25.07.2019 - 19:34 Uhr
AmbergOberpfalz

Lutzmannstein: "Tote Steine" sind ein Stück Heimat - für Mensch und Fledermaus

Es ist ein Stück Heimat. Und das hat beim Ort Lutzmannstein nichts mit Kitsch zu tun, wie Pfarrer Clemens Mennicken betont. Er feiert ein Ehemaligentreffen mit Bewohnern eines Orts, den es seit 1951 nicht mehr gibt.

Pfarrer Clemens Mennicken beim Gottesdienst in Lutzmannstein.
von Heike Unger Kontakt Profil

Für Menschen ohne Bezug zu diesem Ort seien dort nur "tote Steine" zu sehen, sagte Clemens Mennicken, der Jugendpfarrer der Diözese Eichstätt im Gottesdienst, den er mit mehreren Hundert Ehemaligen und ihren Angehörigen unter freiem Himmel vor der Lutzmannsteiner Kirche St. Lucia feiert. Das kleine Gotteshaus wird gerade restauriert. Eines von drei Gebäuden, das die US-Armee in Lutzmannstein herrichten lässt.

"Vor 70 Jahren haben hier einmal Menschen gelebt", betont der Geistliche, aber jetzt gebe es "hier eigentlich kein menschliches Leben mehr, jetzt sehen wir einfach Ruinen". Der begriff Heimat werde oft mit Kitsch in Verbindung gebracht. "Wenn wir hier heute hier von Heimat sprechen, dann hat das mit Kitsch nichts zu tun. Im Gegenteil: Es hat auch ein bisschen etwas mit Schmerz zu tun." deshalb sei auch ein bisschen Wehmut dabei beim Ehemaligentreffen. Unter den Teilnehmern seien Menschen, "die hier getauft wurden, in dieser Kirche und hier vielleicht sogar das Sakrament der heiligen Kommunion empfangen haben". Manche sähen Lutzmannstein als ihre Heimat - und die ihrer Eltern. "Und die Heimat lernen wir dann zu schätzen, wenn sie uns fehlt." Ein Hinweis Mennickens darauf, dass die Lutzmannsteiner 1951 ihre Heimat verlassen mussten, weil ihr Dorf der Erweiterung des Truppenübungsplatzes Hohenfels zum Opfer fiel.

Albert Böhm.

Albert Böhm vom Umweltamt der US-Armee lenkt den Blick aus der Vergangenheit in die Gegenwart. Die Army hat im ansonsten verfallenen Lutzmannstein drei Gebäude restauriert - als Ausgleichsmaßnahme für Großprojekte wie den Ausbau des Feldflugplatzes bei Emhof und für die Errichtung einer großen Absprungzone für Soldaten im Übungsplatz. Georg Knipfer, der Experte für Natur- und Artenschutzmaßnahmen des Umweltbüros, habe 2010/11 entdeckt, dass der alte Bauernhof, die Schloudmarie, "ein wunderbar geeignetes Gebäude für den Fledermausschutz" wäre. Es biete dieselben Voraussetzungen wie das Fledermaushaus in Hohenburg, weil es mehrere "Klimazonen" biete, die für die Fledermäuse von besonderer Bedeutung seien.

Die US-Streitkräfte hätten dann 2013 tatsächlich Haushaltsmittel für die Sanierung des Hofs zur Verfügung gestellt, "speziell für den Fledermausschutz". Dafür bekomme die Army "Ökopunkte gutgeschrieben", die sie als Ausgleich für andere Baumaßnahmen einsetzen könne. Später folgten noch zwei weitere Projekte in Lutzmannstein: Auch das Schloss (inzwischen fast fertig) und die Kirche (Fertigstellung 2020) werden restauriert. In die Kirche, das letzte Projekt dieser Art im Ort, hat die Army laut Böhm "um die 300 000 Euro investiert".

Die neu gestaltete Marien-Grotte.

Bei den Arbeiten in Lutzmannstein gab es auch eine Überraschung: An einem alten Höhenweg, der auf den alten Katasterplänen zu sehen war, und den ehemaligen Pfarrhof mit der Ortschaft Velburg verband, wurde eine alte Grotte wiederentdeckt. "Wir konnten uns das zuerst nicht erklären, weil es keine Unterlagen darüber gab", berichtet Böhm. "Aber über Zeitzeugen haben wir herausgefunden, dass die Grotte zu einem von vier Höfen am Höhenweg gehört hat." Sie sei in privatem Besitz gewesen, aber auch für Wallfahrten und Marienverehrung genutzt worden. Die Grotte wurde mit US-Haushaltsmitteln so hergerichtet, dass sie erhalten bleibt. Die Baufirma, die für die Army in Lutzmannstein tätig ist, habe das Marienbild für die Grotte bezahlt. Das Original stammt laut Böhm aus der Lutzmannsteiner Kirche St. Lucia: Dort schmückte die Marien-Darstellung einst einen der Seitenaltäre. "Wir haben sie in der Regens-Wagner-Stiftung in Lauterhofen wiedergefunden, abfotografiert" und von einem Kirchenmaler nachgestalten lassen.

Georg Knipfer.

Böhm hat noch eine Erfolgsgeschichte parat: Im restaurierten Hof, der Schloudmarie, die seit 2014/15 hergerichtet sei, sind, wie erhofft, sechs Fledermausarten eingezogen. Georg Knipfer, im Umweltbüro der US-Streitkräfte zuständig für Natur- und Artenschutzmaßnahmen, schwärmt von einem ganz besonderen Glücksfall: Im Übungsplatz Hohenfels seien "fast alle heimischen Fledermausarten" zu finden: "Wir haben hier 20 von 22 in Bayern und 25 in Deutschland. Das liegt daran, dass wir hier eine Landschaft haben, die noch nie mit intensiver Landwirtschaft in Berührung gekommen ist." Kein Spritzmittel, kein Dünger: Deshalb gebe es hier "eine unheimliche Insektenvielfalt. Und alle Fledermäuse fressen Insekten, also haben sie hier optimale Bedingungen", egal, ob es nun Arten seien, die in Gebäuden leben, "oder Baumfledermäuse, die in Baumhöhlen oder abstehenden Rindenspalten" logieren – "sie finden hier alle einen optimalen Lebensraum".

Georg Knipfer hatte eine Fledermaus in einem Kasten dabei - normalerweise bekommt man die Nachtschwärmer eher nicht zu Gesicht.

Besonders stolz ist Knipfer darauf, dass auch die Große Hufeisennase in Lutzmannstein lebt: Sie sei die seltenste Fledermaus-Art in Deutschland. Naturfreunde kennen sie aus der Wochenstube in Hohenburg, am Rande des Übungsplatzes, wo die stark gefährdete Art in den vergangenen Jahren erfolgreich wieder aufgepäppelt worden sei. "Jetzt sind wir wieder bei über 200 Tiere dieser Art", stellt Knipfer erfreut fest. Und hofft, dass diese Erfolgsgeschichte weitergeht und sich aus der Wochenstube irgendwann sogar eine zweite Kolonie bildet. Auch deshalb habe man versucht, "im Übungsplatz weitere Gebäude zu errichten, wo sich diese Art in Zukunft ansiedeln kann".

Ehemaligentreffen in Lutzmannstein

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