31.03.2020 - 14:40 Uhr
AmbergOberpfalz

JVA Amberg: Gefangen und geschützt zugleich

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Das Coronavirus macht auch an Gefängnismauern nicht Halt. In Hamburg hat sich vor zwei Wochen ein Gefangener infiziert. In der Justizvollzugsanstalt Amberg ist die Lage noch entspannt, die Maßnahmen greifen. Auch die Häftlinge ziehen mit.

Wegen des Coronavirus´ gelten in der JVA Amberg derzeit besondere Sicherheitsbestimmungen.
von Florian Bindl Kontakt Profil

Viele von uns fühlen sich derzeit gefangen. Gefangen in den eigenen vier Wänden, eingesperrt durch das Coronavirus und die schleichende Angst vor einer möglichen Infektion. Wie geht es denjenigen, die tatsächlich in Gefangenschaft leben? Welche Maßnahmen ergreift die Justizvollzugsanstalt Amberg, um das Virus auszusperren? Eine massenhafte Infizierung in einer JVA könnte rasch zu einem Problem werden und die Kapazitäten der Einrichtung sprengen. Immerhin: In der Amberger Anstalt gab es bislang keinen einzigen Corona-Fall, nicht einmal einen Verdacht.

Derzeit 495 Häftlinge

Wilfried Schmalzbauer, der Anstaltsleiter, sieht die Lage entspannt: "Ich glaube, wir sind gut vorbereitet und bislang auch sehr gut geschützt." In der JVA Amberg ist Platz für 560 Häftlinge, aktuell sind 495 Belegungen eingetragen. Die überwiegende Zahl der Gefangenen ist in Einzelzellen untergebracht. In Zeiten des Coronavirus sind Einzelhafträume begehrt. "Wir versuchen natürlich jetzt, alle Einzelzellen vollzukriegen und die Zahl der Inhaftierten zu reduzieren, um mehr Platz zu schaffen", sagt Schmalzbauer. Wie kann das gehen? Selbstverständlich werden Häftlinge jetzt nicht massenhaft entlassen. Dafür besteht nach einem Beschluss des bayerischen Justizministeriums die Möglichkeit, Kurzstrafen von bis zu sechs Monaten oder Ersatzhaftstrafen aufzuschieben."Dadurch erhoffen wir uns eine Entspannung der Lage", erklärt Schmalzbauer. Freiheitsstrafen für Jugendliche, den Jugendarrest, verschiebt die Justiz ebenfalls. Wie viele Fälle das in Amberg betrifft, kann Schmalzbauer aber nicht beziffern.

DIe Gefängnisse im Freisaat blieben bislang vom Coronavirus verschont.

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Mehr Telefonate erlaubt

Für diejenigen, die bereits in der JVA einsitzen müssen, bringt die Pandemie ebenfalls eine entscheidende Änderung mit sich. Bis mindestens 19. April gilt ein Besuchsverbot. Zum Ausgleich dürfen die Gefangenen nun häufiger und auch ohne explizite Begründung telefonieren. "Das haben unsere Häftlinge sehr gut aufgenommen", so Schmalzbauer, "die haben ja selbst Interesse, dass derzeit möglichst wenig von außen reinkommt." Ansonsten bleibe der JVA-Betrieb weitestgehend gleich. Die Gefangenen gehen nach wie vor ihrer Werksarbeit nach, etwa als Lackierer oder Schreiner. Die Freizeitmöglichkeiten hingegen nimmt die Anstaltsleitung derzeit genau unter die Lupe. "Da müssen wir schauen, ob wir das aufrechterhalten können."

Erweiterter Pandemieplan

Grundsätzlich seien die Häftlinge aber durch die räumliche Trennung der einzelnen Abteilungen und Wohngänge ohnehin gut geschützt. Tritt doch ein Coronafall unter den Häftlingen auf, dann greift der sogenannte Pandemieplan. Der wurde bereits 2005, als eine gewaltige Influenza-Welle durch Deutschland rollte, erstellt und nun ergänzt. "Sobald sich jemand mit dem Coronavirus infiziert, übernimmt das Gesundheitsamt, der betroffene Häftling kommt in Behandlung. Alle Gefangenen, die mit dem Infizierten in Kontakt standen, werden unter Quarantäne gestellt." Innerhalb der JVA? "Ja, unsere Krankenabteilung wird dann zur Quarantäneabteilung", erklärt Schmalzbauer. Erkrankt ein Bediensteter, darf er die Anstalt nicht mehr betreten.

Das Coronavirus macht zwar vor Gefängnismauern nicht Halt, mit den notwendigen Vorkehrungen sieht sich Schmalzbauer aber gut gerüstet: "Wir hoffen derzeit, dass sich die Situation weiter entspannt und wir von einer Infektion verschont bleiben."

Info:

Vorgaben des Justizministeriums

Die derzeitige Coronakrise bringt für die Justizvollzugsanstalten in Deutschland Herausforderungen mit sich. Mitte März stellte das bayerische Justizministerium Maßnahmen vor, die die Häftlinge vor Infektionen schützen sollen:

Häftlinge dürfen bis zum 19. April keinen Besuch mehr empfangen. In dringenden Fällen kann die Anstaltsleitung eine Ausnahmegenehmigung erteilen. Rechtsanwälte haben weiterhin Zugang. Ersatzfreiheitsstrafen, Jugendarrest und Kurzstrafen (bis zu sechs Monate) werden verschoben. Die betreffenden Täter werden zu einem späteren Zeitpunkt zum Haftantritt geladen. Zudem greift ein Pandemieplan aus dem Jahr 2005. Darin aufgeführt ist die Anschaffung von Infektionsschutzmaterialien, aber auch Umbaumaßnahmen, um eine räumlich getrennte Unterbringung von Erkrankten und Verdachtsfällen zu gewährleisten. Der Plan wurde im Hinblick auf das Coronavirus aktualisiert.

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