17.07.2020 - 08:46 Uhr
AmbergOberpfalz

Immer Ärger mit den Kräutern am Straßenrand

Für Hausbesitzer ist es eine Strafe: Kaum sind die Rinnsteine entlang der Straße vom Unkraut befreit und ausgekratzt, ist schon wieder alles zugewachsen. Ein ewiger Kreislauf, der eigentlich nicht sein dürfte.

Die Verkrautung der Rinnsteine stellt nicht nur die privaten Grundstücksanlieger ein Problem dar. Auch die Stadt Amberg kämpft gegen die Gräser und Kräuter.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Wenn der Frühling kommt, dann wächst es wieder in unserer Stadt. Leider nicht nur da, wo wir das wollen. Vor allem die Entwässerungsrinnen entlang der Straßen bekommen sehr schnell einen grünen Überzug, höher und höher hinaus treibt die Natur - die in die diesem Falle meist aus Löwenzahn und ähnlichen bei Eigenheimern ungeliebten Pflanzen besteht. Früher oder später fangen dann alle Hausbesitzer an zu kratzen, zu brennen oder zu sprühen. An Samstagen ist in den Siedlungen durchgehend das Fauchen der Gasbrenner zu hören, mit deren Hilfe das lästige Grün bekämpft wird.

Dabei dürfte das alles gar nicht sein, sagt Alfons Swaczyna, der ehemalige Leiter des Regensburger Tiefbauamts. Swaczyna wohnt in einer Siedlung im Süden Ambergs und ärgert sich regelmäßig darüber, dass er die Abflussrinnen vor seinem Haus auskratzen muss. Wobei er gar nicht müsste, so hat er jetzt an den Oberbürgermeister und die Stadträte geschrieben. Denn das Grün in den Rinnen, so argumentiert er, kann nur wachsen, weil die Stadt ihre Pflicht zum Unterhalt der Straßen vernachlässigt. Letztendlich, so sagt er auf Nachfrage, füge die Stadt ihren Bürgern dadurch sogar einen Schaden zu. "Denn die Straßen sind das Anlagevermögen der Bürger, das durch die Stadt nur verwaltet wird." Das geschehe dadurch, dass das Regenwasser nicht wie gewollt über die dichten Abflussrinnen in den Kanal abgeführt werde. Vielmehr versickere das Nass, gefriere bei Frost und schädige dadurch die Straßen.

Wer muss den Rinnstein reinigen?

Der Leitende Baudirektor a.D. geht noch ein Stück weiter in seiner Argumentation. Seiner Auffassung nach besteht nämlich noch nicht einmal die Pflicht zur Beseitigung des Unkrauts in den Rinnen. Denn die Entfernung dieses Wildwuchses werde nicht durch die "Verordnung der Stadt Amberg über die Reinhaltung und Reinigung der öffentlichen Straßen und die Sicherung der Gehbahnen im Winter" gedeckt. Hier erntet er allerdings heftigen Widerspruch.

Denn tatsächlich heißt es in der Verordnung wörtlich in Sachen Straßenreinigungspflicht der Anlieger: "Zur Erfüllung der Reinigungspflicht ist die vorstehend beschriebene Reinigungsfläche monatlich einmal, möglichst zum Monatsende, zu kehren und von Gras und Unkraut zu befreien." Auf diese Tatsache weist die städtische Pressesprecherin Susanne Schwab ausdrücklich hin. Sie bestätigt allerdings auch, dass die Stadt Amberg in den vergangenen Jahrzehnten beim Unterhalt der Entwässerungsrinnen etwas "geschlampt" hat. Woran das gelegen habe, sei aus heutiger Sicht nicht mehr umfassend festzustellen. Allerdings dürfte fehlendes Geld im städtischen Haushalt eine große Rolle gespielt haben. So nach und nach würden inzwischen die Rinnsteine verfugt, an einigen Stellen wie der Hockermühlstraße wurden die Abflussrinnen inzwischen mit Zementschlämme verfüllt. Allerdings wird es noch viele Jahre dauern, bis auch die letzte Amberger Straße ordnungsgemäß verfugt worden ist. Von den Kosten ganz zu schweigen.

Wenn die Unkrautvernichtung in die Hose geht

Amberg

Nach Auskunft des städtischen Tiefbauamts stehen derzeit in Amberg noch rund 180 000 Meter Entwässerungsrinnen zur Sanierung an. "Dabei ist zu unterscheiden in Strecken mit nur fehlender Fugenverfüllung und solche Strecken, bei denen die gesamte Randsteinanlage zumindest partiell zu erneuern ist."Letztere, so ergänzt Pressesprecherin Susanne Schwab, seien in den vergangenen Jahren oft aus dem Grund nicht in Angriff genommen worden, weil sie bis vor Kurzem über die Straßenausbausatzung umlagepflichtig gewesen wären, die Bürger hätten also mitbezahlen müssen. Hier habe es zum Teil massiven Widerstand gegeben.

Rund 150 000 Meter der Rinnen könnten nach Schätzung des Tiefbauamts maschinell verfugt werden. Das kostet rund 30 Euro pro Meter - insgesamt 4,5 Millionen Euro. Wesentlich mehr Geld müsste die Stadt Amberg in die 30 000 Meter investieren, die komplett mit Bordstein ausgebaut und erneuert werden müssen. Kostenpunkt: 280 Euro pro Meter oder rund 8,4 Millionen Euro insgesamt. "Dies zeigt, dass eine Aufarbeitung in kurzer Zeit die Stadt sowohl hinsichtlich des Aufwands als auch finanziell überfordern würde", heißt es in der Stellungnahme des Tiefbauamts. Immerhin seien in den vergangenen beiden Jahren jeweils 300 000 Euro in die Sanierung der Abflussrinnen gesteckt worden.

Kein Gift verwenden!

Angesichts dieser Zahlen wird es wohl noch dauern, bis die letzte offene Fuge an Ambergs Straßenrändern geschlossen ist. Zumal es vielen Bürgern lieber wäre, wenn erst einmal die Straßen selbst frei von Schlaglöchern wären. Und so wird auch weiterhin der Anblick von kratzenden, brennenden oder spritzenden Menschen in unseren Straßen zum Alltagsbild gehören. Aber Achtung: Unkrautvernichtungsmittel dürfen nicht zur Bekämpfung der unerwünschten Flächen eingesetzt werden. Stoffe wie Glyphosat sind im Stadtgebiet streng verboten, sie können das Grundwasser und Gewässer verseuchen.

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