18.04.2019 - 09:11 Uhr
AmbergOberpfalz

Kommunalwahl 2020: Rennen um 25 Bürgermeistersessel

In weniger als elf Monaten ist in Bayern Kommunalwahl. In Amberg-Sulzbach stehen am Sonntag, 15. März 2020, in 25 der 27 Kreiskommunen die Bürgermeister zur Wahl. Zwei bleiben außen vor.

So sieht die Bürgermeister-Karte des Landkreises Amberg-Sulzbach derzeit aus. Grün sind die Kommunen markiert, in denen die Amtsinhaber 2020 wieder antreten.
von Erich Lobenhofer Kontakt Profil

Einer davon ist Roger Hoffmann, frischgebackener Chef im Poppenrichter Rathaus. Elf Stimmen Mehrheit genügten dem dortigen SPD-Vorsitzenden in der Stichwahl am Sonntag, 7. April, um die Nachfolge des aus gesundheitlichen Gründen mit Wirkung vom 31. März ausgeschiedenen Vorgänger Franz Birkl(CSU). Wie berichtet, musste der langjährige zweite Mann in der Gemeinde, Hermann Böhm(CSU), in Runde zwei die Segel streichen. Die Besonderheit bei Hoffmann besteht darin, dass er am Wahltag bereits wusste, dass das Mandat nach einer Gesetzesänderung nicht für die üblichen sechs, sondern für sieben Jahre ausgeschrieben war. Anders als in Sulzbach-Rosenberg: Hier regiert Michael Göth(SPD) fast schon aus Tradition "außer der Reihe", wie es zuvor Gerd Geismann(SPD) getan hatte. Der SPD-Politiker übernahm diesen Rhythmus bei seit seiner ersten Wahl 2012 und behielt diesen bei seiner Bestätigung 2018 gegen Herausforderer Günter Koller(CSU) bei. Dieser war auch in seinem dritten Anlauf aufs Rathaus gescheitert.

Zu alt, um noch einmal zu kandidieren

Hoffmann und Göth dürfen sich ergo am 15. März 2020 auf die Rolle des jeweiligen Polit-Beobachters zurückziehen. Diesen Status können an jenem Tag auch Franz Mädler(FW) und Hans Koch(CSU) einnehmen - wenn auch aus anderen Gründen. Beiden ist gemeinsam, dass sie sich aus Altersgründen nicht mehr um den Bürgermeistersessel bewerben. Der hauptamtlich tätige Mädler ist derzeit in seiner dritten Periode in Ursensollen am Werk. Unter der Regie des einstigen Telekom-Mannes hat er mit seinem Gemeinderat der Kommune an der Schnittstelle von A 6 und B 299 einen unübersehbaren wirtschaftlichen Aufschwung-Stempel verpasst.

Noch immer im Ehrenamt leitet Hans Koch die Geschicke der Marktgemeinde Königstein - seit 23 Jahren. Um der sich abzeichnenden Laufbahnende ein sichtbares Zeichen zu setzen, schmunzelte Koch: "Ich werde mir noch ein Maßband zum Abschnippeln zulegen." Auch wenn im Ortsverband Königstein die Nominierungsversammlung noch aussteht: Mit Kochs derzeitigem Stellvertreter Klaus Hafnerhat bereits ein CSU-Kandidat seinen Hut für 2020 in den Ring geworfen.

Fünf Bürgermeister geben sich bedeckt

In ihrer Entscheidung, wie sie es 2015 halten wollen, geben sich fünf Bürgermeister bis dato bedeckt. "Ich bin in der Entscheidungsphase", sagte der nach eigenen Worten einzige parteilose Amtsinhaber Hans-Jürgen Strehlaus Edelsfeld. Der 52-Jährige ist hauptberuflich bei der Stadt Sulzbach-Rosenberg tätig und wird daheim von der Freien Wählergemeinschaft Edelsfeld und Umgebung getragen. Der Neben-Amts-Job mache ihm zwar seit 2008 noch immer Spaß, aber angesichts stetig gestiegener Anforderungen müsse man sich schon top-fit fühlen, um noch einmal sechs Jahre draufzulegen.

Gesundheitliche Überlegungen indes sind es, die für Norbert Bücherlin Freihung die weitere Weichenstellung beeinflussen: "Ob ich erneut kandidiere, muss ich vor allen Dingen von meinem Wohlergehen abhängig machen. Ich werde diese schwierige Abwägung in enger Abstimmung mit meinen behandelnden Ärzten, vor allem mit denen am Universitätsklinikum Erlangen, tätigen." Eine wichtige Untersuchung soll es in diesen Tagen dazu geben. Noch nicht endgültig auf eine neuerliche Kandidatur festlegen wollte sich Winfried Franz(SPD) aus Neukirchen, wenngleich er einräumte: "Ich bleibe auf jeden Fall kommunalpolitisch tätig." Bürgermeister ist der gebürtige Saarländer seit 2002. Sein endgültiges "Ja", so ist zu erahnen, will er sich wohl mit dem Auftrag des SPD-Ortsvereins selbst abholen.

Sie legen sich noch nicht fest

Nicht minder verklausuliert gab sich Josef Reindl(CSU) zum Zeitpunkt der Anfrage: Der 2002 aus der Bankenbranche ins Bürgermeisterfach gewechselte Schnaittenbacher: "Bei mir ist der Prozess noch nicht abgeschlossen", verdeutlichte er bald nach seinem 60. Geburtstag vor einigen Tagen. Spätestens im Juni/Juli werde in der Kaolinstadt Klarheit herrschen. Ebenfalls noch nicht festlegen wollte sich zum Zeitpunkt der Befragung der Hohenburger Bürgermeister Florian Junkes(CSU/FW). Der hauptamtlich tätige Rathauschef verwies auf eine Mitgliederversammlung im Juni, der er nicht vorgreifen wollte. Bei dieser Zusammenkunft werde unter anderem über seine mögliche Kandidatur gesprochen.

Info:

Zwei Drittel treten wieder an

Um es vorwegzunehmen: Nahezu jeder der von Oberpfalz-Medien Befragten hinsichtlich ihrer erneuten Kandidatur 2020, schickte der Antwort sinngemäß voraus: „Wenn mich meine Partei oder Gruppierung wieder aufstellt, dann ja.“

Auch die Ammerthaler Vertreterin Alexandra Sitter (UWG) verfuhr so: „Ja, ich trete wieder an“, versicherte sie. Obwohl der 48-Jährigen seit Jahren seitens der politischen Konkurrenz – „in Ammerthal ist immer Wahlkampf“, so Sitter – versucht wird, ihre im Ehrenamt geleistete Arbeit zu vermiesen, bleibt sie eisern. Nicht zuletzt stützt sie sich augenzwinkernd auf ein Zitat von Ammerthals Bürgermeister-Legende Alois Simon (CSU), der anlässlich seines 80. Geburtstag zu Gratulantin Sitter sagte: „Wenn Du keine silbernen Löffel klaust, bleibst du 24 Jahre Bürgermeisterin von Ammerthal.“ Simon beim Wort genommen hieße das, für Alexandra Sitter wäre im März 2020 Halbzeit. Wie die Ammerthalerin ist auch der Auerbacher Bürgermeister Joachim Neuß 2008 ins Amt gekommen. Der 56-Jährige – einst Nachfolger für Helmut Ott – bewirbt sich erneut unter der Flagge Freie Wähler/Aufschwung Auerbach. Er geht von der Nominierung spätestens im dritten Quartal aus.

„Ich habe seit meinem Amtsantritt 2014 einige Projekte auf den Weg gebracht, die möchte ich gerne zu Ende bringen. Deshalb kandidiere ich erneut“, kündigte Birgland-Bürgermeisterin Brigitte Bachmann (61, SPD) an. Dies versicherte auch Josef Gilch (60, CSU). Er ist in der zweiten Periode in der prosperierenden Gemeinde Ebermannsdorf als Steuermann an Bord. Ebenso in seiner zweiten Amtszeit befindet sich dessen Kollege Markus Dollacker (50, CSU) aus Ensdorf. Für die Aufstellungsversammlung sehe er zwar noch keinen Zeitplan, aber: „Ich habe schon vor zu kandidieren.“ Ähnlich der Wortlaut von Roman Berr (50, CSU) vom anderen Ende des Landkreises. Bürgermeister von Etzelwang ist er seit 2008.

Seit 2014 amtiert Alwin Märkl (55, CSU) in Freudenberg, der großflächigsten Gemeinde im Landkreis. Er werde sich erneut der Nominierung stellen, erklärte er. Zugleich machte er deutlich, wie schwierig es sich angesichts der Struktur in der Kommune für seine Partei gestalte, bei der Kandidatensuche allen fünf CSU-Ortsverbänden gerecht zu werden. Probleme dieser Art kennt der ehrenamtliche Bürgermeister von Gebenbach nicht: Peter Dotzler (55, FW). Seit 1996 steht er an der Spitze der bevölkerungsschwächsten Gemeinde im Landkreis. Er steuert auf die fünfte Periode zu: „Ich trete wieder an, wenn ich aufgestellt werde.“

Von Bernhard Lindner (56, CSU) kam trotz seines Parteibuchs der O-Ton: „Bei mir steht die „Bürgermeister-Ampel auf Grün.“ Der Hahnbacher hat 2014 das Mandat des jetzigen Landrats-Stellvertreters Hans Kummert übernommen. „Ich werde wieder kandidieren“, ließ sich auch Hermann Falk (CSU) kurz vor Vollendung seines 56. Geburtstags am 24. April in die Karten sehen. Hirschaus Bürgermeister ist er seit 2014, als er in die Fußstapfen von Hans Drexler (CSU) trat, der am 17. April 70. Geburtstag gefeiert hat.

Beruflich schon im Ruhestand will Hirschbachs Bürgermeister Hans Durst (SPD) seine nebenamtlich ausgeübten kommunalen Aufgaben weiterhin lösen. Außer: „Wenn sich jemand aus den eigenen Reihen bewerben möchte, würde ich zurückstehen.“ Wird er indes am 15. März 2020 bestätigt, ginge es für ihn in die vierte Periode. Davon noch weit entfernt ist Dieter Dehling (CSU/Bürgervereinigung) aus Illschwang. Der Jüngste unter den 27 Landkreisbürgermeistern ist seit 2014 im Amt. Er wird am 8. Januar 2020 40 Jahre alt und versicherte: „Ich trete wieder an.“Ebenso positiv orientiert zeigte sich Stefan Braun (CSU) aus Kastl: „Ich habe schon geplant weiterzumachen.“ Auch er trug einst das Prädikat jüngster Bürgermeister in Amberg-Sulzbach. Inzwischen steuert der 47-Jährige 2020 auf seine vierte Periode zu. Er hatte Hans Raab (CSU) beerbt. Für einen Farbwechsel im einst „roten“ Kümmersbruck hat 2014 Roland Strehl (CSU) gesorgt. Er übernahm das Ruder vom nicht mehr kandidierenden Richard Gaßner (SPD) mit seinem Wahlsieg gegen Josef Flierl (SPD). Für Strehl steht ebenso fest weitermachen zu wollen, wie für Erwin Geitner (CSU) aus Rieden, denn – seit 2014 an der Spitze – sagte er: Mir macht es nach wie vor Spaß.“

Bereits zum fünften Mal will Peter Braun (CSU) 2020 an den Start gehen. „Bei meinem ersten Versuch 1990 kam ich auf circa 30 Prozent.“ Damals hatte Amtsinhaber Manfred Puchta (SPD) seine Position verteidigt. „Ich bin wieder dabei“, kündigte Hans-Martin Schertl (Freie Wähler/Arbeitnehmer-Eigenheimer) aus Vilseck an. Nominierung sei voraussichtlich im Herbst. Ein „eindeutiges Ja“ verlautete schließlich aus der Gemeinde Weigendorf. Dort hat seit 2014 Rainer Pickel (CSU) das Sagen und möchte dies auch ab 2020 weiterhin haben.

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