27.12.2020 - 19:23 Uhr
AmbergOberpfalz

Impfstart in Amberg-Sulzbach geglückt

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In Amberg-Sulzbach wurden am Sonntag die ersten Menschen gegen das Coronavirus geimpft. In Sulzbach-Rosenberg machte eine 83-Jährige den Anfang, in Amberg ging es im Seniorenheim des Wallmenich-Hauses weiter.

"Wenn's weiter nichts ist", sagt die 100-jährige Ingeborg Meyer nach dem Piks in den Arm. Sie ist eine der 91 Bewohner des Seniorenheimes, die am Sonntag geimpft wurden.
von Miriam Wittich Kontakt Profil

Sonntag, 7.30 Uhr, im Corona-Impfzentrum im Landkreis-Kulturzentrum (LCC) in Sulzbach-Rosenberg herrscht schon jede Menge Trubel. Sicherheitskräfte prüfen Ausweise, gleichen Listen ab, kontrollieren, wer das Gebäude betritt. An diesem Morgen sind das vor allem Helfer des Bayerischen Roten Kreuzes sowie Ärzte und medizinische Kräfte, die an ihrem freien Wochenende ehrenamtlich im Einsatz sind. Denn tags zuvor, am zweiten Weihnachtsfeiertag, kam hier die ersehnte erste Ladung des Corona-Impfstoffes an.

Bei der Erstauslieferung des Impfstoffs von Biontech gab es am 26. Dezember zunächst einmal 100 Impfdosen je Kreisverwaltungsbehörde. Für die Stadt Amberg und den Landkreis Amberg-Sulzbach bedeutete das insgesamt 200 Impfdosen. Und die werden am Sonntag gleich gespritzt.

Wenig Weihnachten, aber gut vorbereitet

„Viel Weihnachten hatten wir alle nicht“, erklärt Kreisgeschäftsführer Sebastian Schaller vom BRK-Kreisverband Amberg-Sulzbach, welcher die beiden Impfzentren in Amberg und Sulzbach-Rosenberg betreibt. „Doch dafür waren wir jetzt super vorbereitet.“ Die große Hilfsbereitschaft sei „überwältigend“. Mehr als 100 Ärzte hätten sich in den vergangenen Wochen gemeldet und ihre Hilfe angeboten, hinzu kommen Krankenschwestern und anderes medizinisches Fachpersonal sowie die Kräfte des BRK und der Schwesternschaft Wallmenich-Haus.

Wolfgang Würth kommentiert die Corona-Impfung

Weiden in der Oberpfalz

Um 7.45 Uhr geht Marga Weiß zum „Check-In“. Die 83-Jährige ist die erste, die in Amberg-Sulzbach gegen das Coronavirus geimpft wird. Angst hat die Sulzbach-Rosenbergerin nicht. Bei der Anmeldung werden ihre Daten erfasst, dann geht es weiter zum Arztgespräch. „Das ist hier keine Hau-Ruck-Aktion“, betont Landrat Richard Reisinger, der sich an diesem Sonntagmorgen selbst ein Bild vom Impfstart macht. Ohne Aufklärungsgespräch gehe es nicht. „Impfung nach Lehrbuch“ nennt es Sebastian Schaller.

Noch keine Online-Registrierung

8.08 Uhr: Marga Weiß sitzt nun auf einer Liege für die Impfung bereit. „Der Prozess dauert jetzt am Anfang noch etwas länger“, erklärt Sebastian Schaller. Die bayernweite Software für die Impfungen funktioniere zwar. Doch erst etwa Mitte Januar soll die Online-Anmeldung möglich sein, denn dafür müsse der Zulauf des Impfstoffes gesichert sein. Dann werde die Registrierung vor Ort schneller ablaufen.

Der Ärztliche Leiter des Impfzentrums, Dr. Michael Scherer, krempelt Marga Weiß’ Ärmel nach oben. Piks. Um 8.11 Uhr sticht Krankenschwester Gerlinde Schertl in den rechten Oberarm der 83-Jährigen. „Ich hab ja gar nichts gespürt“, sagt die danach.

Die Helfer im Impfzentrum sind zufrieden, alles hat reibungslos funktioniert. Marga Weiß bekommt nun noch einen Stempel in ihren Impfpass und wird eine halbe Stunde beobachtet. Die letzte Station ihrer Impfung. In 21 Tagen muss ihr der Stoff ein zweites Mal gespritzt werden. Erst weitere 7 Tage später ist der Schutz gegeben. Um kurz nach halb 9 tritt Weiß den Heimweg an.

Kurz zuvor verlassen auch die mobilen Impfteams das Zentrum. Je zwei gibt es für die Stadt und den Landkreis. „Da haben wir noch aufgestockt, weil auch die Resonanz in den Seniorenheimen so groß war“, schildert Sebastian Schaller. Und lobt die Einsatzbereitschaft der Verantwortlichen und des Personals dort. „Wir schaffen es, noch in diesem Jahr alle Heime zu bedienen, die sich gemeldet haben.“

Wir schaffen es, noch in diesem Jahr alle Heime zu bedienen, die sich gemeldet haben.

BRK-Kreisgeschäftsführer Sebastian Schaller

BRK-Kreisgeschäftsführer Sebastian Schaller

Die mobilen Impfteams bestehen aus jeweils drei Personen: Verwaltung, Arzt und medizinische Fachkraft. Denn wie bei Marga Weiß im Impfzentrum müssen auch bei den mobilen Impfungen die verschiedenen Stationen durchlaufen werden. Zwei Teams machen sich am Sonntag auf nach Auerbach und Ranna, zwei ins Wallmenich-Haus nach Amberg.

Dort ist Einrichtungsleiter Thomas Göldner erleichtert: „Endlich Licht am Ende des Tunnels.“ Durch das Pflegeheim sei ein richtiger Ruck gegangen, erzählt er, „91 von 101 Bewohnern lassen sich heute impfen“. Darunter auch die 100-jährige Ingeborg Meyer. „Wenn’s weiter nichts ist“, sagt sie nach der Prozedur. Die meisten Senioren haben sich darauf gefreut, erzählt Oberin Tatjana Richter, die Vorsitzende der Schwesternschaft. „Sie hoffen dadurch auf Besserung.“ Auch Richter selbst wird am Sonntag geimpft. Sie möchte mit gutem Beispiel vorangehen und Ängste abbauen. BRK-Kreisgeschäftsführer Sebastian Schaller erklärt, dass der Impfstoff nur schwierig aufbewahrt werden kann und jedes Fläschchen fünf Dosen enthält. „Unser Ziel ist es, jede Dosis zu nutzen.“ Deshalb würden mit „übrigen“ kurzfristig Pflegekräfte oder Sanitäter geimpft.

Akzeptanz steigt

Schaller habe in den zurückliegenden Wochen beobachtet, dass die Akzeptanz für den Impfstoff gestiegen ist. „Es gibt immer noch Skeptiker, aber das Vertrauen steigt.“

Oberbürgermeister Michael Cerny ist froh, dass alles „wie geplant läuft“. Jeden Tag seien 400 Impfungen pro Zentrum möglich, je 300 stationär und 100 mobil. Die Strukturen dafür seien geschaffen und auch das Personal organisiert. Nur der Impfstoff fehle. Doch in der kommenden Woche kommen noch zwei Lieferungen, erklärt Schaller. 1300 Dosen sollen bis Jahresende gespritzt werden, unter anderem in zehn Altenheimen und in den drei Krankenhäusern in der Region. „Bis zur Normalität ist es noch ein weiter Weg“, weiß Sebastian Schaller. Doch er ist überzeugt, dass die „Tödlichkeit des Virus’ mit jeder Woche Impfen sinken wird“.

Die Vorbereitungen zum Impfstart in den Impfzentren Amberg-Sulzbach

Amberg
Hintergrund:

Menschen, die zuerst geimpft werden

  • Über 80-Jährige
  • Personen, die in stationären Einrichtungen für ältere oder pflegebedürftige Menschen behandelt, betreut oder gepflegt werden oder tätig sind
  • Pflegekräfte in ambulanten Pflegediensten
  • Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen mit hohem Expositionsrisiko wie Intensivstationen, Notaufnahmen, Rettungsdienste, als Leistungserbringer der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung, SARS-CoV-2-Impfzentren und in Bereichen mit infektionsrelevanten Tätigkeiten
  • Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen, die Menschen mit einem hohen Risiko behandeln, betreuen oder pflegen. (vor allem Hämato-Onkologie und Transplantationsmedizindizin)

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