31.08.2020 - 11:39 Uhr
AmbergOberpfalz

Künstler Egbert Moehsnang: Ambergs vergessener Sohn

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Der Eigentümer des Hauses in der Unteren Nabburger Straße darf schon mal eine Gedenktafel in Auftrag geben: Amberg hat einen neuen, berühmten Sohn. Bisher kennt man ihn eigentlich nur in der Schweiz.

Ambergs vergessener Maler und Kupferstecher: Egbert Moehsnang. Im November 2017 ist er in Schlüpfen im schweizerischen Kanton Bern gestorben.
von Uli Piehler Kontakt Profil

"Er lebt in diesem alten Hof und gibt sich das Ansehen eines Krautjunkers und Strauchritters", das schreibt Biograf Paul Nizon über Egbert Moehsnang und sein Anwesen, einen fast 300 Jahre alten Bauernhof. Der neue, berühmte Sohn Ambergs lebte bis zu seinem Tod zurückgezogen in der 3700-Einwohner-Gemeinde Schüpfen in der Schweiz. Dort wohnte er nicht nur, sondern arbeitete bis ins hohe Alter auch - vor allem an Gemälden, aber auch an Druckgrafiken, Zeichnungen und Skulpturen. Am 26. November 2017 ist der Künstler, der in weiten Teilen der Schweiz wohlbekannt ist, im Alter von fast 90 Jahren gestorben.

Geboren ist Moehsnang allerdings in Amberg. Das wusste hier nur niemand - aus nachvollziehbaren Gründen. Denn der Künstler erzählte nicht viel über seine Kindheit und Jugend. Dabei hatte er sein Amberg fest ins Herz geschlossen, wie Leute aus der Schweiz erzählen, die ihn kannten, und wie er selbst auch einmal in einer Autobiografie ausgeführt hat. In blumigen Worten schreibt er darin, wie er die ersten vier Jahre seines Lebens in der Unteren Nabburger Straße als Sohn eines Lohnkutschereibesitzers aufwuchs. Die Familie bewohnte ein herrschaftliches Haus mit hohen Räumen, großen Eichentüren zwischen den Zimmern und Stuck an den Decken. "Die Treppe hinauf, das bedeutete unbeschreibliche Glückseligkeit, Ankunft am Ort aller nur vorstellbaren Wünsche. Der Abstieg aber Traurigkeit, Abschied, schon beginnendes Heimweh."

Der Abschied von Amberg muss den vierjährigen Egbert Anfang der 1930er Jahre geradezu traumatisiert haben. Die Familie zog nach Straubing in eine Drei-Zimmer-Wohnung. Das Paradies in Amberg war verloren und die Folgezeit hielt kein neues für ihn bereit. "Der Auszug aus dem Haus wurde erlitten, die Schulen auch. Der Krieg und die zeit danach: viel Hunger, viel Leid, viel Tod", schreibt er weiter über sich und das war es auch schon fast, was über seine Jugend bekannt ist. Die Nazis übernahmen die Macht und als 15-Jähriger musste Moehsnang paramilitärische Sanitätskurse absolvieren und dann in Lazaretten Verwundete betreuen. Er half den Verletzten und verletzte sich dabei selbst an der Seele.

Nach dem Krieg lebte er noch einige Zeit in Straubing und München, 1950 ließ er sich in Bern nieder. Plötzlich musste er mit Menschen zurechtkommen, die keinerlei Kriegsgräuel erlebt hatten. Daran - so vermuten Kenner seines Werks - habe es gelegen, dass er in der Schweizer Kunstszene stets ein Außenseiter geblieben sei, was seinem Schaffen alles aber andere als abträglich war. "Moehsnangs künstlerisches Werk spannt sich über fast sieben Jahrzehnte. Es gründet in autodidaktischen Studien, etwa der Meister der Frührenaissance, deren Bildstrukturen und Techniken der Ölmalerei sowie des Kupferstichs, aber auch in einer intensiven Auseinandersetzung mit Paul Klees bildnerischem Denken", heißt es in Sikart, dem Lexikon zur Kunst in der Schweiz, über ihn. Und weiter steht dort: "Der Mensch Moehsnang mag als ein Einzelgänger in Erinnerung bleiben – auch der Künstler Moehsnang ist ein Sonderfall: Sein Werk zeugt von Konsequenz und einer künstlerischen Haltung, die zu seiner Zeit in der Schweiz nur wenige Parallelen kennt."

Moehsnangs Werke wurden in bedeutenden Ausstellungen gezeigt, etwa im Kunstmuseum Bern, in der Galerie Schindler in Bern oder im Musée Français de la Carte à Jouer (Museum der Spielkarten) in Paris. Unter anderem hat Moehsnang Spielkarten in aufwendiger Kupferstichtechnik geschaffen. Seine Kunstwerke sind aber auch im öffentlichen Raum zu sehen. Zum Beispiel in der Stadtpfarrkirche von Biel im Kanton Bern. Dort hat er die Flügeltüren der Orgel gestaltet. Bald könnte auch in Amberg ein Werk seines berühmten Sohnes zu sehen sein.

Denn Moehsnang hat seinen Erben aufgetragen, Teile seines Nachlasses an seine Geburtsstadt zu geben. Schon im vergangenen Jahr hat die Erbengemeinschaft mit der Stadt Kontakt aufgenommen. Auch zu einem Treffen mit Oberbürgermeister Michael Cerny und Stadtarchivar Dr. Johannes Laschinger ist es bereits gekommen. "Es ging um den schriftlichen Nachlass", erklärt Laschinger. "Und es war Moehsnangs Wunsch, dass die Stadt Amberg eines seiner Bilder bekommen soll." Beim Bild werde die Stadt nicht Nein sagen, bei den Schriftstücken aber schon. "Ich bin der selben Meinung wie meine Kollegen in der Schweiz, dass alles an einem Ort bleiben soll", erklärt Laschinger. Das sei für alle Beteiligten und vor allem die am Lebenswerk Interessierten besser. Der Oberbürgermeister habe angeregt, die Dokumente zu digitalisieren, dann könnten sie auch von Amberg aus eingesehen werden.

Welches Bild nach Amberg gehen soll, muss erst noch entschieden werden. Vertreter der Stadt wollen dazu in die Schweiz reisen, um mit der Erbengemeinschaft zu sprechen.

Website über Leben und Werk Egbert Moehsnangs

Ein weiterer großer Künstler aus Amberg: Michael Mathias Prechtl

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