14.02.2020 - 10:06 Uhr
AmbergOberpfalz

"Die Liste": Ganzes Amberger Ei soll verkehrsberuhigte Zone werden

58 Zentimeter. Breiter ist er nicht, der Bürgersteig an der Engstelle der Unteren Nabburger Straße. Ein Rollator kommt hier nicht durch. "Die Liste Amberg" bietet für dieses Problem eine radikale Lösung: auf den Bürgersteig ganz verzichten.

Wo der Rollator an seine Grenzen stoßen würde: Wenn der Bürgersteig für die Fußgänger nur 58 Zentimeter misst, während daneben die Straße für die Autos 5,40 Meter breit ist. Hans Graf, Wolfgang Schimmel, Martin Frey und Albert Schindlbeck (von links) von der "Liste Amberg" plädieren aufgrund solcher Verhältnisse für eine Altstadt, die durchgehend verkehrsberuhigte Zone ist und gar keine Bürgersteige mehr braucht.
von Markus Müller Kontakt Profil

"Shared Space" heißt das Zauberwort, das vor allem für Fußgänger und Radfahrer Abhilfe schaffen soll. Der (gleichberechtigt) "geteilte Raum" meint im Konzept der Liste Amberg eine nicht unterteilte, gemeinsam genutzte Verkehrsfläche in der Innenstadt, auf der Autos keinen Vorrang mehr haben. Sie müssten sich dann, ebenso wie die Radfahrer, im Schritttempo bewegen, was wiederum die Unfallquote gegen Null tendieren lasse.

Rund um den Schrannenplatz sind vielleicht 1000 Autos am Tag unterwegs und suchen einen Parkplatz, aber nur etwa 20 Prozent sind erfolgreich.

Hans Graf

"In Regensburg funktioniert das perfekt", sagt Wolfgang Schimmel beim AZ-Pressegespräch dazu. Der gebürtige Regensburger ist bei der "Liste Amberg", die erstmals zur Kommunalwahl antritt, der Verantwortliche für das Themengebiet Stadtentwicklung. Hier stellt er sich die Umsetzung so vor, dass praktisch die gesamte Altstadt innerhalb des Amberger Eis verkehrsberuhigte Zone wird. Wobei die eigentliche Fußgängerzone so bleibt, eventuell noch um den Salzstadelplatz erweitert wird. Auf den restlichen Straßen begegnen sich alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt. Das wäre auch gut für die Geschäfte, meint Schimmel. Die Läden liefen direkt in der Fußgängerzone ja gut, "aber in den Nebenstraßen sterben sie ab, weil Autofahrer im Gegensatz zu Fußgängern nichts kaufen". Also müsse man mehr Flächen für Fußgänger attraktiv machen, wobei die Schiffgasse als positives Beispiel dienen könne.

640 Parkplätze in Altstadt

Ein weiterer Ansatz in diesem Konzept: die Anzahl der Parkplätze in der Altstadt (640) reduzieren, um damit die Auslastung der Parkhäuser zu erhöhen und den Parkplatzsuchverkehr im Ei zu minimieren. "Rund ums Casino sind vielleicht 1000 Autos am Tag unterwegs und suchen einen Parkplatz, aber nur etwa 20 Prozent sind erfolgreich", schildert Casino-Wirt Hans Graf seine einschlägigen Erfahrungen.

Mit weniger Autos wäre die Altstadt auch wieder eine attraktivere Wohngegend, meint Martin Frey, der Spitzenkandidat der "Liste". Derzeit wohne man eher nicht gerne an einer so stark frequentierten Straße wie der Ziegelgasse. Wichtig ist Frey, dass die heute beschlossenen Verkehrswege dem Verkehr gerecht werden müssten, der in 20 oder 30 Jahren herrsche. Also einer Situation mit deutlich reduziertem Personenindividualverkehr, wenn man die Forderung nach deutlich weniger CO2-Emission ernst nehme.

Nicht nach Schema F

Dann benötige man auch mehr Radwege, um Alternativen zum Auto zu bieten, ergänzt Hans Graf. "Man braucht einfach ein gemeinsam getragenes Konzept, nicht punktuelle Baumaßnahmen nach dem alten Schema F", fasst Hans Graf zusammen. Das Credo von Albert Schindlbeck, dem Vorsitzenden des Vereins "Die Liste Amberg", lautet in dieser Hinsicht: langfristig denken, die Bürger mitnehmen und einfach mal mutig was ausprobieren.

Das Programm der "Liste Amberg" für die Kommunalwahl

Amberg

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