01.10.2021 - 11:45 Uhr
AmbergOberpfalz

Kleinster Schrittmacher der Welt: St. Marien implantiert Kardiokapsel

Von Form und Größe ähnelt er einer Vitaminkapsel. Er wiegt 1,75 Gramm und kostet 10.000 Euro. Einen Micra-Schrittmacher, der heuer erstmals in St. Marien einem Patienten implantiert wurde, präsentierte die Kardiologie dem Verwaltungsrat.

Ein konventioneller Herzschrittmacher mit Kabeln, ein Micra-Schrittmacher, der ungefähr die Größe einer Vitaminkapsel hat, und ein Ein-Euro-Stück zum Größenvergleich. In der Kardiologie am Klinikum St. Marien wurde heuer erstmals einem Patienten ein Exemplar des "kleinsten Schrittmachers der Welt" implantiert.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Über die Entwicklung in der Kardiologie am Amberger Klinikum informierte deren Chefarzt, Professor Dr. Christoph M. Birner, den Verwaltungsrat von St. Marien bei dessen Sitzung am Mittwochnachmittag. Zunächst ging er auf das Altersspektrum der Patienten in der Kardiologie ein. Dies seien sowohl Jüngere als auch Ältere, wenngleich die Älteren in der Mehrzahl seien. So träten Herzerkrankungen mit zunehmenden Alter häufiger auf. Viele der Patienten aus Amberg und der Region seien dankbar für "eine hochwertige Versorgung vor der Haustür", sprich in Amberg. Birner listete die Fortschritte und den Ausbau des Leistungsspektrums der vergangenen drei Jahre auf. So sei 2019 am Klinikum mit dem Mitra-Clip eine komplexe Therapieform etabliert worden. Das Einsetzen dieser Herzklappe per Katheter habe sich sehr gut entwickelt, "wir haben deutlich ansteigende Zahlen".

Birner zeigte sich in seinem Rückblick auf die drei Jahre zudem erfreut über zwei Zertifizierungen durch die Deutsche Krankenhausgesellschaft (Chest Pain Unit/Herzinfarkt-Spezialstation und HFU-Schwerpunktklinik) und über die sehr gute Resonanz auf den 2019 angebotenen Amberger Herztag als "hochwertige Fortbildungsveranstaltung". St. Marien ist zudem akkreditiertes Zentrum im Herzinfarktnetzwerk Oberpfalz-Mitte.

Sehr stolz zeigte sich Professor Dr. Christoph Birner, dass heuer am Klinikum erstmals eine Cardio-Kapsel implantiert wurde. Die sei der "kleinste Schrittmacher der Welt" und werde direkt ins Herz implantiert. Oberarzt Dr. Steffen Christow erläuterte dem Verwaltungsrat die Unterschiede zum herkömmlichen Schrittmacher. Christow sprach von einer "sehr großen Innovation". Auf dem Markt ist dieser Schrittmacher, der ohne Kabel auskommt, seit 2015. Implantiert wird er Katheter-gestürzt über die Leiste – und damit direkt in die rechte Herzkammer. Seine Batterie halte genauso lang wie ein konventioneller Herzschrittmacher: circa zehn Jahre.

Christow zählte die Vorteile der Kardiokapsel auf: keine Narbe auf der Brust, viel besserer Tragekomfort, vielfach geringeres Infektionsrisiko wegen fehlender Kabel. Auf Nachfrage von Verwaltungsrat Stefan Ott (CSU) nannte Christow auch die Kosten: 10.000 Euro. Im Vergleich dazu: ein herkömmlicher Schrittmacher kostet 150 Euro. Der Oberarzt der Kardiologie erwähnte noch, dass für das Einsetzen keine Allgemeinanästhesie, also Vollnarkose, erforderlich sei. Der Eingriff selbst dauert 30 bis 45 Minuten. Die Cardio-Kapsel ist außerdem ein veritables Leichtgewicht, wiegt nur 1,75 Gramm – "und da ist die Elektronik und die Batterie schon mit drin". "Irre", entfuhr es dem Verwaltungsratsvorsitzenden, Oberbürgermeister Michael Cerny.

Für heuer kündigte Chefarzt Birner zudem wieder eine Neuauflage des Amberger Herztags an. Das ACC sei dafür bereits gebucht, Referenten seien dafür schon eingeladen. 2020 sei die Veranstaltung wegen Corona abgesagt worden "Wir sind auf einem guten Weg", bilanzierte Professor Dr. Christoph Birner und erwähnte, dass die Patienten für die Leistungen seiner Abteilung sehr dankbar seien. "Wir haben ein hervorragendes Team mit hochmotivierten Mitarbeitern." Verwaltungsratsvorsitzender Michael Cerny betonte, wie wichtig für die Menschen eine hochprofessionelle Behandlung vor Ort sei. "Die Gesundheit ist ein wichtiges Thema."

Amberger Kardiologie behandelt auch komplexe Herzrhythmusstörungen

Amberg

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.