwegung wieder aufnehmen, grüne Verbindungen schaffen innerhalb der Altstadt", sagt Wolfgang Schimmel, der eine mehrseitige Einwendung gegen den Bebauungsplan eingereicht hat, die Oberpfalz-Medien vorliegt. Und er erinnert daran, dass das Bürgerspitalareal ursprünglich für die ärmsten der armen Amberger bestimmt gewesen sei. Das solle man nicht vergessen und zumindest teilweise wieder aufgreifen, so fordert er. Der Ten-Brinke-Entwurf hingegen stellt in seinen Augen angesichts der zu erwartenden Quadratmeterpreise ein reines Spekulationsobjekt für Menschen mit viel Geld dar. "Das wird für normale Rentner und Studenten unerschwinglich sein", so sagt er.

So könnte das Bürgerspitalareal alternativ bebaut werden, schlägt ein Amberger Architekt vor, der für die IG Menschengerechte Stadt einen ersten alternativen Entwurf gefertigt hat. Er sieht kleinere Wohneinheiten, viel Grün und einen kulturellen Schwerpunkt für das Gelände vor, ohne das Wohnen und Gewerbe außer Acht zu lassen.
Kommentar:

Der Ton wird rauer, wir bleiben sachlich

Je mehr Unterschriften die IG Menschengerechte Stadt gegen den Bebauungsplan für das Bürgerspitalareal sammelt, desto nervöser wird die Gegenseite. Ja, der Ton wird rauer, wenn auch vor allem aufseiten der Befürworter des dort geplanten Ten-Brinke-Baus. Das war zu erwarten, es überrascht nun wirklich niemand. Dass die Oberpfalz-Medien als das Leitmedium der Region mitten drin und voll dabei sind, ist ebenfalls keine Überraschung. Beide Seiten wollen bei uns Gehör finden, beide Lager ihre Position möglichst breit in gedruckter und digitaler Zeitung streuen. Das wollen wir auch weiterhin ermöglichen, auch wenn wir uns für jede Veröffentlichung den Zorn der jeweils anderen Seite, ein Bombardement mit Stellungnahmen und Leserbriefen sowie Pressemeldungen "einhandeln". Aber so sieht Meinungsfreiheit und -vielfalt aus. Wir sind keine Zensoren oder Sprachrohre für die ein oder andere Seite. Wir sind ein Spiegel unserer Stadtgesellschaft, ein Medium für lebendige politische Diskussion und Sinnbild für eine gesunde Meinungsfreiheit. Um das zu garantieren, lassen wir uns gerne kritisieren oder teilweise abwatschen. Nur eines werden wir nicht tun: Den Boden des ordentlichen und gesitteten Umgangs miteinander verlassen.

Andreas Ascherl

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