07.11.2021 - 09:59 Uhr
AmbergOberpfalz

IG Metall Amberg trauert um Jürgen Ganss

Jürgen Ganss, von 1996 bis 2008 Erster Bevollmächtigter der Amberger IG-Metall-Verwaltungsstelle, lebt nicht mehr. Er ist nach einem Schlaganfall gestorben. Kurz vor seinem 70. Geburtstag.

Jürgen Ganss war von 1996 bis 2008 Chef der Amberger IG Metall.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Am Dienstag, 9. November, wäre Jürgen Ganss 70 Jahre alt geworden. Es war dem ehemaligen Ersten Bevollmächtigten der Amberger IG-Metall-Verwaltungsstelle aber nicht vergönnt, diesen runden Geburtstag zu feiern. Der gebürtige Stuttgarter, der zuletzt in Schwabach lebte, starb bereits am 27. Oktober im Alter von 69 Jahren.Es war kurz nach der Wiedervereinigung, als es den gelernten Werkzeugmacher 1990 mit knapp 40 Jahren als Gewerkschaftssekretär nach Schwabach zog, wo er ab 1993 auch Zweiter Bevollmächtigter war. Drei Jahre später kam dann der Wechsel nach Amberg, wo Jürgen Ganss den Posten des Ersten Bevollmächtigten von Bertin Eichler übernahm, der kurz zuvor als Hauptkassier in die Frankfurter IG-Metall-Zentrale gewechselt war.

Bewährungsprobe Maxhütte

Eichlers Fußstapfen waren Ganss, dem bekennenden Italien-Liebhaber und Rotwein-Freund, aber nie zu groß. Das lag in erster Linie daran, dass er schneller, als es im lieb war, in seiner neuen Funktion Größe und Verantwortung zeigen musste. Stichwort Maxhütte: Sie musste nach dem ersten Konkursantrag von 1987 im November 1998 den zweiten Konkursantrag stellen. Das war gleichbedeutend mit dem Anfang vom Ende, das am 23. September 2002 folgte. Tags darauf verließ die letzte Charge das Stahlwerk, die letzte Betriebsversammlung fand statt. Mittendrin: Jürgen Ganss. Mit Herzblut setzte er sich damals dafür ein, dass zumindest das Rohwerk erhalten bleiben konnte. Die Gewerkschaftsarbeit in der Region stand damals vor einer Bewährungs- und Zerreißprobe. Aber Jürgen Ganss schaffte es mit viel Geschick und Geduld, einem enormen Kampfgeist und seiner selbst in schweren Stunden nicht enden wollenden Empathie, die IG Metall in der Region durch das zu führen, was ältere Gewerkschafter aus Amberg und dem Landkreis Amberg-Sulzbach heute noch das "Tal der Tränen" nennen.

Unter Ganss' Regie stieg die Mitgliederzahl wieder. Auch der Nachwuchs ließ sich weiter für die Arbeit der IG Metall begeistern. Auch wegen Jürgen Ganss. Damals an seiner Seite: Zweiter Bevollmächtigter Joachim Bender, der ab 2008 auch zu seinem Nachfolger wurde. Bender, der regelmäßig Kontakt zu dem Ruheständler Ganss hielt und sich zuletzt im September mit ihm in Schwabach getroffen hatte, zeigte sich tief betroffen vom plötzlichen Schlaganfall-Tod seines ehemaligen Kollegen, Vorgesetzten und Mitstreiters, den er als "Visionär auf allen Ebenen" bezeichnet: "Jürgen hat neue Wege nicht diskutiert, sondern einfach umgesetzt." Aber nicht mit einem autoritären Stil, sondern als ein "Mensch mit Lust auf Veränderungen", der auch stets an sich gearbeitet habe. Indem er sich im Bereich der Organisationspsychologie weiterbildete - um nur eines von vielen Beispielen zu nennen.

Mann der klaren Ansagen

Jürgen Ganss war stets ein Mann der klaren Ansagen und Aussagen. Zum Beispiel dann, wenn ihm bei der Grammer AG, für die er im Aufsichtsrat saß, bestimmte Entwicklungen nicht gefielen. So ist von ihm dieser Satz aus dem Jahr 2007 überliefert, als bei Grammer die Angst vor der Aufspaltung der AG in GmbHs um sich griff: "Wer die Bücher zuhält, mit welchen scheinheiligen Begründungen auch immer, der hat etwas zu verbergen." Zu dieser Zeit lebte Jürgen Ganss bereits als Witwer in Schwabach. Seine Frau Tina war im Juni 2006 einem Krebsleiden erlegen. Jürgen Ganss hinterlässt nun seine Tochter Kerstin, die mit Mann und zwei Kindern in Greding (Kreis Roth) lebt. Nur etwa eine halbe Auto-Stunde von Schwabach entfernt.

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