10.12.2019 - 09:00 Uhr
AmbergOberpfalz

Die Liste der maroden Kreisstraßen

Es war zuletzt eines der am besten gehüteten Geheimnisse des Landkreises Amberg-Sulzbach: Die Liste der sanierungsbedürftigsten Kreisstraßen. Jetzt ist das Ranking öffentlich.

Die Kreisstraße AS 30 zwischen Greßmühle und Immenstetten. An der Abzweigung nach Aschach kam es in der Vergangenheit immer wieder zu schweren Unfällen.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Die Strecke, die ganz oben steht, hat nach objektiven Kriterien den höchsten Sanierungsbedarf. Das heißt, sie wird am schnellsten ausgebaut. Platz eins belegt ein 860 Meter langes Teilstück der AS 30 zwischen Greßmühle und Immenstetten. Es ist die unfallträchtige Straße, die Raigering mit dem Amberger Industriegebiet Nord verbindet. 39 Punkte erhielt dieser Straßenabschnitt bei der Priorisierung. So dringend haben die Experten den Sanierungsbedarf bei keiner anderen Kreisstraße gesehen.

Die Kreisstraße AS 30 gilt als Unfallschwerpunkt

Immenstetten bei Freudenberg

Fachleute des Erfurter Ingenieurbüros Lehmann und Partner haben in den vergangenen Wochen und Monaten im Auftrag des Landratsamtes den Zustand der Kreisstraßen systematisch erfasst. Landrat Richard Reisinger machte keinen Hehl daraus, dass er froh ist, sich nun auf eine Expertise stützen zu können, die Lokalproporz außen vor lässt. "Ich habe die Firma begrüßt und mich dann nicht mehr eingemischt", sagte er bei der Vorstellung der Ergebnisse bei der Kreistagssitzung am Montag im Gasthaus Kopf in Altmannshof. Er habe dem Verdacht der politischen Einflussnahme vorbeugen wollen.

Jeder hat so seine eigene Sicht auf den Straßenzustand

Poppenricht

Nun gibt es eine Liste mit 54 Straßenbauprojekten mit einem Kostenvolumen zwischen 6,5 Millionen Euro (AS 3 zwischen Schwenderöd und Bundesstraße 299) und 45.900 Euro (AS38, Ortsdurchfahrt Weigendorf). Sie sollen mittels eines "kurzfristigen Bauprogramms in den nächsten Jahren" angepackt werden. Die Investitionen dafür beziffert die Studie auf rund 29 Millionen Euro.

Wie das Ingenieurbüro herausgefunden hat, befinden sich nur acht Prozent der Kreisstraßen in einem sehr guten Zustand. 28 Prozent gelten immerhin noch als gut und 17 Prozent als befriedigend. Allerdings wurde für knapp die Hälfte des Straßennetzes (47 Prozent) die Kategorie "kritisch bzw. sehr schlecht" vergeben. Zusätzlich zu den 54 ganz oben priorisierten Baustellen gehen die Gutachter von 161 weiteren Streckenabschnitten aus, die der Landkreis erneuern muss. Weitere Kosten: 72 Millionen Euro, also insgesamt 101 Millionen Euro.

Zur vollständigen Liste der dringlichsten Bauprojekte

"Da ist klar: Uns wird nie die Arbeit ausgehen", stellte der Landrat fest. Es gehe jetzt darum, die wichtigsten Sanierungsfälle zuerst in Angriff zu nehmen. Das Einholen externen Rates scheint sich - zumindest hinsichtlich der politischen Diskussion im Kreistag - gelohnt zu haben. Denn aus allen Fraktionen signalisierten Kreisräte Zustimmung zu dem Katalog. "Wir müssen das jetzt angehen", unterstrich CSU-Fraktionschef Stefan Braun aus Kastl. "Der nächste Schritt muss sein, ein Finanzierungsmodell zu erarbeiten." Dem pflichtete der Vorsitzende der SPD-Fraktion, Winfried Franz (Neukirchen) bei. "Dieses Werk ist gut angelegtes Geld", lobte er die Expertise. "Wir haben jetzt verlässliche Größen." Ähnlich äußerten sich Peter Dotzler (Freie Wähler, Gebenbach), Hans-Jürgen Reitzenstein (FDP/FWS, Sulzbach-Rosenberg), Alfons Lobinger (ÖDP, Edelsfeld) und Marianne Mimler-Hofmann (Grüne, Auerbach). Der Kreistag stimmte der Priorisierung im Straßenzustandsbericht einstimmig zu.

Die Kreistagssitzung fand im Gasthof Kopf in Altmannshof statt.
Info:

Die Top-Ten der Straßenbauprojekte

Nicht automatisch steht die augenscheinlich kaputteste Fahrbahn in der Prioritätenliste oben. Der Ausbaubedarf kann sich auch aus anderen Gründen, zum Beispiel Unfallträchtigkeit oder Auslastung, ergeben. In der Liste finden sich auch Projekte, die bereits so gut wie abgeschlossen sind. Das kommt daher, dass sich Zustandserfassung und Bauarbeiten mitunter überschnitten haben. Die Liste richtet sich nach den Projekten mit den höchsten Priorisierungspunkten (39 bis 35 Punkte).

AS 30 zwischen Greßmühle und Immenstetten (860 Meter, 561.000 Euro, bereits in Planung, 39 Priorisierungspunkte)

AS 11, Ortsdurchfahrt Sinnleithen (400 Meter, 347.000 Euro, Deckenbau 2020, 38 Punkte)

AS 11 zwischen Sinnleithen und Gassenhof (500 Meter, 391.000 Euro, im Investitionsprogramm, 38 Punkte)

AS 11 zwischen Gassenhof und Forsthof (1,4 Kilometer, 1,19 Millionen Euro, im Investitionsprogramm, 38 Punkte)

AS 23, Ortsdurchfahrt Ebermannsdorf (520 Meter, 650.000 Euro, Deckenbau 2020, 38 Punkte)

AS 39 Ortsdurchfahrt Neukirchen (440 Meter, 482.000 Euro, Deckenbau bereits 2019, 38 Punkte)

AS 1 zwischen Ritzenfeld und Götzendorf (800 Meter, 367.000 Euro, 36 Punkte)

AS 11 zwischen Bundesstraße 85 und Sinnleithen (900 Meter, 689.000 Euro, im Investitionsprogramm, 36 Punkte)

AS 3 zwischen Schwenderöd und Bundesstraße 299 (7,25 Kilometer, 6,53 Millionen Euro, im Investitionsprogramm, 35 Punkte)

AS 15, östliche Ortsdurchfahrt Hohenkemnath (300 Meter, 357.000 Euro, Deckenbau 2019, 35 Punkte)

AS 38, Ortsdurchfahrt Oed (400 Meter, 421.000 Euro, Deckenbau 2020, 35 Punkte)

AS 42, Ortsdurchfahrt Auerbach, Kreuzungsbereich AS 43 (260 Meter, 270.000 Euro, 35 Punkte).

AS 42, Ortsdurchfahrt Auerbach, Neumühle (570 Meter, 606.000 Euro)

Bei der Vergabe der Priorisierungspunkte fanden die Zustandswerte (Ebenheit, Nässefaktor, Substanz) genauso Berücksichtigung wie die täglichen Verkehrsmengen, die Raumbedeutung des Straßenabschnitts, sein Sicherheitspotenzial und die Notwendigkeit einer Verbreiterung.

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