Immer die Weltspitze als Ziel: Siemens Amberg feiert 75-jähriges Bestehen

Amberg
25.01.2023 - 19:49 Uhr

„Alle unsere Kunden wollen so sein wie Amberg.“ Was Siemens-Vorstand Cedrik Neike bei der Auftaktfeier zum 75-jährigen Bestehen des Siemens-Standorts Amberg anmerkt, verrät viel über das Erfolgsgeheimnis der weltweit geschätzten Werke.

Die erste große Veranstaltung zum Jubiläum 75 Jahre Siemens in Amberg geht am Dienstagabend im Besucherzentrum „The Impulse“ über die Bühne. Die Chefetage hat ihr offiziell das Motto „Der Mensch im Mittelpunkt“ vorangestellt. Das verwundert nicht wirklich, so weit sind andere Weltkonzerne inzwischen auch. Doch wenn man genau hinschaut, erkennt man die Besonderheiten des Siemens-Standorts Amberg, der sich aus einem Gerätewerk und einem Elektronikwerk zusammensetzt.

Da ist zum einen der unüberhörbar Oberpfälzer Zungenschlag der Verantwortlichen vor Ort. Wie etwa bei Hans-Peter Scharl, der hier 1986 als Industriekaufmann begonnen hat und jetzt Standortleiter ist. Wenn er sagt, dass die Kollegen in Amberg seit jeher mit Leidenschaft und Kreativität für diesen Standort arbeiten, kauft man ihm das ab. Ebenso wie der Betriebsratsvorsitzenden Stefanie Lengfelder ihre Einschätzung, die Schlüssel zum Amberger Erfolg seien Innovation und Qualifizierung. Da ist dann die Erkenntnis, das größte Kapital der Oberpfalz seien eben doch die Menschen, die hier leben, nicht mehr weit. Die 2000 Patent-Erstanmeldungen, die in den 75 Jahren aus den Reihen der Belegschaft zustande kamen, untermauern das eindrucksvoll.

Mitarbeiter stolz auf Firma

Umgekehrt merkt man den Amberger Siemensianern auch den Stolz auf ihre Firma an. 450 der aktuell rund 5000 Beschäftigten haben sich an dem Preisausschreiben beteiligt, über das die Teilnahme an dieser Feier per Losverfahren geregelt wurde. Etwa ein Zehntel davon hatte Glück. Oft sind sie schon in zweiter, manchmal bereits in dritter Generation bei Siemens beschäftigt, einschließlich eines guten Teils der Verwandtschaft. Wenn sie Sätze sagen wie „mich macht stolz, wie unsere Produkte weltweit eingesetzt werden“ oder „bei uns werden auch die Mitarbeiter mitgenommen“, klingt das keineswegs einstudiert, sondern nach einem Bekenntnis aus vollem Herzen.

Das mit dem Potenzial der Oberpfälzer sehen die beiden Vertreter des Siemens-Vorstands, die zur Feier gekommen sind, ganz ähnlich. Sie fremdeln nicht einmal mit dem Standort. Bei Cedrik Neike hat das seinen Grund darin, dass er selbst mal zwei Jahre lang für das Gerätewerk zuständig war. Matthias Rebellius erinnert sich gerne daran, wie er als junger Entwicklungsingenieur nach Amberg kam und ihm hier ein alter Platzhirsch erklärte, wie die Welt wirklich funktioniert.

"Immer vorne sein"

Neike geht sogar so weit, die in Amberg entwickelte Technologie als „Lösung für weltweite Probleme“ zu betrachten. Die Vorreiterrolle sieht er vor allem im Grad der Digitalisierung begründet, der weltweit Nachahmer animiert. Die Ausnahmestellung Ambergs werde aber noch lange bleiben, meint Oberbürgermeister Michael Cerny, der einst als Informatiker bei Siemens arbeitete: „Denn das gehört zur DNA des Standorts: immer vorne zu sein.“

OTH-Präsident Professor Clemens Bulitta, der zehn Jahre lang für Siemens Healthcare tätig war, traut der Anziehungskraft des Amberger Standorts für qualifizierte Menschen aus aller Welt sogar zu, einen Teil des Fachkräfteproblems in der Region zu lösen. Auf dieser Grundlage klingt dann auch die Prognose von Rainer Brehm, der bei der Siemens AG die Abteilung „Factory Automation“ leitet, gar nicht mehr so waghalsig: „Die Zukunft der Steuerungstechnik wird aus Amberg gestellt.“

Preis für Nachhaltigkeit

Ein Indiz für die Richtigkeit dieser These ist die Auszeichnung „Leuchtturmfabrik für Nachhaltigkeit“, die das Elektronikwerk jetzt beim Weltwirtschaftsforum in Davos verliehen bekommen hat – als eine von bisher nur 13 Fertigungen weltweit. Cedrik Neike hat die Trophäe aus der Schweiz mitgebracht und überreicht sie dem verantwortlichen Werkleiter Gunter Beitinger. Der hat es geschafft, die Treibhausgasemissionen des Elektronikwerks seit 2015 fast zu halbieren, bei gleichzeitiger Steigerung der Produktion um 70 Prozent.

„Die Digitalisierung hat die Voraussetzungen dafür geschaffen“, erklärt Beitinger gegenüber Oberpfalz-Medien. Mit ihrer Hilfe habe man den Energieverbrauch genau durchleuchten und auf einen Bruchteil herunterschrauben können. So helfe etwa ein digitaler Produktpass, tonnenweise Papier und Kunststoff einzusparen.

Beitinger versteht die Auszeichnung nicht zuletzt als Verpflichtung, die Erkenntnisse im Dienst der CO2-Reduzierung mit Kunden sowie anderen Unternehmen jenseits von Siemens zu teilen. Das Weltwirtschaftsforum organisiere deshalb auch Besuche weiterer Top-Firmen in Amberg. Sie sind sicherlich willkommene Gäste bei den Jubiläumsfeiern, die sich in weiteren Etappen über das ganze Jahr hinziehen werden.

Hintergrund:

Siemens in Amberg

  • 1948: Das enteignete Siemens-Schaltwerk in Oppach (Sachsen) wird nach Amberg verlegt. 150 Mitarbeiter beginnen die Fertigung von Schaltern, Schützen (elektromagnetisch betätigte Schaltgeräte), Sicherungen und Klemmen in den gemieteten Räumen der ehemaligen Königlich-Bayerischen Gewehrfabrik.
  • 1951: Bezug der ersten eigenen Gebäude (Gerätewerk)
  • 1958: 2000 Beschäftigte
  • 1962: 4500 Beschäftigte, was Siemens Amberg zum größten Arbeitgeber in der mittleren Oberpfalz macht.
  • 1970: Richtfest für einen neuen Werkteil für die Fertigung von elektrischen Hausgeräten.
  • 1989: 6300 Mitarbeiter. Das Gerätewerk wird geteilt, indem man ein eigenständiges Elektronikwerk für die Fertigung elektronischer Steuersysteme ausgliedert.
  • 2007: Elektronikwerk gewinnt Industriewettbewerb „Die Beste Fabrik Europas“
  • 2011: Gerätewerk gewinnt Wettbewerb „Beste Fabrik/Industrial Excellence Award“
  • 2023: Über 5000 Beschäftigte am Siemens-Standort Amberg, über 1000 Ingenieure, 150 Auszubildende.
 
 

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