06.07.2020 - 10:14 Uhr
AmbergOberpfalz

Wenn der Kare und der Willi in Streit geraten

Ob der Kare den Willi tatsächlich mit seiner Krücke verprügeln wollte, das wird wohl für immer (s)ein Geheimnis bleiben. Fest steht aber, dass jener Kare, ein hochbetagter Rentner aus dem Landkreis, deswegen vor Gericht steht.

Ein ehemals harmonisches Mietverhältnis geriet aus den fugen. Nun trafen sich Mieter und Vermieter vor dem Amberger Amtsgericht.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Fast 90 Jahre alt ist der Rentner Kare (Namen geändert) geworden, ohne dass er mit dem Gesetz in Konflikt geraten wäre. Dass er jetzt erstmals in seinem Leben vor Gericht stand, das "verdankt" er seinem – inzwischen ehemaligen – Mieter, dem Willi. Dabei fing das Mietverhältnis eigentlich recht harmonisch an. Der Willi schaute sich die Wohnung im Untergeschoss von Kares Haus an, der Kare umgekehrt konnte schon mal einen Blick auf seinen künftigen Mieter werfen. Man fand Wohnung und Mieter sympathisch, ein Mietvertrag wurde – zunächst mündlich – geschlossen und der Willi zog ein.

Auch in diesem Fall stand ein Rentner vor Gericht

Amberg

Problematisch wurde es wohl, so erzählte es Michael Schüll, Rentner Kares Verteidiger, als der Willi mit der nachträglich ausgefertigten schriftlichen Version des Mietvertrags nicht einverstanden war. Erst wurde diskutiert, dann übernahmen die jeweiligen Rechtsanwälte die Korrespondenz. "Man schreibt halt hin und her, wie das in Zivilsachen so ist", so schilderte es Michael Schüll mit dem Hinweis, dass das Mietverhältnis tatsächlich inzwischen aufgelöst ist. Schlimmer noch als diese Unstimmigkeiten scheint aber der Warmwasserverbrauch von Willi das Verhältnis getrübt zu haben. Denn das Haus von Rentner Kare besitzt anscheinend nur einen Boiler, den der Willi gerne und oft leergebadet haben soll. Wollte sich der Kare dann waschen, war das Wasser kalt. Nach der Darstellung, die Rechtsanwalt Michael Schüll lieferte.

Ein weiterer Fall für das Amtsgericht

Sulzbach-Rosenberg

Irgendwann im Dezember 2019 soll es dann zu dieser endgültigen Eskalation gekommen sein, wegen der der Kare mit seinen fast 90 Jahren am Donnerstag erstmals vor dem Amtsgericht stand. Allerdings blieb auch vor den Schranken des hohen Gerichts ungeklärt, wie dieser Streit im Hausgang tatsächlich verlief. Denn der Kare räumte ein, er habe seinen Mieter beleidigt. "Du kommst aus der Hölle und schaust aus wie ein Bauer", soll er zu diesem gesagt haben. Offen blieb die Frage, ob er anschließend mit seiner Krücke nach dem Willi geschlagen hat – diesen aber verfehlte. Unklar blieb auch, ob ihn der Willi vorher auch beleidigte. Als "alter Krüppel", soll er den Kare bezeichnet haben. Und er würde ihm in die Fresse hauen, wenn er nicht so alt wäre. Aber wie gesagt, das stand nicht zur Verhandlung und der Kare willigte auf Anraten seines Anwalts auch sehr schnell ein, das Verfahren gegen die Zahlung von 500 Euro an die Amberger Tafel einzustellen. Die Gefahr, dass er das Geld nicht überweist und dann noch einmal vor Gericht erscheinen muss, besteht übrigens nicht: "Ich zahle meine Rechnungen immer sofort", sagte der Kare und war es zufrieden.

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