Amberg
01.03.2019 - 12:49 Uhr

Aus Klärschlamm wird wieder Energie

Fast jede Gemeinde in Bayern produziert Klärschlamm. Fast jede Gemeinde in Bayern hat ähnliche Probleme mit seiner Entsorgung. Höchste Zeit, dass sich die Ostbayerische Technische Hochschule dieses durchaus anrüchigen Themas annimmt.

Energieeffizienz und -speicherung gehören auch dazu. An der Ostbayerischen Technischen Hochschule ging es am Donnerstag um das große Thema Klärschlammverwertung. Interessiert hörten die Gäste zu. Bild: Petra Hartl
Energieeffizienz und -speicherung gehören auch dazu. An der Ostbayerischen Technischen Hochschule ging es am Donnerstag um das große Thema Klärschlammverwertung. Interessiert hörten die Gäste zu.

"Klärschlammverwertung - Anforderungen, Lösungen, Praxis" war das sogenannte Cluster-Forum überschrieben, das zahlreiches Fachpublikum ins Siemens-Innovatorium der OTH lockte. Bezeichnenderweise war der Cluster Energietechnik von "Bayern innovativ" mit der Veranstaltung befasst, was bereits die Ausrichtung dieses Forums zeigte: Aus dem Problemprodukt Klärschlamm soll möglichst Energie werden.

Seit gut zwei Jahren läuft in der chinesischen Millionenstadt Jining eine Anlage zur Umwandlung von Klärschlamm in Klärschlammkohle, die anschließend wieder zur Energieerzeugung verwendet werden kann. Die Technik dazu stammt aus Deutschland und könnte eine Lösung für die Verwertung des Problemstoffs werden. Doch die Ansätze sind ganz unterschiedlich, wie schon das Programm des Cluster-Forums am Donnerstag zeigte. Die Gewinnung von Treibstoff aus Klärschlamm, wie es das Fraunhofer-Umsicht-Institut in Sulzbach-Rosenberg erforscht, oder die Rückgewinnung des wertvollen Rohstoffs Phosphat sind zwei Möglichkeiten, die am Donnerstag zur Debatte standen.

Klar ist, so sagte es Professor Alfred Höß, der Vizepräsident der OTH Amberg-Weiden, in seiner kurzen Einführung, die Klärschlammverordnung von 2017, die künftig das Ausbringen des Stoffs in der Landwirtschaft untersagt, fordert Antworten von den Kommunen und Zweckverbänden. Wichtig sei es aus dieser Sicht auch, die Möglichkeit der interkommunalen Zusammenarbeit in dieser Angelegenheit zu beachten. Die Sichtweise hat sich geändert, so machte Professor Markus Brautsch, der Leiter des Instituts für Energietechnik an der OTH deutlich. Habe sich sein Institut bisher vor allem mit der Steigerung der Energieeffizienz der Anlagen beschäftigt, rücke jetzt immer mehr der Fokus auf die energetische Nutzung des Klärschlamms.

Brautsch selbst verfolgt beispielsweise im Nürnberger Land ein Projekt zur Sammlung, Behandlung, energetischen Verwertung und Entsorgung des Klärschlamms. Wobei energetische Verwertung hier nicht die Verbrennung meint, sondern auch die Gewinnung von Energie aus den menschlichen Hinterlassenschaften. "Das Thema ist auf unser Tableau gekommen", umschrieb er die Aufgabenstellung, die sehr interdisziplinär angelegt ist, da sie nicht nur den Sektor Energie sondern auch die Entwässerung und Entfaulung des Klärschlamms erforderlich macht.

"Wir müssen aus der Not ein bisschen eine Tugend machen", sagt Brautsch. Der selbst als einer der Ersten überhaupt im Landkreis Bamberg ein solches Konzept ausarbeitet. Und erstmalig werde nun eine ganze Tagung rund um den Klärschlamm angeboten. Der in der aktuellen Energiebilanz Bayerns übrigens derzeit eine ganz untergeordnete Rolle spielt, wie der Leitende Ministerialdirektor Robert Götz aus dem Wirtschaftsministerium sagte, der den kurzfristig verhinderten Minister Hubert Aiwanger vertrat.

Ziel sei es, so Götz, der im Wirtschaftsministerium für die Abteilung Energie verantwortlich zeichnet, irgendwann auf eine Quote von 100 Prozent an regenerativen Energien im Freistaat zu kommen. Derzeit bewege man sich beispielsweise beim Strom bei einem Anteil von circa 45 Prozent. "Nach Fukushima hatte das eine enorme Dynamik", so Götz. Inzwischen hätten andere Themen wie die Flüchtlingskrise etwas von diesem Schwung genommen. "Wir werden das wieder stärker vorantreiben", machte Götz deutlich.

Im Jahr 2008 habe der damalige bayerische Umweltminister Otmar Bernhard geweissagt, jede Kommune in Bayern verfüge 2020 über ein dezentrales Klärschlammkraftwerk. "Da ist er vielleicht ein bisschen zu visionär gewesen." Letztendlich deckt die Energiegewinnung aus Klärschlamm im Jahr 2019 laut Götz nur einen Promilleanteil des Bedarfs im Land. Das soll sich aber nun doch ändern.

Deutlich machte der Ministerialrat aber, dass es bei aller Euphorie in Sachen Erneuerbare Energien ohne eine Einsparung auf der einen und eine Steigerung der Effizienz auf der anderen Seite nicht gehen wird. Wie das funktionieren könnte, präsentierten ihm Mitarbeiter des Instituts für Energietechnik am praktischen Beispiel. Unter anderem mit der Umwandlung von nicht gebrauchter Windenergie in Wasserstoff, wie es in Haßfurt praktiziert wird. Für Tirschenreuths Landrat Wolfgang Lippert eine interessante Alternative zum Bau der Stromautobahn durch seinen Landkreis, wie er sagte.

Energieeffizienz und -speicherung gehören auch dazu. An der Ostbayerischen Technischen Hochschule ging es am Donnerstag um das große Thema Klärschlammverwertung. Interessiert hörten die Gäste zu. Bild: Petra Hartl
Energieeffizienz und -speicherung gehören auch dazu. An der Ostbayerischen Technischen Hochschule ging es am Donnerstag um das große Thema Klärschlammverwertung. Interessiert hörten die Gäste zu.
 
Kommentare

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Peter Steinbock

Sehr geehrter Herr Ascherl!
Die Angabe „bei 45%“ des Ministerialen Herrn Götz, verantwortlich m. W. für Grundsatzfragen Erneuerbare Energien, ist für mich als um Seriösität bemühter Leser z. Z. nicht nachvollziehbar, auch im Hinblick auf das klar anvisierte 100%-Ziel. Könnten Sie bitte evtl. rückfragen, wie sich dieser Anteil aufschlüsselt auf Wind, Solar, Biogas, Laufwasser etc. und darüber hinaus insbesondere auf die Anteile für 1. bedarfsgerechte Lieferungen 2. nicht bedarfsgerechte Lieferungen, jedoch mit EEG-Vorrangberechtigung und 3. tatsächlich vergütete, aber unterbliebene Einspeisungen aus übergeordneten bzw. rechtlichen Gründen? Mit derlei schön aussehenden Zahlen wird aus meiner Sicht die berichtende Presse in der kritischen Bevölkerung teilweise mit bekannten Vorhaltungen in Verbindung gebracht. Außer der Energieanalyse auf Basis Wattstunden ist die Leistungsanalyse auf Basis Watt, mindestens jedoch die Erörterung notwendig wegen der physikalischen Bedingung Gleichzeitigkeit von Einspeisung und Verbrauch. Gerne Rückfragen. Mit freundlichen Grüßen

07.03.2019
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