16.06.2020 - 18:23 Uhr
AmbergOberpfalz

IT-Experte der OTH: "Die Leute sollten die Corona-Warn-App installieren"

Seit Dienstag ist die Corona-Warn-App verfügbar. Was müssen Anwender wissen, was müssen sie machen? Und: Sollte man die App überhaupt herunterladen? Prof. Daniel Loebenberger, Experte für Cybersicherheit an der OTH Amberg-Weiden, klärt auf.

Die offizielle Corona-Warn-App ist seit Dienstag verfügbar.
von Julian Trager Kontakt Profil

"Es gibt Leute, die finden die App unsinnig oder datenschutzrechtlich bedenklich, und es gibt Leute, die finden die App eine gute Idee", sagt Prof. Daniel Loebenberger, IT-Sicherheitsexperte an der OTH Amberg-Weiden. "Ich halte die App für eine gute Idee." Der Leiter des Fraunhofer Lernlabors Cybersicherheit in Weiden meint, dass die datenschutzrechtlichen Rahmenbedingungen, die so eine App erfüllen muss, um nicht missbraucht zu werden, vorbildlich seien.

Loebenberger sei zwar nicht an der Entwicklung beteiligt gewesen, habe sich aber intensiv mit dem Thema befasst, mit den verschiedenen Varianten, die im Gespräch waren. Ob die jetzige Wahl die bestmögliche ist, sagt Loebenberger nicht. "Da möchte ich mich nicht positionieren." Aber, so viel will er sagen: "Im Großen und Ganzen finde ich das gesamte Paket optimal und unterstützenswert. Die Leute sollten die App installieren."

Wie heißt die App offiziell und wo kann man sie downloaden?

Die App heißt schlicht Corona-Warn-App, erkennbar am Logo: ein großes C, oben hellblau unten rot. Sie kann im Google-Play-Store für Android-Smartphones und im App-Store von Apple für iPhones heruntergeladen werden. Die Warn-App hat auch eine eigene Homepage (www.coronawarn.app). Es gibt nur eine offizielle Corona-Warn-App in Deutschland.

Was geschieht nach der Installation?

Nicht besonders viel, lediglich einzelne Bluetooth-Signale werden in regelmäßigen Abständen verschickt (und empfangen). "Nach der Installation läuft die App relativ minimalistisch", sagt Prof. Loebenberger. Die Anwendung arbeite im Hintergrund, unsichtbar für den Nutzer. Der Akku werde kaum belastet.

Was macht die App?

Die App speichert anonymisiert Infos: Mit wem hatte man längere Zeit Kontakt, bei wenigen Metern Abstand? Über Bluetooth werden diese Informationen zwischen den Smartphones ausgetauscht. "Das sind aber nur IDs, Zahlen, keine Namen", erklärt der OTH-Professor.

Wann und wie wird man gewarnt?

Die App wird nur dann für den Nutzer sichtbar, wenn sie warnt, dass man mit einem Infizierten lange genug und zu nah Kontakt hatte. Das geschieht durch eine Push-Meldung, die auf dem Display des Smartphones erscheint.

Was tun, wenn man eine Warnung erhält?

"Wenn man so eine Meldung bekommt, ist es sinnvoll, sich testen zu lassen", sagt Loebenberger. Ob man das macht, ist aber jedem selber überlassen. Behörden oder Ärzte erhielten über die App keine Daten oder Infos über Kontaktpersonen von Infizierten.

Was tun, wenn man sich infiziert hat?

Wer infiziert ist, kann das selbst in die App eintragen. Das ist aber nur über offizielle Bestätigungen mittels QR-Code oder einer Transaktionsnummer vom Robert-Koch-Institut oder einem Prüflabor möglich. Ist dieser Status in der App eingetragen, kümmert sich das System darum, dass alle Leute benachrichtigt werden, mit denen der Infizierte lange genug und im geringen Abstand Kontakt hatte. Die Identität des Infizierten werde dabei nicht übermittelt.

Muss man sich anmelden oder Daten angeben?

Nein. "Da wird nichts abgefragt, kein Name, keine Telefonnummer", sagt Loebenberger. Die App sei nur dann zu aktivieren, wenn man sich als infiziert melden will oder manuell das Infektionsrisiko einsehen möchte. Außer über die Push-Nachrichten bei einer Änderung des Infektionsrisikos interagiert die App mit dem Nutzer nicht.

Sind die Daten der Nutzer wirklich vor dem Staat sicher?

"Es gibt ja Bedenkenträger, die jetzt den Überwachungsstaat 2.0. befürchten", sagt Loebenberger. "In dem Kontext, wie diese App gebaut ist, ist das so aber nicht zu befürchten." Angesichts der Komplexität des gesamten Unterfangens sei die App vorbildlich. "Aus technischer Sicht geht es unter Berücksichtigung aller Seitenparameter, wahrscheinlich nicht besser" - obwohl Apple und Google involviert sind und Loebenberger nicht sagen würde, dass die Firmen datenschutzrechtlich kein Problem seien. "Aber die Leute haben Apple und Google ja eh in der Tasche drin."

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Prof. Daniel Loebenberer von der OTH Amberg-Weiden.

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