Amberg
Update 17.06.2018 - 13:57 Uhr

Joschka bleibt im Gefängnis

Nach viereinhalb Jahren Haft in Tschechien muss ein 48-Jähriger weitere dreieinhalb Jahre in einem deutschen Gefängnis zubringen. Wegen gewaltsamer Übergriffe in Immenstetten und Thüringen zögert sich die Rückkehr nach Sokolov hinaus.

Nach viereinhalb Jahren Haft in Tschechien muss ein 48-Jähriger weitere dreieinhalb Jahre in einem deutschen Gefängnis zubringen. Oliver Berg/dpa  (
Nach viereinhalb Jahren Haft in Tschechien muss ein 48-Jähriger weitere dreieinhalb Jahre in einem deutschen Gefängnis zubringen.

(hwo) Der 48-jährige Tscheche, in seiner Heimat Joschka genannt, gab sich unduldsam und aufbrausend. Als im Gerichtssaal drei Aussagen eines Kumpans verlesen wurden, der mit ihm im August 2010 nach Immenstetten (Gemeinde Freudenberg) zu einem Raubüberfall gefahren war, geriet er in Harnisch und sagte wörtlich: "Das ist der schlimmste Zigeuner, denn es je gab. Ein Lügner. Warum glaubt man dem?" Dabei hatte der Mann, abgeurteilt bereits im Jahr 2013, nur seine eigene Haut durch ein ausführliches Geständnis gerettet.

Die Verhandlung vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts formte den Eindruck, dass es Bettlertruppen gab, die von Sokolov aus aufbrachen, um sich in Deutschland Almosen zu erbitten. Notfalls mit Gewalt. Ein Immenstettener Landwirt, damals 82 Jahre alt, hatte schon zuvor Besuch von Leuten erhalten, die Geld wollten. Ab dann plagte ihn die Angst.

Dann kamen plötzlich andere, drangen ins Haus vor, nahmen Bares aus der Geldbörse und eher wertlose alte Armbanduhren mit. "Ich wollte noch aus dem Fenster springen", hatte der heuer verstorbene Bauer in einer seiner Vernehmungen gesagt.

Das Portemonnaie nahm ihm offenbar Joschka ab. Er dürfte der Geldbörsenfischer gewesen sein. Doch heute, acht Jahre später, sah er sich lediglich in einer Art Nebenrolle. Aber gewiss war wohl: Die vierköpfige Truppe brauchte Geld für Drogen. In den Jahren 2011 und 2012 wurde ein Rentner in Blankenstein bei Gera auf ähnliche Weise heimgesucht. Auch er lebte in Angst, hatte seine Erfahrungen mit aggressiven Bettlern aus Tschechien.

Beim ersten Überfall war es den Tätern ein Leichtes, die von innen eingehängte Sperrkette zu entriegeln. Die zweite Attacke ging heftiger vonstatten. Da wurde die Tür eingetreten. Aus Thüringen reisten nun drei Polizeibeamte nach Amberg und schilderten ihren Ermittlungen "in diesem ungewöhnlichen Fall" der Richterin Roswitha Stöber. Eheringe kamen weg, dazu auch Geld in einer Höhe, die solche Brutalität in keiner Weise lohnte.

Joschka war auch dort mit dabei. Jeweils offenbar in Begleitung anderer Kumpane aus Sokolov. Wenn er den Begriff DNA hörte, brach der Mann in Gelächter aus. Seine DNA an einem Glas? Die Rückfrage war obskur: "Wem gehörte dieses Glas?" Dann folgte eine vom viel beschäftigten Dolmetscher übersetzte Attacke, abgefeuert auf die deutsche Justiz. Man habe ihm sein Zigaretten genommen, fuhrwerkte er in der Manier eines Bierkutschers. Die Kammervorsitzende Stöber stöhnte in Richtung begleitender Polizisten: "Geben Sie ihm die in der Mittagspause. Es könnte seine und unsere Nerven beruhigen."

Für die lange Zeit zurückliegenden Straftaten muss Joschka nun dreieinhalb Jahre hinter Gitter. Gerne hätte er eine Drogentherapie in Anspruch gekommen. "Doch für einen Erfolg besteht wegen nicht vorhandener Sprachkenntnisse keinerlei Aussicht", befand die Kammer und schloss sich damit der Meinung einer medizinischen Sachverständigen an.

Am zweiten Prozesstag gegen den tschechischen Staatbürger wurde einer der beiden als Raub angeklagten Vorfälle in Blankenstein bei Gera eingestellt. Der Grund dafür: Das Opfer konnte wegen seiner hochgradigen Demenz nicht mehr befragt werden. Damit blieben Details des Übergriffs nebulös. Die beiden anderen Anklagepunkte, ein Überfall in Immenstetten bei Amberg und eine weitere Attacke, die sich ebenfalls in Blankenstein zutrug, galten durch vorhandene DNA-Spuren von Joschka als erwiesen.

Staatsanwältin Jennifer Jäger hatte für den 48-Jährigen eine Haftstrafe von vier Jahren und vier Monaten gefordert. Verteidiger Rudolf Pleischl hielt zwei Jahre und neun Monate für ausreichend. Das Urteil nahm der Angeklagte überraschend ruhig auf. Ein Verhalten, dass nach turbulenten Verhandlungsstunden überraschte.

 
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