23.09.2019 - 11:23 Uhr
AmbergOberpfalz

Juden in Amberg öffnen Türen und Herzen

Die Oberpfalz ist ein gutes Pflaster geworden für die Juden. "In Amberg fühle mich ziemlich sicher", sagt Rabbiner Elias Dray im Interview zum 125-jährigen Bestehen der Gemeinde.

Rabbiner Elias Dray steht der jüdischen Gemeinde in Amberg vor.
von Uli Piehler Kontakt Profil

ONETZ: Herr Rabbiner Dray, die jüdische Gemeinde hat heute Grund zum Feiern. Wie ist es um die jüdische Kultur in Amberg aktuell bestellt?

Rabbiner Elias Dray: Recht gut. Neben dem normalen religiösen Leben bieten wir jedes Jahr drei Konzerte an, bei denen wir auch Gäste aus der Stadt Amberg und aus der Umgebung einladen. Wir wollen dieses weltliche Angebot gerne erweitern und zum Beispiel vermehrt Vorträge organisieren. Vor dem Zweiten Weltkrieg hatten wir ungefähr 130 Mitglieder auf dem Stand sind wir heute wieder.

Festakt zum 125-jährigen Bestehen

ONETZ: Wenn Nicht-Juden jüdisches Leben kennenlernen wollen, wann und wo ist das möglich?

Rabbiner Elias Dray: Es gibt dieses Jahr wieder die Nacht der offenen Gotteshäuser, da kann man die Synagoge besuchen. Und es gibt auch das Treffen der Religionen, manchmal findet das in der jüdischen Gemeinde statt.

ONETZ: Dürfen Nicht-Juden auch an Gottesdiensten in der Synagoge teilnehmen?

Rabbiner Elias Dray: Wer wirklich Interesse hat, sollte bei der Gemeinde anrufen und sich erkundigen. Ein Besuch bietet sich zum Beispiel bei Feiertagen an. Demnächst feiern wir das Neujahrsfest Rosch ha-Schana.

ONETZ: Was ist beim Besuch der Synagoge zu beachten?

Rabbiner Elias Dray: Wenn man in die Synagoge geht, sollte man eine Kopfbedeckung tragen. Man kann eine mitbringen oder wir bieten eine an. Ansonsten sollte man sich einfach der Würde des Ortes angemessen verhalten. Die Synagoge ist ein Gotteshaus, wie eine Kirche.

ONETZ: Immer öfter hört man von antisemitischen Anfeindungen oder Übergriffen in Deutschland. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Rabbiner Elias Dray: Ich habe lange in München gewohnt, da war es eigentlich ganz ruhig. Als ich dann nach Berlin gegangen bin 2014, wollten mich zwei Jugendliche, die wahrscheinlich aus einem islamischen Land stammten, angreifen. Seitdem ist es so, dass ich, wenn ich durch manche Viertel in Berlin gehe, meine Kippa mit einer Baseball-Kappe bedecke, so dass sie nicht gesehen werden kann. In Amberg fühle ich mich ziemlich sicher. Manchmal gehe ich mit der Kippa, manchmal mit der Baseball-Kappe auf die Straße. Je nachdem.

ONETZ: Sie haben heuer die Gründung eines interreligiösen Zentrums für Toleranz angestoßen? Wie geht es mit dem Projekt weiter?

Rabbiner Elias Dray: Wir haben im Sommer zunächst den Verein "Dem anderen begegnen" gegründet. Der Verein erfüllt das Zentrum für Toleranz mit Leben. Er lädt für Mittwoch, 12. November, zu einem Vortrag von Kreisheimatpfleger Dieter Dörner über die Geschichte der jüdischen Gemeinde ein. Außerdem planen wir mit den Schulen einen Workshop-Tag "Ausgrenzung - damals und heute". Und auch ein Zeitzeugengespräch mit dem Holocaust-Überlebenden Alexander Fried wollen wir organisieren. Das ist erst einmal jede Menge. Danach werden wir sehen, wie wir die Vereinsarbeit weiter etablieren können.

Gründung des Vereins "Dem anderen begegnen"

Amberg
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