31.07.2020 - 09:54 Uhr
AmbergOberpfalz

Kinderpornografische Fotos auf dem Handy: Landgericht stellt gegen Auflage ein

Hat ein 42-jähriger Amberger kinderpornografische Fotos unabsichtlich auf dem Handy gespeichert? Sah er die Bilder nur an, die er von einem Unbekannten zugeschickt bekam: Der Beweis war in der Berufung am Landgericht nicht zu klären.

Symbolbild.
von Autor HWOProfil

Zum Schluss wurde die Sache kompliziert. In mehreren Verhandlungen vor dem Amts-und Landgericht drehte es sich darum, ob ein 42-Jähriger eine Vielzahl kinderpornografischer Fotos auf seinem Handy in einem Ordner gespeichert hatte. Nach mehreren Prozesssrunden stellte sich heraus: Der exakte Beweis war nicht zu führen. Der Amberger hatte heuer im Januar von einer Amtsrichterin neun Monate Haft ohne Bewährung erhalten. Dies auch deswegen, weil er Vorstrafen mitbrachte, die vornehmlich im Bereich des Betrugs lagen.

Amtsrichterin muss sich 40 Fotos der üblen Sorte ansehen

Amberg

Schon damals hatte der 42-Jährige sinngemäß wissen lassen, dass er zwar 40 Bilder mit kinderpornografischem Inhalt von einem Unbekannten über den Messengerdienst Whatsapp- erhalten und gesehen habe. Doch dass sie auf dem Handy in einem Ordner gespeichert waren, entzog sich angeblich seiner Kenntnis.

Berufung am Landgericht

Nach dem Urteil ging der Mann zusammen mit seinem Anwalt Mike Thümmler in die Berufung und zog vor das Landgericht. Dort wiederholte er seine Darstellung. Daraufhin wollte es Richter Peter Hollweck, Vorsitzender der 3. Strafkammer, genau wissen. Er brach den Prozess ab und lud speziell geschulte Experten der Polizei.

In einer weiteren Verhandlungsrunde stellte sich nun heraus: Die fachlich versierten Beamten hatten das bei einer Wohnungsdurchsuchung beschlagnahmte Handy untersucht und waren auf die Bilder gestoßen. Komplizierte Verfahren einer Hintergrundauswertung machten das zwar möglich. Doch letztlich konnte nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass der 42-Jährige sie nicht doch von seinem Handy löschte, als er das Mobiltelefon noch in seinem Besitz hatte. Ein schlüssiger Beweis war somit nicht zu führen. Damit war das Ersturteil in Form von neun Monaten Haft ohne Bewährung unhaltbar geworden. In einer zwischen der Strafkammer, dem Verteidiger Mike Thümmler und Staatsanwältin Barbara Tutsch geführten Debatte kam es zu der Lösung, das Verfahren gegen eine Auflage einzustellen. Diese Auflage besteht aus 300 gemeinnützigen Arbeitsstunden, die der Mann nun ableisten muss.

Nicht strafbar

Dabei stand fest: Dass er, wie von ihm auch zugegeben, die kinderpornografischen Aufnahmen von einem angeblich Unbekannten auf sein Handy geschickt bekam und dann betrachtete, lag außerhalb der Strafbarkeit. Das nunmehr nicht schlüssig nachzuweisende Speichern in einem Ordner wäre aber mit Ahndung bedroht gewesen.

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