26.02.2020 - 17:29 Uhr
AmbergOberpfalz

Immer mehr Wettbüros in Amberg

Der FC Bayern hat beim FC Chelsea 3:0 gewonnen. Wer zehn Euro auf dieses Ergebnis gesetzt hätte, wäre jetzt um 150 Euro reicher. Chancen, sein Geld in Sportwetten zu investieren, gibt es immer mehr. Auch in Amberg.

Monitore und Fernsehübertragungen, wohin das Auge reicht: Wer möchte, kann im Wettbüro von Johann Mayer mehrere Spiele parallel verfolgen – und entsprechend mehrere Tipps zeitgleich abgeben.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Kaum noch eine Fußballübertragung im Fernsehen ohne Werbung für Sportwetten - ob als Trikotsponsoring, als Bandenwerbung oder bei Interviews im Hintergrund auf Stellwänden. Wer im Internet nach Buchmachern sucht, hat inzwischen die Qual der Wahl. Weit mehr als 100 Firmen buhlen weltweit um das Geld der Kunden und locken mit teils lukrativen Bonus-Zahlungen. Die Unternehmen, die sich dahinter verbergen, sitzen stets im Ausland. Doch im Stadtgebiet existieren mittlerweile drei Büros, die Wetten annehmen. Noch vor vier Jahren gab es kein einziges.

Mit Lizenz aus Malta

Johann Mayer hat dieses Geschäftsmodell im Jahr 2018 für sich entdeckt. Der 59-Jährige betreibt seit der Fußball-Weltmeisterschaft an der Nürnberger Straße einen eigenen Laden - als Franchisenehmer. Soll heißen: Er muss für alle entstehenden Kosten aufkommen, darf dafür aber 70 Prozent des von ihm gemachten Gewinns behalten. 30 Prozent gehen an eine Gesellschaft mit Sitz auf Malta. Denn mit Ausnahme von Oddset, einem Angebot des deutschen Lotto- und Totoblocks, ist es keinem einheimischen Unternehmen gestattet, Sportwetten anzubieten. So will es der aktuelle Glücksspielstaatsvertrag.

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Johann Mayer tangiert diese Regelung wegen der maltesischen Lizenz und des Franchise-Modells nicht. Die bei der Stadt beantragte Nutzungsänderung für einen von ihm gekauften Leerstand sei ebenso reine Formsache gewesen wie die Duldungserlaubnis der Regierung der Oberpfalz. Als er 2016 festgestellt hatte, dass an der Drahthammer Straße Ambergs erstes Wettbüro eröffnet, zog er nach. Und ihm folgte wiederum zu Beginn dieses Jahres ein weiterer Anbieter an der Regensburger Straße. "Wenn man davon leben müsste, sind drei Büros eines zu viel", sagt der 59-Jährige und spricht davon, den Laden nach seinem Abschied aus der klassischen Berufswelt als Hobby zu führen: "Wegen des Geldes mache ich das nicht. Es ist für mich eher eine Freizeitbeschäftigung im Alter."

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Die Leute, die zu ihm kommen, setzen auf alles Mögliche: "Fußball, Tennis, Basketball, Eishockey, es gibt zig Möglichkeiten." Meistens beliefen sich die Einsätze auf zweistellige Beträge, Wetten für 1000 Euro oder mehr seien die absolute Ausnahme. "Einmal hat einer mit 50 Euro Einzahlung 20 800 Euro gewonnen", erzählt der Inhaber des Ladens und verhehlt nicht, dass es natürlich auch Kunden gibt, die ihr Geld verlieren, aber: "Das läuft hier bisher alles im Rahmen. Da war nix Existenzgefährdendes dabei."

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Sollte er dennoch den Verdacht haben, ein Gast könnte Haus und Hof verzocken, schreitet er ein: "Dazu bin ich verpflichtet. Dann muss ich reagieren und ihn sperren." Der Sicherheitsgedanke existiere auch in die andere Richtung: "Bei mehr als 2000 Euro Gewinn muss ich den Perso kopieren." Ansonsten verstoße er gegen das Geldwäschegesetz.

"Geld gleich bar auf die Hand"

Warum die Buchmacher in Amberg wie Pilze aus dem Boden schießen, obwohl immer mehr Wetten im Internet platziert werden können und Innenstadt-Läden mit Blick auf die wachsende Online-Konkurrenz geschlossen werden, liegt für Mayer auf der Hand. Im Fall eines Gewinnes im Internet gingen wegen der relativ aufwendigen Verifizierung des Wettkontos und der folgenden Banküberweisung oft mehrere Tage ins Land. Bei ihm sei das nicht so: "Bei mir hier gibt's das Geld gleich bar auf die Hand."

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Bei der Genehmigung von Wettbüros „sind wir als Stadt außen vor“, sagt Thomas Graml von der Pressestelle und verweist an die Regierung der Oberpfalz. Dort heißt es: „Ausschließlich Wettbüros, die im Auftrag konzessionierter Veranstalter betrieben werden, können eine behördliche Erlaubnis (...) erlangen.“ An den länderspezifischen Regelungen, die den künftig gültigen Rahmen der Legalität näher beschreiben sollen, werde in Bayern noch gefeilt. Derzeit existierten keine Erlaubnisse. Es seien allenfalls Duldungsbescheide erlassen worden.

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