23.09.2019 - 11:09 Uhr
AmbergOberpfalz

Jüdische Gemeinde Amberg feiert 125-jähriges Bestehen

Fröhliche Klezmermusik drang durch die geöffneten Fenster nach draußen, die Gäste klatschten begeistert mit: Die Jüdische Gemeinde feierte Geburtstag - allerdings nicht ganz unbeschwert.

Die Ginzberg Dynastie ist deutschlandweit bekannt für ihre ausgezeichnete Klezmermusik. In Amberg gaben sie dem Jubiläum der Jüdischen Gemeinde eine besonders fröhliche Note.
von Uli Piehler Kontakt Profil

In den meisten Reden klang die Sorge über zunehmenden Antisemitismus in Deutschland und Europa an. Der Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, Ludwig Spaenle, betonte, es sei wichtig, klare Kante gegen antijüdische Tendenzen zu zeigen. "Es ist so, dass wir aus ganz unterschiedlichen Quellen die Fratze des alten und neuen Antisemitismus gewärtigen. Dem müssen wir uns alle entgegenstellen, weil es um nichts weniger geht als um die Menschenwürde im Alltag." Umso wichtiger sei es auch deutlich zu machen, dass jüdisches Leben dieses Land über Jahrhunderte geprägt hat.

Interview zum Jubiläum mit Rabbiner Elias Dray

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Oberbürgermeister Michael Cerny sagte, die Israelitische Kultusgemeinde sei ein wesentlicher Bestandteil der Stadt und der Stadtgeschichte. Die Feier des 125-jährigen Jubiläums sei ein Sieg über das Gedankengut der Nazis, die die Juden auslöschen wollten. Cerny würdigte das Bemühen des Rabbiners Elias Dray, "den interreligiösen Dialog und das Verständnis füreinander in einer offenen Stadtgesellschaft gemeinsam zu fördern". Der Oberbürgermeister erinnerte an das einstimmige Bekenntnis des Stadtrates vom Oktober vergangenen Jahres, dass die Stadt zu den Werten von Freiheit und Gleichheit und zu einem uneingeschränkten Miteinander steht. "Natürlich schauen wir alle mit bangen Blicken darauf, wie die gesellschaftliche Entwicklung ist."

Resolution des Stadtrates zu den Werten des Grundgesetzes

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"Dass wir heute einen Beauftragten brauchen, der das Thema Antisemitismus angeht, zeigt eigentlich deutlich, dass die demokratischen Kräfte hier zusammenstehen müssen. Wir alle wünschen uns, dass so ein einstimmiges Bekenntnis eines Amberger Stadtrates in den nächsten Jahren und auch dauerhaft in der Zukunft immer gesichert ist." Bundestagsabgeordneter Alois Karl und Landtagsabgeordneter Harald Schwartz (beide CSU) betonten beide, dass es wichtig sei, jüdisches Leben stärker öffentlich darzustellen.

Diesem Ziel hat sich der erst im Sommer gegründete Verein mit dem Namen "Dem anderen begegnen" verschrieben. Die Initiative zur Gründung war von Rabbiner Elias Dray und der Ex-Bundestagsabgeordneten Barbara Lanzinger ausgegangen. Die Arbeit des Vereins ziele darauf ab, "jedem in seinem Anders-Sein zu begegnen und ... manche Facette im Wurzelwerk einer religiösen Gemeinschaft wie der Israelitischen Kultusgemeinde neu ins Bewusstsein der Gesellschaft zu heben", sagte zweiter Vorsitzender Tobias Kober.

Bericht über die Gründung des Vereins "Dem anderen begegnen"

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Kobers Wünsche an die Juden in Amberg: "Mögen Sie sich als Amberger jüdischen Glaubens die Offenheit eines Hineinwirkens in Nachbarschaft, Berufs- und Vereinsleben, Schule und Öffentlichkeit bewahren oder - gerade angesichts verängstigender Parolen - neu zutrauen." Ein Wunsch, den Anna Deborah Zisler von der Israelitischen Kultusgemeinde Straubing-Niederbayern als Aufgabe begreift. Die Gesellschaft dürfe nicht aufhören, die jungen Menschen, Schüler und Studenten zu ermutigen, aufeinander zuzugehen. Hier leiste Rabbiner Dray wertvolle Arbeit. "Wir können ihn unterstützen, indem wir alle als verantwortungsvolle Mitbürger der Gesellschaft der Stadt aufklären, welche gemeinsamen Werte das Judentum, Christentum und der Islam vertreten." Nächste Woche feiern die Juden Rosch ha-Schana, das Neujahrsfest. Es soll ein Aufbruch in eine bessere Zukunft sein.

125 Jahre Israelitische Kultusgemeinde

Info:

Interreligiöses Friedensgebet

Amberg pflegt den Dialog: Für Dienstag, 24. September, sind alle Interessierten zum ersten Interreligiösen Friedensgebet in der Stadt eingeladen. Es steht unter dem Motto "Suchet den Frieden!" und findet von 19.30 bis 21 Uhr in der Moschee an der Drahthammerstraße 26 statt. "Dem Frieden stiftenden Auftrag verpflichtet, treffen sich die Religionsgemeinschaften in Amberg zum ersten interreligiösen Friedengebet", heißt es in der Einladung dazu. "Christen, Juden, Muslime, Neuapostolische und yezidische Gemeinde versammeln sich und bitten mit je ihren Traditionen um Frieden für die Welt - ein dringendes Anliegen, wie uns die politischen Entwicklungen zeigen." Nach dem Friedensgebet sind alle Teilnehmer zu einem kulinarischen Nachklang von der türkischen Gemeinde eingeladen.

Zur Homepage der Israelitischen Kultusgemeinde Amberg

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