15.11.2019 - 16:53 Uhr
AmbergOberpfalz

Konflikt zwischen Radlern und Autofahrern scheint vorprogrammiert

Die gute Nachricht: Zum 1. Dezember bekommt die Stadt Amberg einen neuen Verkehrsplaner mit dem Schwerpunkt Fahrrad. Die schlechte: Auch er wird den Königsweg zwischen den Ansprüchen der Radfahrer und der Automobilisten wohl nicht finden.

Radeln auf der neuen Spur in der Franziskanergasse. In einem Modellversuch wurden hier die Fugen mit Spezialmörtel verfüllt und das Pflaster anschließend noch abgeschliffen.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

(ass) Die Schwerpunkte im Verkehrsausschuss haben sich stark verschoben. Gab es früher fast ausschließlich das Auto, reden die Stadträte und externen Experten jetzt viel über das Fahrrad. Ein bisschen Zeitgeist und Wahlkampf im Angesicht von Critical Mass und Fridays for Future dürfte zwar dabei sein, doch hat in weiten Teilen der Bevölkerung - und damit auch im Stadtrat bis hinauf zum Oberbürgermeister - ein Umdenken stattgefunden: Man kann in einer Stadt wie Amberg die meisten Dinge auch mit dem Rad erledigen.

Kompliziert und gefährlich

Aber Radeln in Amberg ist kompliziert und teilweise sehr gefährlich. Das Radverkehrskonzept aus dem Jahr 2017 versucht hier anzusetzen, ab 2020 sollen für die Umsetzung jährlich bis zu 500 000 Euro ausgegeben werden. Einige wenige Dinge sind schon passiert, Verkehrsplaner Wolfgang Babl zählte im letzten Ausschuss auf, was in Sachen Radverkehr war und sein wird. Beispielsweise das Befahren von Straßen entgegen der Einbahnstraße, neue Abstellmöglichkeiten oder der große Feldversuch in der Franziskanergasse, in der das alte Pflaster mit Spezialmörtel verfugt und abgeschliffen worden ist (www.onetz.de/2892298).

Weg vom Auto

An sich Marginalien in einem Konzept, das nicht weniger fordert, als die komplette Umkehrung der verkehrstechnischen Schwerpunkte weg vom Auto hin zum Fahrrad. Wolfgang Babl hatte zwei Beispiele mitgebracht, wo es in den künftigen Planungen haken, wo es konkret zum Konflikt zwischen den beiden Fortbewegungsmitteln kommen wird.

Parkplätze müssen weg

Beispiel Eins: der Bereich vor dem Josefshaus. Das befindet sich in den kommenden Monaten zwar im Umbau, doch danach soll die jetzige Engstelle für Radler und Fußgänger genutzt werden. Was umgekehrt heißt, dass die jetzigen Parkplätze vor dem Josefshaus nach dessen Umbau verschwunden sein werden. "Viele Vorteile bei den Radfahrern lassen sich nur auf Kosten der Autofahrer machen", sprach Wolfgang Babl Klartext.

Gleiches wie beim Josefshaus dürfte daher beispielsweise auch bei der Dr.-Filchner-Straße anstehen, wie Babl sagte. Hier könne der Schutzstreifen für Radfahrer nur geschaffen werden, wenn dafür Parkplätze aufgegeben werden. "Möglicherweise werden wir das daher nicht durchgehend machen können", nannte der Verkehrsplaner die zu erwartenden Probleme. Anschaulich waren die im Ausschuss selbst zu beobachten. So forderte Franz Gerl vom ADFC, dem Radfahrerclub, auch die Ziegelgasse entgegen der Einbahnstraße befahrbar zu machen. "Da leben aber auch Leute, die dort parken wollen", zeigte Dieter Amann (SPD) den Konflikt auf.

Froh ist aber nicht nur Babl darüber, dass ihm schon zum 1. Dezember ein neuer Kollege zur Seite gestellt wird, der sich dann hauptsächlich um die Planung des Radverkehrs kümmern soll. Dessen Vorgänger, Sven Daleiden-Lorper, hat ja bekanntlich das Baureferat aus ganz persönlichen Gründen schon nach relativ kurzer Zeit wieder in Richtung Erlangen verlassen. Der Neue, das wusste Babl, ist ein ganz Neuer - er kommt ganz frisch von der Ausbildung.

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